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Gemeinderat leitet Bebauungsplanverfahren ein – Bürgermeister Hannes Rasp: »Aus Vergangenem lernen«

Neuer Anlauf für Bau einer Hotelanlage am Königssee

Schönau am Königssee – Vier Jahre nach dem Scheitern des Hotelprojekts am Königssee wagt die Gemeinde Schönau am Königssee nun einen neuen Anlauf. Der Gemeinderat leitete am Dienstag mit 19:1 Stimmen ein entsprechendes Bauleitplanverfahren ein. Als Investor tritt die in Berchtesgaden ansässige Resort Königssee GmbH auf. Bürgermeister Hannes Rasp versprach, »dass man die Schmerzpunkte der früheren Planung nicht vergessen und aus Vergangenem lernen« wolle.

Neuer Anlauf: Mit der Einleitung des Bauleitplanung für den Bereich zwischen Altem Bahnhof und ehemaligem Asylbewerberheim am Königssee kann der Planungsprozess für eine Hotelanlage wieder beginnen. (Foto: Kastner)

Keine Zustimmung fand zunächst der Antrag on Luca Guscelli (Grüne), der sich statt einer Beschlussfassung zu diesem Thema nur eine Information gewünscht hätte. »Ich habe darüber zu wenige Informationen. Bei diesem sensiblen Thema ist mir ein Beschluss zu früh«, sagte Guscelli. Ihm fehlen unter anderem nähere Angaben zu Kubatur und Bettenzahl im geplanten Hotel.

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Zwei bekannte Pongauer

Laut Bürgermeister Hannes Rasp geht es jetzt nur um einen Aufstellungsbeschluss. »Die Gemeinde erklärt sich damit bereit, auf diesem Gebiet etwas zu entwickeln. Die Investoren werden dann ihre Unterlagen vorlegen und der Gemeinderat kann sich überlegen, ob die Planung passt oder nicht«.

Entwickelt wird die Hotelanlage diesmal von der im März 2016 gegründeten und am Schloßplatz in Berchtesgaden ansässigen Resort Königssee GmbH. Geschäftsführer der Gesellschaft sind die Pongauer Martin Harlander und Georg Hinterleitner. Beide sind mit ihren Firmen Harlander Baumanagement GmbH und Spiluttini Bau GmbH maßgeblich am Jennerbahn-Neubau beteiligt.

Entwickelt werden soll die neue Hotelanlage im Bereich des zu ändernden Bebauungsplans »Seestraße« nach den Worten von Bürgermeister Hannes Rasp auf Flächen der Hotel Königssee Betriebe und auf gemeindlichem Grund. Die Fläche umfasst die alten Gebäude wie »Casino«, »Badhotel«, »Landhaus Königssee« und ehemaliges Asylbewerberheim sowie den Parkplatz- und Wiesenbereich südöstlich des Alten Bahnhofs. Das Hotel »Königssee« selbst ist im Gegensatz zur damaligen Planung aktuell nicht in dem zu überplanenden Bereich enthalten.

Alter Bahnhof bleibt frei

»Wir wollen aus Vergangenem lernen. Das heißt, dass der Alte Bahnhof von Haus aus frei bleibt. Außerdem wäre es dumm, Schmerzpunkte wie den damaligen Querriegel und fehlende Sichtachsen zu vergessen«, bekräftigte Rasp. Der entschuldigte sich bei den zahlreich anwesenden Zuhörern dafür, dass man aktuell keine weiteren Informationen geben könne. Man wolle das Projekt aber in jedem Fall mit großer Transparenz vorantreiben.

Dass der Gemeinderat das Thema Hotelneubau keinesfalls unvorbereitet angehe, betonte Thomas Janzen (Freie Wähler). Schließlich habe es schon Gespräche mit den Investoren gegeben und dem Gemeinderat sei schon ein Grobkonzept vorgestellt worden. »Wir konnten bereits einen positiven Eindruck von den Investoren gewinnen«, sagte Janzen und drückte sein Unverständnis über die Argumentation Luca Guscellis aus.

»Wir schaffen hier kein neues Baurecht. Wir signalisieren dem Investor lediglich, dass sich da hinten etwas verändern kann«, unterstrich Franz Graßl (CSU). Das alles werde ein Entwicklungsprozess und die Planung werde sich nach den Vorstellungen des Gemeinderats entwickeln. Immerhin bestehe ja Einigkeit im Gemeinderat, »dass es da hinten so nicht bleiben kann«. So sah es auch Bürgermeister Hannes Rasp: »Es ist höchste Zeit, dass wieder Leben in die dortigen Ruinen einkehrt«.

Planungen bereits seit 2010

Hotelbaupläne für diesen Bereich beschäftigen den Gemeinderat schon seit März 2010, als die Lokalpolitiker erstmals einen Grundsatzbeschluss für eine Bebauungsplanänderung gefasst hatten. Allerdings stand das von der N & F Königssee AG mit Sitz in St. Gallen/Schweiz vorangetriebene Projekt von Beginn an unter keinem guten Stern. Zunächst erfolgte im Juni 2010 der Eintrag des Alten Bahnhofs in die Denkmalliste, dann gefielen dem Gemeinderat und der Städteplanerin Claudia Schreiber die vorgelegten Planungsentwürfe nicht. Der erste Entwurf mit zwei großen Hotels, einer Appartementanlage mit sechs Gebäuden und zwei Ladengeschäften entlang der Seestraße war zu wuchtig. Die gesamte Wiesenfläche rund um den Alten Bahnhof wäre verbaut worden. Diese Variante wurde genauso verworfen wie im Frühjahr letzten Jahres die nächste Planung. Die sah statt dem Hotel neben dem Alten Bahnhof einen Einkaufsmarkt und nur noch eine Ladenzeile entlang der Seestraße vor.

800 Unterschriften gesammelt

Schließlich nahmen die Investoren mithilfe des neu beauftragten Münchner Planungsbüros Muck Petzet und der Städteplanerin Claudia Schreiber eine neue Planung in Angriff. Die sah »nur« noch ein 300-Betten-Hotel im Vier-Sterne-Bereich vor, das etwa im Bereich zwischen jetzigem »Casino« und »Livehouse« gestanden wäre. Dahinter im Bereich des jetzigen Asylbewerberheims waren drei jeweils sechs Stockwerke hohe Gebäude als Appartementanlage geplant, der alte Bahnhof wäre frei geblieben.

Dennoch wurde der Widerstand aus der Bevölkerung immer stärker. Eine Bürgerinitiative hatte mehr als 800 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt, es wäre sehr wahrscheinlich zu einem Bürgerentscheid gekommen. Auch im Gemeinderat nahm der Gegenwind zu, nachdem die beratende Städteplanerin Claudia Schreiber eine Simulation präsentiert hatte, wie die beiden riesigen Gebäudekomplexe am malerischen Seeufer aussehen würden. Schließlich zogen die Investoren die Reißleine und legten das Projekt ad acta. Ulli Kastner