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Kabarettist Bruno Jonas begeistert mit seinem Programm in Reit im Winkl

»Nur mal angenommen«

Ein Feuerwerk aus hintergründigen, politischen Pointen präsentierte in begeisternder Manier der Kabarettist Bruno Jonas bei seinem Soloprogramm »Nur mal angenommen« im voll besetzten Festsaal in Reit im Winkl.

Mit Paketen, die er »nur mal angenommen« hatte, vollgestellt war die Bühne beim Soloprogramm des Kabarettisten Bruno Jonas im Reit im Winkler Festsaal. (Foto: Hauser)

Dabei ist der Titel mehrdeutig zu verstehen. Er bezieht sich auf die Feststellung des Interpreten, dass viele glauben, dass sie annehmen müssen, was ihnen geboten wird, aber gleichermaßen auf die Rahmenhandlung des Programms. So war die Bühne vollgestellt mit Paketen, die er für seine Mitbewohner, die tagsüber nicht zu Hause sind, »nur mal angenommen« hat.

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Zum SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz stellte Bruno Jonas fest, »dass er bisher nichts ausgesagt hat, außer dass er Kanzler werden will«. Den einzigen »Schulz-Effekt« sah er darin, dass sich Merkel und Seehofer jetzt wieder verstehen. Der französische Präsidentschaftskandidat Fillon bekomme große Schwierigkeiten, weil er »das bayerische Modell der Verwandtenbeschäftigung« übernommen habe.

Zum Thema Demokratie nannte Jonas als Beispiel die Wahl des deutschen Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier sei »ein Präsident, der für uns ausgesucht worden ist«. Und überhaupt gingen beim hiesigen Wahlrecht die Hälfte der Mandate nicht an einzeln wählbare Kandidaten, sondern würden über Listen gewählt. »Die Hälfte der Abgeordneten steht schon vor der Wahl fest, darum grinsen die auch immer so«, rief er erzürnt aus. Und weiter: »Das Problem der Demokratie ist das Volk, weil’s im Volk so viel Deppen gibt.«

Zu den Plänen der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, mit einer umfassenden Rentenreform, die Rentner vor Altersarmut zu schützen, warf der Kabarettist den Verantwortlichen jahrzehntelange Untätigkeit vor und stellte fest: »Diejenigen, die uns die Probleme eingebrockt haben, bieten sich jetzt als Problemlöser an.« Und wenn das für Bildung vorgesehene Geld in die Lehrerpensionen investiert werde, dann helfe das den Kindern in der Schule herzlich wenig.

Ironisch stellte Bruno Jonas die Frage, was wohl wäre, wenn die USA ihren Status als sicheres Herkunftsland verlieren würden. Zur Wehrhaftigkeit in Deutschland vermeldete er: »Die Bundeswehr hat drei Hubschrauber – am Boden sind sie stark.« Nach einem weiteren politischen Rundumschlag in best bewährter, klassischer Kabarettistenmanier von der Gender-Debatte über die Auslassungen des türkischen Präsidenten bis zur Griechenland-Rettung wurde Bruno Jonas mit lang anhaltendem Beifall und erst nach einer Zugabe von der Bühne verabschiedet. Sepp Hauser