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Nicht Kontra-, sondern pro Bass

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Meister der tiefen Töne: Thomas Hille (von links), Luzia Vieira, Claus Freudenstein und Ricardo Tapadinhas begeisterten ihre Zuhörer in Ising. (Foto: Benekam)

Die vier Kontrabässe auf der Bühne des Vereins KulturGut Ising haben Glück: Denn »ihre« vier Musiker haben ihre verborgenen Talente erkannt und kitzelten sie mit zärtlicher Leidenschaft aus ihrer tieftönigen Seele heraus. »The Bassmonsters« bescherten den Zuhörern im gut besuchten Isinger Saal mit aufregenden Bearbeitungen aus unterschiedlichsten Musik-Genres ein herzerfrischende Konzert.


Ein Kontrabassquartett an sich ist schon eine Rarität, aber dieses – wohl dem so spannenden Repertoire und seiner außergewöhnlichen Virtuosität geschuldet – lässt sich als monsterhaft gut bezeichnen. Die vier Weltklasse-Kontrabassisten Luzia Vieira und Ricardo Tapadinhas aus Portugal, Claus Freudenstein aus Mühldorf und Thomas Hille aus München brachten eine einzigartige Synthese aus Rockmusik und Klassik auf die Bühne.

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Die »bom-Bass-tischen« Vier traten heuer gar mit einer »Vorband« auf, dem achtjährigen Korbinian Brustgi aus Mühldorf mit seinem Freudenstein-Mini-Bass, der fehlerfrei den Zuhörern demonstrierte, dass auch kleine Hände basstauglich sein können – ein bewegender Auftakt, in dessen Stimmung das Quartett mit »Parallel Universe« (Red Hot Chili Peppers) einsetzte. Die Nummer wird von einer 16-Takt-Line durchzogen, die von Spieler zu Spieler weitergegeben wird und so an einen musikalischen Staffellauf denken lässt.

Der spanische Kontrabassist und Komponist Simón García muss die Größe dieses Kontrabassquartetts erkannt haben, denn er widmete ihm eine Komposition »Bassmonsters«: Nicht leicht zu spielen, wie Freudenstein verriet, dafür umso besser anzuhören. Eine Bass-ode an den King of Pop, von »Smooth Criminal« bis »Thriller«, einen Trip zur Filmmusik mit »Psycho« und mit Metallicas »Nothing else matters« und »Creeping Death« einen Ausflug in den Hardrock, ließ die Gäste im Isinger Saal den Satz »geht nicht, gibt’s nicht« als neue Wahrheit feiern.

Den gemeinsamen Puls samt Atemfrequenz hatten die vier Musiker längst gefunden: Punktgenaue Absprachen, saubere Einsätze, monsterhafte Musizierfreude und mutiges Ausloten aller Möglichkeiten, die man diesem Instrument entlocken kann. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die einzige Dame auf der Bühne an diesem Abend zum ersten Mal in dieser Formation konzertierte, also an die Stelle von Lisa de Boos trat, die jahrelang Ensemblemitglied war. Vom Michael-Jackson-Medley über »Hotel California« (Eagles) zu »With or without you« (U2) bis zu »Highway Star« schraubte sich das Stimmungsbarometer hoch. Die Zuhörer kommentierten, applaudierten, aber vor allem waren sie einfach nur beeindruckt von der grenzenlosen Spielmöglichkeit des so gar nicht behäbigen Streichinstruments – so hätte der Abend endlos weiterlaufen können. Das Publikum war so gar nicht »kontra«, sondern viel mehr »pro« Bass und erklatschte sich noch etliche Zugaben.

Kirsten Benekam

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