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Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter diskutierte in Bergen über die Zukunft des Verkehrs

Neue Mobilitätsformen in Angriff nehmen

Bergen – Mit dem Thema »Mobilität neu denken« beschäftigte sich der Ortsverband Bergen von Bündnis 90/Die Grünen bei einem Diskussionsabend mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Anton Hofreiter im Festsaal. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag war von 2011 bis 2013 Vorsitzender des Verkehrsausschusses und damit bestens mit dem Thema vertraut.

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, kam nach Bergen. (Foto: Effner)

Bürgermeister Stefan Schneider wünschte sich in seinem Grußwort mehr Weitsicht bei der Verkehrsplanung. Diese setze aktuell immer noch auf Ausbau und damit Flächenverbrauch statt konkrete neue Lösungsansätze zu verfolgen oder Entwicklungen wie das autonome Fahren zu berücksichtigen. Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl plädierte vor dem Eindruck völlig verstopfter Straßen in München für einen deutlichen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

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Anton Hofreiter machte in seinem Plädoyer deutlich, dass die Förderung neuer Antriebsformen wie die E-Mobilität und Wasserstoffmotoren schon aus Gründen des Klimaschutzes unabdingbar seien. Länder wie Japan, Südkorea oder China machten es vor, wie der Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge gelinge. Einheitliche Stecker- und Bezahlsysteme sowie eine gut ausgebaute Infrastruktur an Tankstellen für emissionsfreie Antriebe würden auch in Deutschland bzw. Europa neue Grundlagen schaffen. Parallel dazu müsste der Ausbau regenerativer Energien zur Stromerzeugung vorangetrieben werden.

»Der teure Ausbau der Straßen wie jetzt ist der falsche Weg«, war Hofreiter überzeugt. Das Geld könnte besser in die Sanierung und Optimierung des Bahnsystems, in neuen Wohnraum, den Glasfaserausbau, ÖPNV oder das Bildungssystem investiert werden. Ein in punkto Fahrpläne und Pünktlichkeit, Bezahlsysteme und Verkehrslenkung besser auf einander abgestimmter ÖPNV sei mit Hilfe der Digitalisierung machbar und auch attraktiv. Durch strengere CO2-Grenzwerte sollte die Autoindustrie strenger eingebunden werden, statt wie die Bundesregierung weiter auf Technikneutralität im Verkehrsausbau zu setzen.

In der Diskussion vermisste Achim Kraus aus Chieming einen Verkehrsverbund wie in Österreich oder zeitsparende Bezahlsysteme per Chipkarte wie in Holland im ÖPNV. Hofreiter erklärte dazu, dass die Grünen dem Planungschaos mit einen »Mobilitätspass Deutschland« begegnen wollen. Helga Mandl aus Traunstein wollte wissen, wo der Strom für den Ausbau der E-Mobilität und die Digitalisierung herkommen soll. Hofreiter sah vor allem im Energiesparen noch großes Potenzial, das durch neue Standards für Gerätehersteller zu verbessern sei. Ebenso böten neue senkrecht stehende Photovoltaikanlagen mit Stromerzeugung auf beiden Seiten neue Ansatzpunkte, etwa für den Einsatz auf landwirtschaftlichen Flächen.

Sepp Hohlweger aus Ruhpolding, fragte wie sich angesichts der Lkw-Staus bei Blockabfertigung der Gütertransport per Schiene verbessern ließe. Die Auslastung sei bereits jetzt sehr hoch, antwortete Hofreiter, durch neue Technik versuche man, die Auslastung zu optimieren. Mit Investitionen von einer Milliarde Euro pro Jahr ließe sich der Schienentransport deutlich verbessern.

Georg Strauß aus Bernau ging es um die Frage des ökologischen Fußabdrucks der Elektromobilität und alternativer Antriebstechniken. Hofreiter zufolge sei der E-Antrieb gerade auf Kurzstrecken und im Großstadtverkehr zu favorisieren. Für schwere Lkw sei der Wasserstoffantrieb sinnvoll, für Flugzeuge werde am Einsatz künstlicher Kohlenwasserstoffe geforscht. Wichtig sei, dass Deutschland auch beim Batteriebau nicht anderen Nationen das Feld überlasse.

Nicht nur Elektromobilität stand im Fokus von Hofreiters Besuch. Am Christi-Himmelfahrtstag machte er sich zusammen mit einer Gruppe aus der Region auf den Weg nach München zur Demonstration gegen das Polizeiaufgabengesetz. eff