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»Nun verschwinden alle Plagen«

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Yan Zhang bot in Freilassing ein Mozart-Violinkonzert der Extraklasse. (Foto: Janoschka)

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) und der Bach-Familie – besonders die Suite in D von Johann Ludwig Bach (1677 bis 1731) – standen bei einem Konzert in der Marienkirche Freilassing auf dem Programm. Die Salzburger Instrumentalsolisten mit Matthias Müller-Zhang als Konzertmeister boten die tänzerischen Teile der Suite in ihrem typischen Charakter musikalisch-virtuos und anschaulich dar, sodass sich die Zuhörer gut die höfischen Tänze der damaligen Zeit vorstellen konnten. Das Streichquartett war ergänzt durch einen Kontrabass, ein Cembalo sowie die strahlend-singende Solo-Oboe von Susann Kral, die ebenso wie Yan Zhang festes Orchestermitglied bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern ist.


Yan Zhang interpretierte das Violinkonzert KV 211 von Wolfgang Amadeus Mozart mit den drei Sätzen Allegro moderato, Andante und Rondeau Allegro und ließ damit den beliebten Komponisten quasi auferstehen, so mozartisch gestaltete sie besonders den tänzerischen dritten Satz im Dreivierteltakt. Ausdrucksstark erklang der zweite Satz mit seiner schönen Schlusskadenz. In der Kadenz am Ende des ersten Satzes, in dem zuvor ein meisterhaftes Frage- und Antwortspiel zwischen Sologeige und erster Violine erfreute, zog die Solistin alle Register ihres geigerischen Könnens und beeindruckte mit perlender Klangvielfalt.

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Mit dem Choralvorspiel BWV 658 auf der Kirchenorgel »Von Gott will ich nicht lassen« von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) zeigte Dr. Elke Michel-Blagrave mit filigraner Spielweise die Transparenz in Bachs Komposition auf.

Herzstück und krönender Abschluss des Konzerts war Johann Sebastian Bachs Kantate »Liebster Jesu, mein Verlangen« BWV 32 mit Claire Craig (Sopran) und Oddur Jonnson (Bass) sowie dem Projektchor Freilassing, der den abschließenden Choral darbot. Mit einem wunderbaren Sopran ging Claire Craig in ihrer ersten Arie auf die Suche nach Jesu, dessen Rolle von Oddur Jonnson gesungen wurde. Dieses Thema der Suche basiert auf der Geschichte im Neuen Testament, als der 12-jährige Jesus im »Haus seines Vaters«, anstatt bei seinen leiblichen Eltern war. Aber es wurde übertragen auf die Suche aller Menschen, was im Recitativo zwischen Sopran und Bass deutlich wird, einem Zwiegespräch zwischen der suchenden Seele und Gott.

Inhaltlich und musikalisch zeigt sich im folgenden Duett eine Steigerung, denn der Text »Nun verschwinden alle Plagen« drückt aus, dass das Suchen Erfolg hatte und ins Finden mündete. Sopran und Bass sangen schließlich nicht mehr im Wechsel, sondern gemeinsam – so wurde auch durch die Musik das Finden ausgedrückt. Der Choral des Chores beendet die Kantate mit einem Gebet. Mit langem Applaus bedankten sich die Besucher für das wunderbare Konzert. Brigitte Janoschka