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Oberbayerischer Kulturpreis: »Sie schaffen Kultur, die lebt«

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Die Kammersängerin, Intendantin und Regisseurin Brigitte Fassbaender und der Historiker Manfred Treml (links) wurden von Bezirkstagspräsident Josef Mederer mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. (Foto: Rasch)

Die Kammersängerin, Intendantin und Regisseurin Brigitte Fassbaender sowie der Historiker Manfred Treml sind im Festsaal des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ausgezeichnet worden.


Den mit jeweils 5000 Euro dotierten Preis überreichte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Für die musikalische Umrahmung des rund zweistündigen Festakts sorgte die Münchner Band »Beleza« mit südamerikanischen Rhythmen. Mederer würdigte vor rund 200 Gästen das Schaffen beider Preisträger. »Mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen eröffnen sie Anderen Wege und schaffen damit Kultur, die lebt«, sagte der Bezirkstagspräsident.

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Höchste kulturelle Auszeichnung des Bezirks

Der Bezirk Oberbayern ehrt mit seiner höchsten kulturellen Auszeichnung jährlich zwei Persönlichkeiten, die sich besonders um die Kultur in Oberbayern verdient gemacht haben. Mit dem Veranstaltungsort, dem Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern hat man den Preis den Preisträgern fast an die Haustür gebracht: Professor Dr. Manfred Treml lebt in Rosenheim und Brigitte Fassbaender im gerade mal zehn Minuten entfernten Obing.

Die Kultur, der die beiden dienen, sei weit mehr als ein ästhetischer Selbstzweck: Sie sei zugleich eine Brücke zwischen Menschen, Generationen und Nationen – und als solche ein gutes Mittel zur Überwindung vielfältiger Voreingenommenheiten, sage Mederer.

Die Laudatio auf Brigitte Fassbaender hielt der österreichische Sprach- und Literaturwissenschaftler Oswald Panagl. Als international gefeierte Künstlerin mit großen Bühnenrollen wie des Octavian im »Rosenkavalier« sei Brigitte Fassbaender nach wie vor für viele Musikfreunde allgegenwärtig, deren fast verwirrende Vielfalt von gestalteten Charakteren und Rollenbildern sich der Erinnerung eingeprägt habe.

1939 in Berlin geboren, debütierte sie nach einem Gesangsstudium am Konservatorium Nürnberg bereits 1961 an der Bayerischen Staatsoper. Sie sang unter berühmten Dirigenten wie Hans Knappertsbusch und Karl Böhm. Im Laufe der Jahre ersang sie sich alle bedeutenden Partien ihres Fachs Mezzosopran und gastierte an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt.

In der zweiten Hälfte ihrer Karriere prägten vor allem Konzert- und Liedgesang ihr musisches Schaffen. 1995 beendete sie ihre Gesangskarriere und widmete sich ausschließlich der Regie von Oper und Schauspiel. Von 1999 bis 2012 leitete sie als Intendantin das Tiroler Landestheater in Innsbruck. 2005 wurde die Kammersängerin als Nachfolgerin von Wolfgang Sawallisch Vorsitzende der Richard-Strauss-Gesellschaft in Garmisch-Partenkirchen und seit 2009 ist sie auch Künstlerische Leiterin des dortigen Richard-Strauss-Festivals.

Als Intendantin und Regisseurin setzt sich Brigitte Fassbaender unter anderem für die Entwicklung junger Nachwuchskünstler ein. Als Dozentin von Meisterklassen integriere sie im Unterricht Volksfärbung, Tongebung und Wortsinn in das Ausdrucksrepertoire und Klangregister ihrer jungen Klientel, so der Laudator.

Die Künstlerin selbst war überglücklich: Der Preis habe sie besonders überrascht und glücklich gemacht, sagte sie. »Ich weiß den Preis sehr zu schätzen.« Applaus gab es dafür ihre Ankündigung, den Preis für den Musiknachwuchs in Obing zu spenden.

Manfred Treml widmete den Preis seiner Frau, mit der er seit 45 Jahren verheiratet ist. Ohne deren Verständnis und guten Rat wäre Vieles nicht gelungen: »Deshalb ist sie heute für mich die Preisträgerin.« Dass er die Auszeichnung mit Brigitte Fassbaender bekomme, vergolde für ihn den Preis.

Laudator Harald Parigger würdigte Treml als einen leidenschaftlichen Vermittler, der anders als so mancher stubengelehrter Wissenschaftler, horizontal und vertikal, methodisch und pädagogisch von außerordentlicher Vielseitigkeit sei, ohne darunter Präzision und historische Wahrhaftigkeit leiden zu lassen.

Treml habe die Siebzig zwar inzwischen überschritten, aber weder sein Temperament noch seine Genussfreude, weder seine Leistungsfähigkeit noch sein gesellschaftliches Engagement, weder sein Durchsetzungsvermögen noch seine Leidenschaft, historische Erkenntnisse zu vermitteln, hätten sich verändert. »Er ist und bleibt ein geborener Lehrer. Und ein solcher ist, anderes und doch nicht anders als beim alten Laotse, eine Kostbarkeit.«

Manfred Treml betreute zahlreiche Landesausstellungen

1943 in Eggenfelden geboren, studierte Treml Geschichte an der LMU München, wo er 1976 auch promovierte. Nach seiner Tätigkeit als Gymnasiallehrer in München wechselte er 1980 an die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen, um dort die Leitung des Referats Geschichte zu übernehmen. Von 1985 bis 2001 war er Stellvertretender Direktor am Haus der Bayerischen Geschichte, wo er zahlreiche Landesausstellungen wie »Salz macht Geschichte« (1995) oder »Bayern – Ungarn. Tausend Jahre« (2001) betreute und auch für die Neugestaltung der Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Dachau verantwortlich war.

2001 wurde der Historiker als Honorarprofessor an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt berufen. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung des Museumspädagogischen Zentrums München (MPZ), die er bis 2010 innehatte.

Ehrenamtlich leitet Manfred Treml eine Reihe von Verbänden und Vereinen, unter anderem ist er Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Geschichtsvereine und des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Er gehört als Verbandsvorsitzender dem Präsidium des Bayerischen Heimattags an, ist Vorsitzender des Hörfunkausschusses der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und Mitglied im Beirat des Hauses der Bayerischen Geschichte. Gabi Rasch