weather-image
24°

»Nice to meet you« in Oberbrunnham

Im Kulturhaus Holzapfel in Oberbrunnham bei Tacherting treffen noch bis zum 15. Juni die faszinierend humorvollen Kritzel-Illustrationen des »Selfmade-Artisten« Ray Moore und die spirituell anmutenden und oftmals auch an afrikanische Kulturen erinnernden Skulpturen des Bildhauers Max Wagner aufeinander. Die Ausstellung »Nice to meet you« lädt die Besucher ein, sich auf die spannende Kommunikation von schnellem Tempo und kontemplativer Ruhe einzulassen.

Ray Moore und Max Wagner (v. l.) im Kulturhaus Holzapfel vor Werken der beiden Künstler. (Foto: Auer)

Mit ihrem Kulturhaus hat sich Erika Holzapfel einen langgehegten Traum erfüllt. In ihrem Kleinod bietet sie zeitgenössischer Kunst einen idealen Raum zur Entfaltung. Lebenden Künstlern ermöglicht sie hier, ihre Werke auszustellen, um nicht nur ausgemachte Kunstliebhaber dafür zu begeistern. In idyllischer Lage sollen Hemmschwellen überwunden werden und Jedermann Gelegenheit haben, sich für Kunst zu interessieren.

Anzeige

Für die Werke von Ray Moore und Max Wagner scheint die ungezwungene Atmosphäre der Galerie im Kulturhaus dann auch wie gemacht, denn es »menschelt« nicht nur in den Arbeiten der beiden Künstler, die ihre erste gemeinsame Ausstellung einem Zufall verdanken. Eine gemeinsame Bekannte sei mit einem Linolschnitt von Ray in sein Atelier gekommen, um das Motiv als Plastik zu formen. Dabei sei er neugierig geworden und habe den Künstler unbedingt kennenlernen wollen, erzählt Max Wagner. Die Wellenlänge habe gleich gestimmt und es ließen trotz gegenteiliger Positionen auch jede Menge Gemeinsamkeiten in den Arbeiten entdecken.

»Die Kombination passt« fand auch Erika Holzapfel, die daraufhin die gemeinsame Ausstellung arrangiert hat. Dabei ist »Nice to meet you« Ausstellungsthema und Aufforderung zugleich. Es geht um Begegnung und Neugier auf den anderen, aber auch um Gemeinsamkeiten oder Gegensätze. Ray Moore ist, wenn er nicht malt, Webdesigner und Music Producer und künstlerisch gesehen ein Tausendsassa. Ohne Musik geht bei dem »Self-made-artist« aus Mississippi, der mit der US-Army nach Deutschland kam, nichts. Angefeuert durch Hiphop und Rap drücken seine teils Comicartigen Bilder Tempo und Rhythmus aus und der Sound ist beinahe hörbar. Ein Gewirr aus zahlreichen Details, verschlungenen oder sich ausweitenden Formen, die sich umwinden und wieder entwirren, wird durch übergeordnete Gesamtkompositionen zusammengehalten und am Ende zum Lied.

Oft stehen Parolen oder Schlagworte irgendwo in den Bildern, die eine klare Aussage treffen Manches sei aber auch »freestyle« und lasse sich nicht mit einem Dictionary übersetzen, und so manches Kürzel diene als versteckte Botschaft, erläutert Ray Moore. Dinge könnten sich auch ändern und so komme es nicht selten vor, dass er seine Bilder im Laufe der Zeit übermale. Seine Themen umfassen das Leben mit all seinen Facetten und setzen sich auch kritisch mit Politik und Menschenrechten auseinander.

Wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass die archaischen Formen und Motive, die Ray Moore oft benutzt, beim Bildhauer Max Wagner in verwandter Formensprache auftauchen. Auch die zeichenhafte Bildsprache der Hieroglyphen und Schriftzeichen aller Art gehört, in abgewandelter Form, bei beiden Künstlern zum gestalterischen Repertoire. Max Wagner zeigt in dieser Ausstellung Arbeiten, die man verschiedenen Richtungen zuordnen kann. Einmal sind da seine afrikanisch anmutenden Keramikarbeiten, wie das Paar mit dem Titel »Eaundsi«, der beim ersten Blick in die Irre führen könnte und schließlich nur die sprachliche Verschleifung von »Er und Sie« ist. Auch hier kann man sich vorstellen, dass das Motto »Nice to meet you« die Kommunikation zwischen Betrachter und Keramikpaar in Gang setzt. Prall und lebensfroh präsentieren sich dagegen seine nackten Damen, die in verschiedenen Größen in Bronze gegossene, pure Lebenslust verkörpern.

Max Wagner ist kein Unbekannter. Viele Menschen kennen den »Spaziergänger«, Münchens bronzenes Standbild des legendären Sigi Sommer oder die zwei Porträtbüsten von Bert Brecht und Carl Orff in der Ruhmeshalle bei Kelheim. Am Anfang seines künstlerischen Schaffens hat er als Zeichner bei archäologischen Ausgrabungen gearbeitet, und diese Tätigkeit hat ihn vermutlich auch geprägt. Viele seiner Arbeiten erinnern an rituelle Gegenstände, spirituelle Gottheiten oder Gestalten aus fremden Kulturen. Der gebürtige Straubinger und Meisterschüler von Prof. Erich Koch an der Akademie der Bildenden Künste in München, verzichtet auf Verschnörkeltes und beschränkt seine Formen auf das Wesentliche.

Die sehenswerte Ausstellung ist Donnerstag und Freitag jeweils von 17 bis 20 Uhr und Samstag und Sonntag von 16 bis 20 Uhr geöffnet. ca