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Neuer Cheftrainer Hyypiä vor erster Bewährungsprobe

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Nach dem Rückzug von Sascha Lewandowski geht Sami Hyypiä als Leverkusens Cheftrainer in die Saison. Foto: Marius Becker Foto: dpa

Düsseldorf (dpa) - Glaubt man Rudi Völler, dann hat sich im Trainerbereich bei Bayer Leverkusen eigentlich nicht viel verändert. Egal ob sich Sami Hyypiä nun Teamchef oder Cheftrainer schimpfen darf.


»Den klassischen Alleinunterhalter als Trainer gibt es nicht mehr«, betont der Sportchef und lässt keine Gelegenheit aus, dass fünfköpfige Trainerteam hervorzuheben. Es dürfte als gut gemeinte Starthilfe für die frühere Liverpool-Legende zu verstehen sein, denn Hyypiä steht nun in alleiniger Verantwortung.

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Nach 15 Monaten hat Bayer von der in der Fußball-Bundesliga ungewöhnlichen, aber durchaus erfolgreichen Trainer-Doppelspitze Abschied genommen. Der akribische Jugendtrainer Sascha Lewandowski, in der vergangenen Saison mit Hyypiä noch auf einer Stufe, ist zurück in den Leverkusener Nachwuchsbereich abgewandert. Die Gründe für den Rückzug wurden nie so richtig klar, am Erfolg kann es nicht gelegen haben. Mit Platz drei hinter den beiden Übermannschaften Bayern München und Borussia Dortmund hat die Werkself das Maximum erreicht - und die Rückkehr in die Champions League geschafft.

Nun ist also Hyypiä der starke Mann auf dem Platz. Der frühere Abwehrriese, der am Samstag im DFB-Pokalspiel beim Viertligisten SV Lippstadt erstmals in neuer Funktion in einem Pflichtspiel an der Linie steht, sieht sich dafür gerüstet. »Ich habe ein Jahr mehr Erfahrung. Vielleicht bin ich jetzt ein bisschen mehr bereit«, sagt Hyypiä.

Dabei darf er sich offiziell noch gar nicht als Trainer bezeichnen. Bis Jahresende läuft noch sein Sonderlehrgang, den er im Sommer in der finnischen Heimat begonnen hatte. Fleißig hat Hyypiä da gebüffelt, Psychologie und Physiologie gehörten zum theoretischen Teil. Der praktische Teil wird nun unter Aufsicht auf dem Bayer-Trainingsplatz absolviert, Auftritte in der Königsklasse des Fußballs inklusive. Spätestens zum Jahresende soll er dann die Trainerlizenz besitzen.

Dass Hyypiä die Aufgabe meistert, davon ist Völler überzeugt. »Er hat sich toll entwickelt und steht vor einer großen Trainerkarriere«, sagt der Weltmeister von 1990, der in seiner Rolle als DFB-Teamchef selbst nie eine Lizenz besaß. Dabei hatte Hyypia kurz nach seinem Start im April 2012 noch Zweifel gehegt, ob der Trainerjob überhaupt das Richtige für ihn ist. Vollends überzeugt ist er offenbar immer noch nicht. »Ob das was für die nächsten 30 Jahre ist, wird sich zeigen«, sagte Hyypiä.

Bei Spielern und Fans genießt der 39-Jährige allein wegen seiner natürlichen Autorität ohne Starallüren höchste Wertschätzung. Es sei richtig Zug drin, berichtete Torschützenkönig Stefan Kießling vom schweißtreibenden Trainingslager in Zell am See. Was Hyypiä einst als eisenharten Weltklasse-Verteidiger auszeichnete, fordert er auch von seinen Spielern ein. Der 105-malige Nationalspieler hasst es, wenn seine Akteure nicht alles gegeben haben. Dann kann der frühere Champions-League-Sieger, der seine Karriere 2011 in Leverkusen ausklingen ließ, richtig ungemütlich werden.

Bislang musste er nicht allzu oft laut werden. In 51 Pflichtspielen gab es unter Hyypiä, der auf dem Lande vor den Toren Kölns wohnt, bislang nur 11 Niederlagen. Damit dies so bleibt stellt Bayer ihm ein kompetentes Trainer-Team beiseite. Jan-Moritz Lichte kam von der DFB-Trainerakademie und ist die neue rechte Hand von Hyypiä, dazu kommen Daniel Niedzkowski für die Spielanalysen, Torwart-Trainer David Thiel und Leistungsdiagnostiker Holger Broich. Diesbezüglich ist also alles angerichtet, dass es beim Saisonauftakt im Stadion am Waldschlösschen beim Club aus der Regionalliga West kein böses Erwachen gibt.