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Der Berchtesgadener Heilpraktiker und Diakon Michael König gibt Tipps zum sinnvollen Fasten

»Nicht nur den Gürtel enger schnallen, sondern auch den Geist weiten«

Berchtesgaden – Heute ist Aschermittwoch. Damit beginnt für Katholiken die Fastenzeit, die bis zum Karfreitag dauert. Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte von dem Berchtesgadener Heilpraktiker und Diakon Michael König wissen, wie man gesundheitsbewusst und religionskonform zugleich fasten kann.

Experte für Körper und Geist: Heilpraktiker und Diakon Michael König. (Foto: Archiv/Pfeiffer)

Herr König, was bedeutet die Fastenzeit für einen guten Katholiken?

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Michael König: Die Gebote oder Regeln für diese Zeit sind relativ locker. Fest steht, dass man am Aschermittwoch und am Karfreitag nur eine Sättigung am Tag zu sich nehmen und auf Fleisch verzichten sollte. Aber generell entscheidet der mündige Christ selbst, wo er sich einschränken möchte. Die Vernunft spielt eine große Rolle. Es ist klar, dass Schwangere, Kranke und Alte vom Fastengebot ausgenommen sind.

Wie beurteilen Sie als Heilpraktiker das Fasten?

König: Im Prinzip ist das Fasten aus naturheilkundlicher Sicht dem religiösen Fasten ähnlich. Der Verzicht auf beispielsweise Süßigkeiten, Nikotin, Alkohol oder auch Fernsehen und Computerspielen ergibt auch aus gesundheitlicher Sicht einen Sinn. Denn eine Vielzahl der Krankheiten kommt aus der Fülle, dem Zuviel. Dabei ist weniger mehr. Das naturheilkundliche Fasten ist aber strenger, klarer als das religiöse. Der Körper geht auf Null.

Sie fasten jetzt wahrscheinlich auch.

König: Ja.

Was machen Sie genau?

König: Bei regelmäßiger Darmentleerung nehme ich nur klare Gemüsebrühen, Tee, Wasser und Säfte zu mir.

Und das ist gesund?

König: Ja. Studien belegen das. Durch die Entleerung des Darms und die Reinigung des Körpers wird er von Altlasten befreit.

Wäre eine langfristige Ernährungsumstellung nicht sinnvoller?

König: Natürlich bringt es überhaupt nichts, einfach eine Zeit lang nichts oder wenig zu essen. Fasten als reine Kasteiung zu betreiben, ist krankhaft. Eine ausgewogene Ernährung ist entscheidend. Durch das Fasten gelangt man zu Erkenntnissen, wie man sich langfristig richtig ernähren kann. Man bekommt ein Gespür für sich und seine Bedürfnisse. Das Fasten sollte nicht nur den Gürtel enger schnallen, sondern auch den Geist weiten.

Ihre Meinung bitte zu derzeitigen Ernährungstrends. Beginnen wir mit Superfood.

König: Davon halte ich nichts. Zu einer guten Ernährung gehört alles dazu. Sie muss reichhaltig sein.

Veganismus?

König: Der Veganismus ist extrem. Und jede Form von Extremismus ist gefährlich. Und ungesund. Wobei ich die ethischen Beweggründe von Veganern gut nachvollziehen kann.

Was denken Sie über den derzeitigen Fitnesswahn und Körperkult in unserer Gesellschaft?

König: Davon halte ich nichts. Der Mensch besteht aus Körper, Geist und – wenn ich daran glaube – aus der Seele. Der Leib ist ein wertvoller Raum. Natürlich habe ich die Verpflichtung, ihn zu pflegen. Es muss einem aber klar sein, dass auch Geist und Seele gepflegt werden müssen. Heute betreiben wir eine riesige Körpersorge, aber wenig Seelsorge.

Sie bieten ein einwöchiges Seminar an, bei dem die Teilnehmer gemeinsam fasten. Wie wichtig ist die Gruppendynamik beim Fasten?

König: Wichtig. Fasten ist leichter, wenn man sich untereinander austauschen kann. Das verbindet und fördert den sozialen Zusammenhalt. Man sorgt füreinander.

Es gibt viele Kritiker dieses radikalen Fastens. Hatte ein Teilnehmer schon mal gesundheitliche Probleme?

König: Ganz im Gegenteil. Viele gesundheitliche Probleme sind verschwunden. Das geht aber nur, wenn man drei Dinge beachtet: Man muss immer ausreichend trinken, sich regelmäßig bewegen und auf die mehrmalige Darmentleerung achten. Missachtet man einen Punkt, dann geht es einem schlecht. Christian Fischer