weather-image
24°

Neuer Syrien-Vermittler dämpft Erwartungen

Damaskus/Kairo (dpa) - Der neue internationale Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi hat die Erwartungen hinsichtlich seiner Möglichkeiten gedämpft. «Die Konfliktparteien haben sehr starke Ansichten».

Rauch über Damaskus
Die syrische Hauptstadt Damaskus ist immer wieder Ziel von Anschlägen. Foto: SANA/Archiv Foto: dpa

Das sagte der algerische Karrierediplomat in der Nacht zum Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders Al-Dschasira. «Ich werde mit allen Seiten reden», kündigte er an. Letztlich liege es allerdings an den Konfliktparteien selbst, Syrien aus der Krise zu führen. Die Entsendung arabischer Truppen werde derzeit nicht erwogen, sagte er dem Sender Al-Arabija. «Ein militärisches Eingreifen in Syrien bedeutet das Scheitern der diplomatischen Bemühungen.»

Anzeige

Im Land geht indes das Sterben weiter. Bei einem Bombenanschlag in einem Vorort von Damaskus kamen nach Angaben der Staatsmedien in der Nacht zum Sonntag mindestens 15 Menschen um.

Brahimi übernahm am Samstag vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan das Mandat des Syrien-Vermittlers der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga. Annan war mit dem Plan eines Waffenstillstands und eines späteren Dialogs zwischen den verfeindeten Seiten gescheitert.

In dem am Samstag veröffentlichten Al-Arabija-Interview betonte der erfahrene Krisendiplomat, seiner Ansicht nach trage die Regierungsseite die größere Verantwortung für ein Ende der Gewalt. Sie müsse endlich den Wunsch der Bevölkerung nach grundlegenden Veränderungen erfüllen. «Der Wandel (in Syrien) ist notwendig, unaufschiebbar und unvermeidlich», meinte Brahimi auch im Al-Dschasira-Interview.

Die syrischen Rebellen greifen indes zunehmend Militärflughäfen des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad an. Bei einer Attacke auf den Stützpunkt Kuris in der nördlichen Provinz Aleppo sollen sie sogar Kampfjets am Boden zerstört haben, wie Aktivisten am Samstag berichteten. Bei der Erstürmung eines Luftwaffenstützpunkts in der östlichen Provinz Deir as-Saur erbeuteten die Rebellen nach eigenen Angaben eine nicht näher genannte Zahl von Luftabwehrraketen des Typs «Cobra».

Den Bombenanschlag in der Nacht zum Sonntag schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Sana «bewaffneten Terroristen» zu. Die Regimemedien verwenden diese Bezeichnung auch für die Rebellen, die gegen die Assad-Truppen kämpfen. Der Sprengsatz war in einem Fahrzeug nahe dem palästinensischen Flüchtlingslager in Al-Sbeineh explodiert. Wenige Stunden zuvor war in Damaskus nach diesen Angaben ein hochrangiger Militärarzt bei einem Bombenanschlag getötet worden.