Neues Label für regionale Produkte

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Seit 130 Jahren ist die Familie von Luca Rizzardini im Eisgeschäft tätig. In seiner Eisdiele in Laufen bietet er auch ein Biosphäreneis an, für das er nun ausgezeichnet wurde.

Berchtesgadener Land – Mit einem Festakt in Anwesenheit hoher Gäste wurden drei »Hoamat-Biere« der Teisendorfer Brauerei Wieninger sowie das »Biosphäreneis« der Eisdiele Rizzardini aus Laufen als erste Biosphärenprodukte ausgezeichnet. Das Zertifikat überreichte der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Christian Barth. Anwesend waren auch die Regierungsvizepräsidentin von Oberbayern, Sabine Kahle-Sander, der Landrat des Berchtesgadener Landes Bernhard Kern, die Bürgermeister von Laufen und Teisendorf, Hans Feil und Thomas Gasser, der Leiter der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, Dr. Peter Loreth und seine Stellvertreterin Bernadette Gneis sowie die Produzenten der neu zertifizierten Produkte Bräu Christian Wieninger und Luca Rizzardini, Inhaber der Laufender Eisdiele.


Bürgermeister Hans Feil begrüßte die Gäste auf dem Gelände des Vereinsheims der Laufener Trachtler D‘Grenzlandler, weil dort die räumlichen Voraussetzungen zur Einhaltung der Pandemie-bedingten Hygienevorgaben gegeben waren.

Regional und nachhaltig

Die Auszeichnung »Biosphären-Produkte« wurde von der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land für Produkte aus dem Lebensmittelbereich geschaffen, die sich durch besondere Regionalität und Nachhaltigkeit auszeichnen. Die Kriterien für ein solches Produkt wurden in einem Projekt nach einem ganzheitlichen und zugleich pragmatisch-wissenschaftlichen Ansatz erarbeitet, so Dr. Christian Barth. So müssen die Rohstoffe für Biosphären-Produkte aus der Region kommen, die Herstellung muss in der Region erfolgen und die Produktion muss nachhaltig sein. Mit diesem Ansatz sollen Wertschöpfungsketten in der Biosphärenregion gefördert oder neu aufgebaut werden – immer nach dem Motto: »Aus der Region. In der Region. Für die Region.«

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Trafen sich zur Auszeichnung in Laufen (v.l.): Christian Wieninger, Bernhard Löw, Thomas Gasser, Bernhard Kern, Dr. Christian Barth, Luca Rizzardini, Klaus Bauer, Sabine Kahle-Sander, Dr. Peter Loreth und Hans Feil. (Fotos: Monika Konnert)

Die jetzt ausgezeichneten Produkte bezeichnete Amtschef Barth als »würdig, um die ersten Biosphären-Produkte in der Region zu werden«. Sowohl die ausgezeichneten Biere der Brauerei Wieninger als auch das zertifizierte Eis der Eisdiele Rizzardini würden ohne chemische Hilfsmittel mit regionalen Rohstoffen von Betrieben im Landkreis hergestellt. »Ich hoffe, das ist ein Anfang, dem weitere Produkte folgen werden«, fuhr Barth fort. »Wer sich für Nachhaltigkeit und Regionalität einsetzt, sollte sich für Produkte wie die heute ausgezeichneten, entscheiden«, so das Statement der Regierungsvizepräsidentin Sabine Kahle-Sander. Sie bedankte sich bei den beiden Partnerbetrieben, die mit Tatendrang und Innovationsgeist bei dem Projekt dabei waren und bei den Zulieferern der Rohstoffe sowie allen Beratern auf dem Weg zum neuen Zertifikat.

An die Verbraucher appellierte sie, solche Produkte verstärkt nachzufragen und damit ein Zeichen für die Heimat zu setzen. Auch Landrat Bernhard Kern gratulierte den beiden Betrieben sowie dem Leiter der Biosphärenregion Berchtesgadener Land Dr. Peter Loreth zu diesem Erfolg. Er erinnerte an den Biosphärentag 2018 am Abtsdorfer See, wo man schon gespürt habe, dass die Biosphärenregion Berchtesgadener Land etwas Besonderes sei, ein Alleinstellungsmerkmal des Landkreises, das man auch leben wolle. »Mit Produkten aus dem Berchtesgadener Land ein italienisches Eis zu zaubern, ist schon etwas Besonderes.« Wenn bayerisches Lebensgefühl und italienisches Flair zusammentreffen, sei das großartig.

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Braumeister Bernhard Löw (l.) und Christian Wieninger boten ihre drei »Hoamat-Biere« an.

Kostprobe mit im Gepäck

Die beiden Betriebe freuten sich über diese besondere Auszeichnung für ihre Produkte, von denen sie auch eine Kostprobe mitgebracht hatten. »Die Idee passt in die Zeit«, so Brauereichef Christian Wieninger, dessen Betrieb den ökologischen Gedanken und Umweltschutz schon seit vielen Jahren lebe. Der Weg zur Verwendung von Rohstoffen aus der Region sei anfangs holprig gewesen, die Zusammenarbeit mit der Biosphärenregion habe vieles einfacher gemacht. Rohstoffe aus der Region gepaart mit dem Fingerspitzengefühl des Braumeisters Bernhard Löw hätten zu den drei zertifizierten »Hoamat-Bieren«, Lager hell, Lager dunkel und Weißbier naturtrüb geführt, bei denen man den besonderen Geschmack der Hoamat – durchaus auch mit Ecken und Kanten – spüren könnte.

Luca Rizzardini hat sein »Biosphäreneis« erstmals für den Biosphärentag am Abtsdorfer See kreiert. Auf die Idee gebracht hat ihn Klaus Bauer, Projektbearbeiter des »Biosphären-Produkte« Projektes, das zu diesem Zertifikat geführt hat. Luca Rizzardini stammt aus Norditalien, seine Familie ist seit 130 Jahren im »Eisgeschäft« tätig. Die Eisdiele in Laufen betreibt er seit 2011 und setzt dabei vor allem auf Produkte aus der Region. Milch, Eier, Sahne, Früchte, Blüten und Kräuter kommen aus der näheren Umgebung. Das »Biosphäreneis« sei ein Yoghurt-Honig-Eis mit essbaren Blüten und Kräutern, so Rizzardini. Die Auszeichnung teile er mit der Kräuterpädagogin Michaela Schwarzbraun, mit der er seit langem zusammenarbeite und mit Klaus Bauer von der Biosphärenregion, der ihn immer wieder ermutigt und unterstützt habe. »Gemeinsam kann man viel erreichen«, so sein Fazit.

Wie es mit den »Biosphären-Produkten weiter gehen soll, erklärte Dr. Peter Loreth zum Schluss der Veranstaltung. Man werde beobachten, wie sich die Produkte entwickeln, ob sie nachgefragt werden, ob es genügend Rohstoffe zur Herstellung gibt. Natürlich habe man bereits weitere Produkte im Visier, wie beispielsweise bestimmte Brotsorten. Wenn alles gut läuft, würde man den Schritt in die Gastronomie überlegen. Er denke da an ein »Biosphärenfrühstück« oder ein »Biosphärengericht«. Im Augenblick vielleicht noch Zukunftsmusik, aber wer hätte vor zehn Jahren an ein Biosphäreneis oder -bier gedacht.

Monika Konnert