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Neues Marketing-Konzept im Tourismus vorgestellt

Ruhpolding. Mit gut 250 »Gastgebern« war die Vermieterversammlung im großen Saal des Kurhauses so gut besucht wie schon lange nicht mehr. Das stellte Bürgermeister Claus Pichler bei der Begrüßung fest. Gerade in Zeiten rückgängiger Bettenangebote sei das hohe Engagement der übrigen Vermieter umso gefragter, so Pichler.

Kurdirektor Markus Stuckmann, der seit einem halben Jahr neu den Posten des vorherigen Kurdirektors Martin Haßlberger übernommen hat, entwarf ein Bild davon, wie sich Ruhpolding langfristig auf dem touristischen Markt positionieren wolle. Eine der kleineren Neuerungen ist es, dass das Wort »Vermieter« nach und nach aus dem Wortschatz im Tourismus verschwinden und durch das Wort »Gastgeber« ersetzt werden soll. »Sie haben einen der schönsten Berufe der Welt! Sie sorgen dafür, dass die Menschen, die zu Ihnen kommen, in der schönsten Zeit des Jahres, glücklich sind«, rief Stuckmann der Versammlung zu.

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Der Leiter der Kurverwaltung, Herbert Ringsgwandl, gab einen kurzen Überblick über Übernachtungen und Gästezahlen im letzten Jahr. Die Wintersaison 2012/2013 schloss mit einem Plus von über 13 500 Übernachtungen, bei den Gästen mit einem Minus von 660 Personen, was auf die lange Aufenthaltsdauer während der Weltmeisterschaft zurückzuführen ist.

Die Sommermonate waren gegenüber dem Vorjahr sehr stabil. In den Sommermonaten wurden 67 322 Gäste gezählt, 1773 mehr als im Vorjahr, die Übernachtungen fielen um 1000 geringer aus, insgesamt 411 308, was aber angesichts der sinkenden Bettenzahlen in Ruhpolding positiv zu bewerten sei.

Bettenschwund besorgniserregend

Als »besorgniserregend« stuften alle Verantwortlichen die abnehmende Zahl der Betten ein. In den letzten zwei Jahren wurden es mehr als 500 weniger. Hier müsse man unbedingt gegensteuern, erklärte Ringsgwandl, denn diese Entwicklung schade der Infrastruktur des ganzen Ortes. Äußerst wichtig sei nach wie vor der Qualitätsgedanke. Derzeit stehen wieder rund 450 Objekte zur Klassifizierung an. Für viele Betriebe könne ein Betriebsberater auch für Tipps und Hilfe bei den Kalkulationen hilfreich sein, empfahl Ringsgwandl.

Kurdirektor Stuckmann stellte sein verändertes Marketing-Konzept und Marktbearbeitungskonzept vor. Das Marke-ting, das bisher auf Zielgruppen orientiert war, soll nun auf Themen orientiert werden. Ruhpolding soll damit ein klares touristisches Ziel entwickeln. »Wir stehen am Beginn eines anstrengenden, langen Weges zum Gipfelkreuz«, sagte Stuckmann.

Die Vision sei es, »Ruhpolding wird zur bekanntesten und begehrtesten Destination Bayerns«, so der Kurdirektor. Der Ort werde sich als »wild-romantisches Naturparadies für aktive und passive Erholung mit authentischer Lebensart« positionieren, das heißt ohne künstliche Inszenierungen. Die unverwechselbare und traditionsbewusste Lebenskultur sei gepaart mit einem facettenreichen, reichhaltigen Freizeitangebot zu allen vier Jahreszeiten. Diese Eigenschaften sollten »gehegt, gepflegt und weiter ausgebaut werden«, so der Kurdirektor. »Wir sind stolz auf unsere Kultur, Natur und unseren Tourismus«, lautet der Markenkern des neuen Tourismuskonzeptes. Dazu kommen die einzigartig günstige geografische Lage des Ortes und die besondere Sporttradition im Sommer wie im Winter. Als ganz wichtig betonte Stuckmann die »Qualität als Anspruch und Verpflichtung«. Bei den künftig verstärkten Pauschalangeboten gelte es nicht »billig« zu sein, sondern »preiswert«. Die Zielgruppen seien Sport-, Gesundheits- und Naturbegeisterte, außerdem Familien, Singles, und »DINKS« (eine neue Bezeichnung für »double income no kids« – Paare/doppeltes Einkommen, keine Kinder).

Neue Aufmachung des Gastgeberverzeichnisses

Das bisherige Gastgeberverzeichnis soll künftig eine neue Form erhalten, erklärte Stuckmann. Bisher sei es zu unruhig, unübersichtlich und mit zu vielen Informationen überfrachtet. Vorgestellt wurden Raster für ganz-, halb- und viertelseitige Anzeigen, wobei auch in der Bildgestaltung mehr auf Emotionen gesetzt werden soll. Kleinere Anzeigen mit Bildern sollen wegfallen.

In der regen Diskussion wurden mehrfach die Kriterien bei der Klassifizierung der Ferienunterkünfte bemängelt. So sei eine Geschirrspülmaschine für vier Sterne bei einer kleinen Zweipersonenwohnung verlangt oder »abnehmbare Lautsprecher« bei einer Stereoanlage. Ringsgwandl erklärte, dass dies vom Deutschen Tourismusverband vorgegebene Standards seien, mit denen die Kurverwaltung ebenso keineswegs immer einverstanden sei. Beklagt wurde auch, dass die kleineren Bildanzeigen im Gästeverzeichnis wegfallen sollen, woraufhin Bürgermeister Claus Pichler versicherte, dass gerade das vielfältige Angebot der Kleinvermieter erhalten werden sollte; Kurdirektor Stuckmann sagte, mit dem neuen Konzept habe er auch die Reaktionen der Gastgeber auf die neuen Vorschläge testen wollen. Der Vorschlag, aus Kostengründen den Katalog nur noch alle zwei Jahre neu aufzulegen, wurde von den Verantwortlichen im Tourismus zurückgewiesen, weil dann die Aktualität mehr gewährleistet sei. »Ein veraltetes Medium dient nicht der Qualität«, so Stuckmann.

Themen der Diskussion waren auch der Weiterbetrieb der Unternbergbahn und das Überhandnehmen der Hunde im Dreiseengebiet. Ein Besucher meinte, ob man nicht nur einen von den drei Seen für Hunde freigeben könnte, was der Bürgermeister jedoch aus rechtlichen Gründen nicht für machbar hielt. gi