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Neuer Marktplatz im Herzen Bayerns

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Das neue Kultur- und Kongress-Forum in Altötting, für kapp 17 Millionen Euro in 25 Monaten erbaut. (Foto: Hans Gärtner)

Ob Jägerjahrestagung oder Chirurgenkongress, »Zigeunerbaron« oder Volksliedersingen – in Altötting ist ab sofort jede Art von Veranstaltung möglich, im neuen Kultur- und Kongress-Zentrum. Seit 100 Jahren, als man die Basilika St. Anna neben das Kapuzinerkloster stellte, wurde in Bayerns größtem Wallfahrtsort kein wuchtigeres Bauwerk mehr errichtet. Es steht, behäbig und schick zugleich, wie es der Münchner Architekt mit Altöttinger Wurzeln, Florian Nagler, designte, zwischen Kapellplatz und dem »Panorama«.


Nach seiner feierlichen Einweihung hofft das neue Haus auf Zustrom seitens der Bevölkerung aus Stadt und Region. »Erleben – Tagen – Begegnen – Inspirieren« lautet das Motto des dominanten, aber unauffällig zwischen zwei Klostergärten gesetzeten Gebäudes. Als »Forum« deklariert, will es »Marktplatz« sein wie zu altrömischen Zeiten, Umschlagshafen für Kommunikation jeglicher Provenienz, ohne dabei in Konkurrenz zu treten zu bestehenden Begegnungsstätten.

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An guten Wünschen für das Gelingen aller Vorhaben fehlte es am musikalisch vielfältig erhöhten Einweihungstag nicht. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der sich seit seinem von Erstem Bürgermeister Herbert Hofauer zitierten optimistischen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt 2009 hinter das Projekt stellte, sieht seine Intention, anspruchsvolle öffentliche Einrichtungen nicht nur in Ballungszentren, sondern auch in den Regionen zu installieren, wieder ein Stück weit verwirklicht: »In Altötting wurde Bleibendes für die Kultur Bayerns geschaffen«, mit einem hoch aufragenden Bauwerk. Himmel und Erde seien sich hier ohnehin näher als anderswo.

Den ökumenischen Segen erteilten Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und der Apostolische Administrator des Bistums Passau, Bischof Wilhelm Schraml. Mit 1200 Sitzplätzen des als Referenz vor dem Sponsor »Raiffeisensaal« benannten ungewöhnlich hohen Raumes mit raffinierter Dachkonstruktion, Deckenleuchtröhren und breiter Bühne können Groß- und – Vorhangeinzüge und Trennwände machen es möglich – Kleinveranstaltungen stattfinden. Das Programm der nächsten Wochen steht fest. Stefan Dettl machte mit den Grassauer Bläsern den Anfang einer Reihe kultureller Abende. Die Investition von knapp 17 Millionen Euro in das in 25 Monaten pünktlich realisierte Jahrhundertprojekt wird sich lohnen – so jedenfalls sahen es alle, die am Einweihungstag das Rednerpult betraten, auch der aus Altötting stammende Künstler Franz Ackermann. Er bemalte die Wände der Treppenaufgänge, während sein bildhauerisch tätiger Kollege aus Eggenfelden, Joseph Michael Neustifter, mit einer bronzenen Brunnen-Stele die Schwarze Madonna von Altötting in den Kontext der fünf bedeutendsten Marienheiligtümer Europas rückte, mit denen das »Herz Bayerns« verbunden ist. Hans Gärtner