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Finissage der Jahresausstellung des Kunstvereins Traunstein mit Roter-Reiter-Preisverleihung an Helmut Mühlbacher und die Theaterwerkstatt

Neue Spielarten der Kunst in der Großen Kreisstadt

Nach vier Wochen »Stattbesetzung«, dem diesjährigen Motto der Jahresausstellung des Kunstvereins Traunstein, das, unübersehbar, an acht verschiedenen Orten in der Stadt integriert war, und bald als Gesamtkunstwerk von den Passanten erlebt werden konnte, feierte der Verein mit einer Finissage das gelungene Ereignis.

Mit der Theater-Performance »Chor der Schutzflehenden« beeindruckte die Theaterwerkstatt bei der Verleihung des Roter-Reiter-Preises des Kunstvereins Traunstein. (Foto: Heigl)

Mit der anschließenden Verleihung des »Roter-Reiter-Preises«, der 1945 von Erwin Schulz-Carrnoff für die Bildende Kunst initiiert worden war, erlebten die zahlreichen Gäste einen festlichen Abschluss der vielseitigen künstlerischen Initiative. Ausgezeichnet wird, wer den Anspruch des Preises, die politische und gesellschaftliche Bedeutung der Kunst im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, erfüllen kann. Herbert Stahl, der Vorsitzende des Kunstvereins Traunstein, steigerte die Spannung auf unterhaltsame Weise mit munterer Rede, bevor Oberbürgermeister Kegel und der 3. stellvertretende Landrat, Andreas Danzer, die Preise übergaben.

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Das damit verbundene Preisgeld von 2000 Euro – Träger des Preises sind zu gleichen Teilen der Landkreis, die Stadt und der Kunstverein Traunstein – ging zur Hälfte an Helmut Mühlbacher, der den Traunsteiner Kunstinteressierten durch seine regelmäßig mit relevanten Künstlern stattfindende »Kunstsprechstunde« bekannt sein dürfte und an die Traunsteiner Theaterwerkstatt und deren künstlerischen Leiter Reinhold Lay. Helmut Mühlbacher erhielt den Preis für seine Performance, die aus einem zweimal zwölfstündigen Rundlauf im Stadtpark bestand, dem sich Interessierte anschließen konnten, und die einen bleibenden »Eindruck« im Gras hinterließ. Die Intention war, die Passanten beim »Mitlaufen« in Gespräche über Kunst und Kultur zu verwickeln, eingespielte Abläufe zu hinterfragen und zu gesellschaftlicher Aktivität und Teilnahme zu ermuntern. Welche Aufenthaltsqualität so ein Park haben kann, indem man sich dort wieder begegnet anstatt nur hindurchzugehen zeigen Aktionen wie die Mühlbachers. Man erschließt den öffentlichen Raum und macht ihn damit lebendig.

Mit der Theater-Performance »Chor der Schutzflehenden« machte die Theaterwerkstatt auf die Lebenswirklichkeit der Flüchtlinge aufmerksam. In einer Art monotonen Kakophonie erzählten sich die Schauspieler ihre Schicksale, davon, wie es ist, fast ertrunken zu sein, von der Gewalt, der Angst und der Hoffnung. Ohne anzuklagen und ohne vorwurfsvolle Haltung hielten die Schauspieler dem Publikum den Spiegel vor, indem sie in die Rolle der Flüchtlinge und der Einheimischen schlüpften, die sich mit dem fast schon trotzig gesungenen Lied »Kein schöner Land in dieser Zeit« ihre Unschuld bewahren wollen, wohl wissend, dass alles mit allem zusammenhängt und alle mitschuldig sind an Ausbeutung.

Die Unschuld, das ging aus dem Stück klar hervor, gibt es so nicht mehr. Eine starke Performance, die unter die Haut ging. Vor der Finissage spielten die Theaterwerkstatt-Mitglieder das an Elfriede Jelinek erinnernde Stück ein letztes Mal. Das gemeinsame Erlebnis der Chiemgauer Kulturtage hat wieder einmal das Ziel erfüllt, Künstler und Stadtbewohner miteinander ins Gespräch zu bringen, sich kennenzulernen und sich untereinander auszutauschen.

Wie viel Arbeit hinter so einer vierwöchigen Veranstaltung steckt, kann man nur vermuten. Aber die neuen Spielvarianten, Kunst in der Großen Kreisstadt Traunstein darzustellen, haben großen Anklang gefunden. Auch Oberbürgermeister Christian Kegel lief etliche Runden an der Seite von Helmut Mühlbacher mit. Barbara Heigl