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Niki am Boden: Vom Vorzeige- zum Problemflieger

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Flugausfälle
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Nichts geht mehr: Auf der Anzeigetafel am Flughafen Tegel ist der Flug der Air-Berlin-Tochter Niki nach Funchal (Madeira) gestrichen. Foto: Paul Zinken Foto: dpa

Die Niki galt als Perle im Nachlass der verblichenen Fluggesellschaft Air Berlin. Jetzt ist sie auch pleite. Doch ein letzter Funke Hoffnung glimmt.


Wien/Frankfurt (dpa) - In wenigen Zeilen beendete die Airline ihre Geschichte. Der Flugverkehr sei eingestellt. »Wir möchten uns bei Ihnen für die langjährige Treue bedanken«, heißt es am Donnerstag auf der Website der Niki.

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Alle 21 Maschinen der Air-Berlin-Tochter sind am Boden. Der letzte Flug landete kurz vor Mitternacht aus Teneriffa am Wiener Flughafen Schwechat.

14 Jahre lang war Niki mit seinen zuletzt 1000 Beschäftigten ein zuverlässiger, in der Alpenrepublik und Deutschland beliebter Ferienflieger vor allem nach Mallorca und auf die Kanaren. Lufthansa wollte die Gesellschaft nach der Air-Berlin-Pleite in die Eurowings integrieren, scheiterte aber am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter.

Jetzt tickt die Uhr für die Niki, ob nach der Insolvenz noch eine Lösung in allerletzter Minute winkt, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther hofft. »Wir sprechen mit allen Interessenten«, sagt sein Sprecher.

Ein möglicher Retter ist Niki Lauda. Der 68-jährige Ex-Rennfahrer und Pilot, der Niki 2003 selbst gegründet hat und 2011 ausgestiegen ist, hat sein grundsätzliches Interesse angemeldet. Im ersten Bieterverfahren im September hatte er zusammen mit dem Reiseveranstalter Thomas Cook und dessen Tochter Condor für die insolvente Air Berlin samt Niki geboten. »Momentan bin ich allein, aber ich bin offen für Partnerschaften«, sagte er der österreichischen »Kronen Zeitung«.

Niki genoss in Österreich lange Zeit einen besonders guten Ruf. »Wir hatten eine besondere Beziehung zu der Fluglinie«, sagt Luftfahrtexperte Kurt Hofmann. Der Grund: Die große Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Airline - und nicht zuletzt die Figur von Gründer Niki Lauda, der in der Alpenrepublik als dreifacher Formel-1-Weltmeister Heldenstatus genießt. Der leidenschaftliche Flieger - er war langjähriger Linienpilot mit 19 000 Flugstunden - hatte die Niki 2003 aus den Überresten der Aero Lloyd gegründet.

Damals kündigte Lauda an, aus der Mini-Gesellschaft mit zunächst nur drei Flugzeugen einen Billig- und Charterflieger zu machen. Bereits 2004 stieg Air Berlin mit einer Minderheit ein und übernahm schließlich zum November 2011 die Airline als eigenständige Tochter komplett. Lauda stieg aus.

»»FlyNiki« ist immer profitabel geflogen«, sagte der Unternehmer noch stolz, als das Air-Berlin-Desaster längst seinen Lauf nahm. Doch als die Mutter immer schwerer ins Straucheln kam und Niki-Flugzeuge zunehmend in Deutschland eingesetzt wurden, hatte das laut Hofmann ernüchternde Folgen. Es kam zu Flugausfällen und Verspätungen. »Die Beziehung der Österreicher zu Niki hat schwerstens gelitten«, sagt der Luftfahrtexperte. Zuletzt war nur noch eine Handvoll Maschinen vom Typ A321 in Wien im Einsatz, der Rest flog von deutschen Flughäfen. Der Marktanteil am Wiener Flughafen Schwechat von 20 Prozent vor zwei Jahren sei eingebrochen.

Als Pluspunkt für Investoren gelten neben der einheitlichen Airbus-Flotte die vergleichsweise niedrigen Gehalts- und Produktionskosten der Niki. Die Mitarbeiter verdienen im Branchen-Vergleich wenig, junge Piloten fingen zuletzt nach Informationen des Branchenportals »Pilotjobsnetwork« mit Monatsgehältern unter 2000 Euro brutto an, Flugbegleiter erhielten laut aktuellem Tarifvertrag die ersten drei Jahre nur 959,20 Euro monatliches Grundgehalt, ihr Mindestbruttogehalt ist auf 21 000 Euro festgeschrieben.

Im vergangenen Jahr scheiterte der Versuch, aus der Niki und ihrer deutschen Konkurrentin Tuifly einen neuen Ferienflieger zu schmieden. Zwar überwies die arabische Etihad ihrer bereits ziemlich klammen Tochter Air Berlin offiziell einen Preis von 300 Millionen Euro dafür, dass sie sich von der Niki trennt. Der Verkauf wurde aber in den Wirren der Insolvenz nicht mehr ordnungsgemäß vollzogen.

Wie bei der Mutter Air Berlin gehören die 21 Airbus-Flugzeuge nicht der Niki selbst, sondern sind von Leasing-Gesellschaften angemietet. Als wesentliche Vermögenswerte gelten die Start- und Landerechte an den Hauptflughäfen Wien, Palma de Mallorca und Düsseldorf.

Niki-Betriebsrat Stefan Tankovits hatte unmittelbar vor dem Platzen des Verkaufs an die Lufthansa noch große Hoffnung. »Die Lufthansa wäre der Wunschpartner, da ist langfristiges Engagement erkennbar«, sagte der 33-Jährige, der seit zehn Jahren für Niki fliegt, noch wenige Stunden bevor die deutsche Airline ihr Kaufangebot zurückzog.

Angesichts der tiefroten Zahlen bei Air Berlin habe die Belegschaft von Niki schon lange um die Zukunft gebangt, so Tankovits. Sollte sich kein Investor finden, müssten sich Piloten und Flugbegleiter nach neuen Jobs umsehen. Die Lufthansa-Tochter AUA steht mit offenen Armen bereit. Vor allem die Piloten sind gefragt.

Die Wiener Regierung will die Rückflug-Tickets für die gestrandeten österreichischen Urlauber falls notwendig vorfinanzieren, damit sie mit anderen Fluglinien nach Hause kommen. Ein regelrechter Überbrückungskredit, analog zum Vorgehen der deutschen Bundesregierung bei Air Berlin, scheint momentan wenig wahrscheinlich. Dazu müsste sich die neue Regierung von ÖVP und FPÖ bekennen, die wohl an diesem Wochenende gebildet wird.

Mit möglichen Investoren wird verhandelt. Neben Lauda ist das wohl auch die IAG, zu der British Airways, Iberia und der Billigflieger Vueling gehören. »Für IAG hätte die Übernahme durchaus Charme. Das würde Sinn machen«, sagt Luftfahrtexperte Hofmann.

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