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Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller (links) und Martin Lang, Leiter des Reviers Hammer, vor einer rund 200 Jahre alten Weißtanne am Teisenberg – einem sogenannten Methusalembaum. (Foto: Koch)

Neues Revier Hammer der Bayerischen Staatsforsten geschaffen – Weißtanne soll einen Anteil von 30 Prozent erreichen

Dicht fallen die Schneeflocken am Teisenberg, doch unter der mächtigen Weißtanne sind Dr. Daniel Müller und Martin Lang von den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) vor dem Wintereinbruch geschützt. Die etwa 200 Jahre alte Tanne – genau könne man das nicht sagen, informieren die beiden – steht auf etwa 900 Metern Höhe am Teisenberg bei Neukirchen. Sie hat einen Durchmesser von 133 Zentimetern und einen Umfang von 4,5 Metern. Damit ist sie ein Methusalembaum. »Er ist etwas Besonderes, aber nicht der einzige«, erklärt Martin Lang, Leiter des Reviers Hammer – eines der mittlerweile neun Reviere des Forstbetriebs Berchtesgaden in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein. Das betreute Gebiet des Forstbetriebs umfasst Wälder vom Königssee bis nach Nußdorf und Laufen. Langs Revier wurde erst im Sommer diesen Jahres neu geschaffen und umfasst Teile des Teisenbergs bis hinüber zum Zinnkopf zwischen Siegsdorf und Ruhpolding. Rund 700 Hektar Wald betreut er, darin finden sich circa 500 solcher Methusalembäume von der Tanne bis zur Eiche und Fichte. 


Vor allem um diese Vielfalt gehe es in einem gesunden, stabilen, Bergmischwald, erläuterte Dr. Daniel Müller, Forstbetriebsleiter Berchtesgaden, bei der Vorstellung der Bilanz für das Geschäftsjahr 2022 der Bayerischen Staatsforsten (wir berichteten). Wichtig seien dabei nicht nur verschiedene Arten wie Fichte, Tanne, Bergahorn, Buche oder Ulme, sondern auch die Mischung aus jungen und alten Bäumen bis hin zu den »Greisen«. »Alles schön gemischt. So haben wir ein stabiles Waldsystem, um alle Aufgaben zu erfüllen.«

Ein gesunder Mischwald trage zur Biodiversität bei und diene vielen Tieren und Pflanzen als Lebensraum, aber auch den Menschen als Ort der Erholung. Ebenso schützt ein gesunder Wald vor Steinschlag, Erdrutschen, Lawinen und als Wasserspeicher auch vor Hochwasser. »Das Berchtesgadener Land ist Bayerns Landkreis mit der höchsten Reliefenergie«, erklärte Müller. »Daher brauchen wir stabile Wälder zum Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur.«

»Kein Quadratmeter Staatswald wird aufgegeben«, benannte Müller als eines der wichtigsten strategischen Ziele der BaySF. »Das ist die Grundlage all unseres Denkens.« Dies sei aber erst durch die vergangenen Dürrejahre plakativ geworden. Der Erhalt von Wäldern sei in Teilen Deutschlands mittlerweile in Frage gestellt worden. Gerade im Osten der Bundesrepublik habe es von 2018 bis 2020 drei »außergewöhnliche« Dürrejahre gegeben, was auf lange Sicht auch zu einem Verschwinden der Wälder führen könnte. Zum Walderhalt gehöre auch die effiziente Borkenkäferbekämpfung. Auch dabei sei ein gesunder Mischwald von Vorteil.

Es gebe viele verschiedene Borkenkäfer, die verschiedene Baumarten befallen. Jedoch seien nur zwei Arten zur Massenvermehrung fähig, die wiederum nur der Fichte schaden. Ziel sei daher immer eine Mischung des Waldes mit mindestens vier Baumarten. Klimatoleranten Arten wie der Weißtanne und Buche oder neuen Baumarten wie der Schwarznuss und Douglasie komme dabei eine immer wichtigere Stellung zu. Gerade die Weißtanne soll gefördert werden. Durch ihre tief reichenden Wurzeln kann sie Trockenperioden besser überstehen und ist weniger anfällig für Stürme. 2006 lag der Anteil der Weißtanne in den Revieren der BaySF bei rund acht Prozent, 2021 waren es bereits 15,5 Prozent. Ziel ist ein Anteil der Weißtanne von 30 Prozent im Bergmischwald, erläuterte Müller.

Ein Problem sei dabei, dass gerade die jungen Triebe der Tanne bei Rehen sehr beliebt seien. »Sie lassen junge Fichten stehen und selektieren die Tannen heraus. Ist der Leittrieb abgebissen, lebt der Baum zwar weiter, wächst aber dann nicht mehr richtig. Sie sehen dann aus wie Klobürsten«, sagte der Forstbetriebsleiter und ergänzte. »Ein zu hoher Verbiss entmischt den Wald«. Daher sei die Jagd wichtig, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wild und Wald zu schaffen. Im Jagdjahr 2021/22 wurden 1172 Rehe, 213 Stück Rotwild und 340 Gamsen geschossen – insgesamt also 1725 Stück Schalenwild, der Sollwert betrug 1612 Tiere. Das alle drei Jahre erstellte Verbissgutachten des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Traunstein zeige, dass der Verbiss seit 2006 in Summe abnehme, so Müller.

Ein weiterer Punkt, um gesunde Wälder zu erhalten, sind auch Biotope, die gezielt von den BaySF gefördert werden. Seit Jahrzehnten würden etwa Moore renaturiert oder auch verstärkt die Eibe wieder in den Revieren gefördert. Neu sei nun, dass diese ökologischen Leistungen in Wert gesetzt werden. Als Beispiel nannte Müller ein Grundstück am Scheiblegg bei Hammer. Dort gibt es eine mäßig artenreiche Nasswiese. Diese soll nun durch verschiedene Maßnahmen wie dem Anlegen eines Tümpels oder die Gestaltung des Waldrands in eine artenreiche Nasswiese umgewandelt werden, auf der künftig unter anderem seltene Orchideen einen Lebensraum finden sollen.

Neu ist nun, dass dieses Projekt Teil des sogenannten Ökokontos des Bayerischen Landesamts für Umwelt ist, mit dem Ökopunkte generiert werden, die für Ausgleichsflächen verwendet werden können. Als Beispiel nannte Forstbetriebsleiter Müller den Bau eines neuen Forsthauses in Schönau am Königssee, für das eine Ausgleichsfläche beziehungsweise etwa 7000 Punkte benötigt würden. Für die etwa 35 100 Quadratmeter große Fläche am Scheiblegg könnten 98.000 Ökopunkte erreicht werden, wenn alle Maßnahmen umgesetzt worden sind. Insgesamt seien derzeit fünf solcher Projekte beim Forstbetrieb in Arbeit, weitere sind angedacht.

pk