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Norwegen stolz auf Toleranz und Offenheit trotz der Terroranschläge

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Gedenken
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Mitglieder der AUF, Ministerpräsident Stoltenberg und Ex-Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland auf der Insel. Foto: Heiko Junge Foto: dpa
Gedenken in Norwegen
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Gedenken in Norwegen: Prinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon bei einer Trauerfeier in Oslo. Foto: Tor Erik Schroeder Foto: dpa
Überfahrt nach Utøya
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Überfahrt nach Utøya: Familien und Freunde der 69 auf der Insel getöteten Menschen auf dem Weg zum Schauplatz des Massakers. Foto: Vegard Groett Foto: dpa
Gedenken auf Utoya
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Einer der Überlebenden des Massakers besucht im August 2011 das Ufer gegenüber der Insel. Foto: Hannibal / Archiv Foto: dpa
Gedenkgottesdienst
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Eskil Pedersen, Vorsitzender der AUF, spricht während des Gedenkgottesdienstes in der Kathedrale von Oslo. Foto: Lise Aserud Foto: dpa
Blumen
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Blumen sammeln sich in Oslo vor dem bei dem Bombenanschlag zerstörten Hochhaus. Foto: Tor Erik Schroeder Foto: dpa

Oslo (dpa) - Die Norweger haben mit gemeinsamer Trauer sowie Stolz auf Toleranz und Offenheit den ersten Jahrestag der Terroranschläge in Oslo und auf Utøya begangen.


Überall im Land gedachten Menschen am Sonntag bei Kranzniederlegungen, Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen der 77 Terroropfer vom 22. Juli 2011. Sie waren bei einem Doppelanschlag des rechtsradikalen Islamhassers Anders Behring Breivik ums Leben gekommen.

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Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte während einer Kranzniederlegung in Oslo, der Attentäter habe viele Menschen umgebracht und unfassbares Leid ausgelöst. Sein eigentliches Ziel aber habe er verfehlt. »Seine Bombe und die Schüsse sollten Norwegen verändern. Das norwegische Volk antwortete, indem es sich zu den eigenen Werten bekannte. Der Attentäter scheiterte, das Volk hat gewonnen«, sagte Stoltenberg.

Bei einer Kranzniederlegung zusammen mit König Harald V. vor dem schwer beschädigten Regierungshochhaus in Oslo forderte er seine Landsleute auf, weiter Toleranz und gegenseitige Wärme statt Hass zu zeigen. Er sagte: »Heute wollen wir einander daran erinnern, dass die Liebe ewig währt. Das Gute und die Freude lassen sich nicht auslöschen.«

Bei der anschließenden Gedenkfeier auf Utøya verlangte Stoltenberg mehr Einsatz gegen Hass-Stimmen im Internet. »Das Internet wird von schikanösen Angriffen überschwemmt. Wir haben diese hasserfüllten Äußerungen zu lange übersehen. Wir können und wollen die Augen nicht länger schließen«, sagte er.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst eine Bombe vor dem Regierungshochhaus detonieren lassen, Acht Menschen starben. Danach beging er als Polizist verkleidet das Massaker beim Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF auf Utøya.

Bei einem Gedenkgottesdienst im Osloer Dom sagte der AUF-Vorsitzende Eskil Pedersen: »Heute wollen wir gedenken und vermissen. Morgen beginnt ein neuer Tag. Wir müssen weiterkommen. Nicht ohne Trauer und Schmerz.« Pedersen konnte vor dem Massaker auf Utøya auf das Festland fliehen. Zum Auftakt der nur für einen kleinen Kreis zugänglichen, aber im Fernsehen direkt übertragenen Gedenkfeier auf Utøya sang die 22- jährige Renate Tårnes, die das Massaker überlebt hatte. Sie musste mit ansehen, wie Breivik ihren Lebensgefährten tötete.

Zum Jahrestag durften erstmals Fußgänger wieder das seit dem Terroranschlag gesperrte Regierungsviertel in Oslos Innenstadt betreten. Erst im Sommer soll entschieden werden, ob das Hochhaus komplett abgerissen oder renoviert wird. Bei einem Abriss müsse man mit einer Zeit von bis zu zehn Jahren rechnen, ehe der Neubau fertig sei, teilte die Regierung diese Woche mit

Als Gastrednerin auf Utøya sagte die sozialdemokratische Ministerpräsidentin aus dem Nachbarland Dänemark, Helle Thorning-Schmidt: »Die ganze Welt schaut auch heute wieder auf Norwegen und bewundert euch. Ihr habt mit eurer Reaktion auf den Terror Sinn gestiftet und eine Richtung gewiesen.«

Am 24. August verkündet das Osloer Gericht sein Urteil gegen den in der Haftanstalt Ila einsitzenden Breivik. Der Attentäter begründet sein Verbrechen als »Teil des Kampfes« gegen Zuwanderung aus islamischen Ländern und die sozialdemokratischen Befürworter eine multikulturellen Gesellschaft.

Programm für den Jahrestag, auf Englisch