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Noch’n Gedicht, bitte

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Frank Sauer, Volkmar Staub, Günter Fortmeier (v. l.) bei ihrer Erhardt-Hommage im k1. (Foto: Heel)

War Heinz Erhardt ein deutscher Dichter oder ein nicht ganz dichter Deutscher? Oder war er einfach nur der Schelm der Nation, wie Rainer Berg und Norbert Klugmann in ihrer höchst lesenswerten Biografie (Lappan Verlag) schreiben? Denn »keiner erzählte so himmlischen Käse wie er, der ursprünglich Pianist werden wollte, am Leipziger Konservatorium studierte, das ernste Fach dann aber zugunsten des Unernsten aufgab und als Humorist, Schauspieler und Dichter Bühnen, Rundfunk, Film und Fernsehen eroberte. Wenn der begnadete Sprachdrechsler und Wortverdreher sich den Kopf darüber zerbrach, was »ein Apfel ohne -sine« sei und mit treuherzigem Gesicht »noch'n Gedicht« vortrug, krümmte sich das Publikum vor Lachen.«


Jetzt haben Günter Fortmeier, Frank Sauer und Volkmar Staub im ausverkauften Studiotheater des k1 im Traunreut mit »Heinz lebt!« die ultimative Heinz Erhardt-Show präsentiert, eine kabarettistische Hommage an diesen Urgroßvater der Komik und einzigartigen »Botschafter der guten Laune«, dem es gelang, aus dem reinen Nichts, nämlich ob er von der einen oder anderen Seite seinen Auftritt hat, schon eine kleine Komödie zu machen. Mit Pfiff, Schwung und viel Phantasie entführten uns die drei Schauspieler in das Lachuniversum des Komikers und zeigten anhand vieler Gedichte, Sketche und Lieder auf, dass die Texte von Heinz Erhardt auch heute noch zu begeistern vermögen. Treffsicher und abwechslungsreich in Szene gesetzt und ergänzt von herausragenden Pantomime-Einlagen, Schattenspielen und Bauchrednerstücken, arbeiteten sie sich dabei vom klassischen Vierzeiler über Tierisch-Satirisches wie »Die Made« und verulkte Kulturgeschichte wie »Hero und Leander« bis hin zum (Ende vom) Ritter Fips durch, dazu gab es Besuch vom Ur-Bergsteiger Luis Trenker, der allerdings einen Übersetzer nötig hatte.

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Kurzum, ein Abend, der weit mehr als eine Nummern-Revue war und eine schöne Erinnerung an den legendären Unterhaltungskünstler, der 1971 im Alter von 62 Jahren einen Schlaganfall erlitt, der sein Sprachzentrum zerstörte, so- dass er bis zu seinem Tod im Jahr 1979 nicht mehr auftreten konnte. Seine Bücher und Schallplattenaufnahmen sorgen jedoch bis heute dafür, dass er unvergessen bleibt. Wolfgang Schweiger