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Neues Kunst-Studienzentrum in Salzburg

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Die Regale, vor denen Museumsdirektorin Sabine Breitwieser und Jürgen Dehm, Leiter des neuen Studienzentrums, schon einen Blick in die ersten Bücher werfen, sollen mit den Wiener Beständen noch weiter aufgefüllt werden. (Foto: Mergenthal)

Unter Fürsterzbischof Paris Lodron wurden im »Collegium Rupertinum« Anfang des 17. Jahrhunderts Priesterzöglinge ausgebildet. Nun wurde das historische Museumsgebäude gegenüber des Festspielhauses in Form eines Wissenszentrums für moderne und zeitgenössische Kunst neu belebt. Beim Eröffnungswochenende präsentierte sich das Haus nach mehrmonatigen Renovierungsarbeiten in einem neuen, zeitgemäßen Gewand.


Das Museum der Moderne Salzburg wurde 1983 im frühbarocken »Collegium Rupertinum« eröffnet. Begründet wurde es aufgrund einer Schenkung des Salzburger Kunsthändlers Friedrich Welz an das Land Salzburg 1976 und 1977. Seit Eröffnung des neuen Museumsgebäudes am Mönchsberg 2004 sei das Rupertinum »ein bisschen ein Stiefkind« gewesen, erklärte Sabine Breitwieser, Direktorin des Museums der Moderne Salzburg. Es habe ein richtiges Konzept gefehlt.

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Mit dem renommierten Architekturbüro Kuehn Malvezzi (Berlin/Mailand) wurde ein spezielles Funktions- und Raumkonzept entwickelt. Investiert wurden rund 950 000 Euro. Das Haus wurde architektonisch zum Festspielhaus hin geöffnet. Fenster wurden von den sie verdeckenden Wandpaneelen befreit, neue Lichtachsen sind entstanden.

Von März bis Juli wurden von der Gesamtfläche von 1557 Quadratmetern 614 Quadratmeter auf drei Ebenen renoviert. Optimiert wurden unter anderem Klima-, Belüftungs- und Lichttechnik – sie wurde auf LED umgestellt – sowie Böden, Wände, Decken und der Sonnenschutz.

Zugleich fand das vorher in Wien beheimatete »Generali Foundation Studienzentrum« mit einer der wichtigsten Bibliotheken und einem bedeutenden Archiv zur zeitgenössischen Kunst im Rupertinum Raum. Die Bestände umfassen die Zeitperiode vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Dieses Archiv ist für alle, die zur zeitgenössischen Kunst forschen wollen, frei zugänglich. Interessierte können auf über 42 000 Monografien, Ausstellungskataloge, Fachpublikationen zu Kunstgeschichte, Theorie und Philosophie sowie eine große Auswahl internationaler Kunstzeitschriften zugreifen. Zudem können rund 500 Kunstvideos gesichtet werden. Ein Einblick in rare Künstlerbücher im Original ist möglich. Sabine Breitwieser erwartet internationales Interesse, natürlich auch aus dem benachbarten Deutschland und dem angrenzenden Bayern.

Auch bei den wechselnden Ausstellungen in der »Studiengalerie« ist der Eintritt frei. Die Eröffnungsausstellung »Wiederentdeckt & Neu Erworben – 140 Jahre Kunst im Generali Foundation Studienzentrum« (bis 20. November) geht unter anderem auf die Themen Sprache und Text als künstlerisches Material, Bezüge zwischen Kunst und Musik sowie Reproduktionstechniken ein. Das Studienzentrum im zweiten und dritten Stock umfasst neben der Galerie ein Archiv- und Buchdepot, ein Büro, einen Lesesaal und die »Franz West-Lounge« im Dachgeschoss.

Insgesamt erwartet die Museumsdirektorin eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen im historischen Gebäude, das mit 1000 bis 2000 Gästen pro Monat bisher mäßig besucht war. Nächstes Jahr will sie sich mit dem neuen kaufmännischen Direktor des Museums der Moderne, Christian Prucher, ergänzend um eine Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes bemühen.

Seit 1934 hatte Friedrich Welz, von dem der Ursprungsbestand des Museums der Moderne stammt, in seiner Galerie in der Sigmund-Haffner-Gasse moderne Kunst gezeigt. Für die Salzburger Landesgalerie erwarb er auch hervorragende Kunstwerke aus enteignetem jüdischen Besitz, von denen inzwischen aufgrund aktueller Forschungsergebnisse einige an die rechtmäßigen Eigentümer »restituiert« wurden.

So hat nun im Museum der Moderne Salzburg sowohl die Kunstvermittlung als auch die Forschung eine neue Heimat gefunden. Veronika Mergenthal