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Obstertrag liegt deutlich unter dem von 2011

Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit jener der beiden großen Obstbauern im Landkreis. Das sind Georg Blank in Molbaum bei Waging und Franz Kling in Grassau. Beide, obwohl eigentlich schon im Rentenalter, sind schon seit einigen Wochen mit Erntearbeiten beschäftigt. Die ersten frühen Apfelsorten sind ebenso wie die Frühzwetschgen schon geerntet.

Bäume erholen sich von der Höchstleistung 2011

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Die außergewöhnlich hohen Obsterträge im vergangenen Jahr sind für die professionellen Obstanbauer mehr Fluch als Segen. Wenn es so viele Äpfel, Birnen und Zwetschgen gibt wie im Herbst 2011, dann können sich viele potenzielle Kunden mit Obst aus dem eigenen Garten selbst versorgen. Das heißt: Die Nachfrage auf den Märkten sinkt. Das bekam vor allem Georg Blank zu spüren, der seine letztjährige Rekordernte bis ins Frühjahr hinein anbieten musste. Am Ende verkaufte er einen Teil mit deutlichen Preisabschlägen als Brennobst.

Heuer scheint es jedoch wieder ein ganz normales Obstjahr zu werden. Viele Bäume erholen sich von den Höchstleistungen, die sie 2011 erbringen mussten. Außerdem beeinflussten einige negative Faktoren im Frühjahr die Bestäubung der Blüten. Das Zeitfenster, in dem die Temperatur hoch genug war, dass die Bienen zum Bestäuben ausflogen, war sehr eng.

Franz Kling berichtete in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt über einen weiteren Faktor, der die Bestäubung verringert hat: Die Luftfeuchtigkeit war sehr niedrig und lag an den betreffenden Tagen bei nur etwa 15 Prozent. Dadurch konnten die Bienen die Pollen nicht wie gewünscht von einer auf die andere Blüte übertragen, weil sie nicht haften blieben.

Ein größeres Problem waren für Georg Blank die Temperaturextreme in den ersten Monaten dieses Jahres. Im Januar war es vergleichsweise warm. Darauf folgte die Periode mit wochenlangem klirrendem Frost im Februar. Bei einem Spaziergang durch seine Obstbaumkulturen sieht man immer wieder Bäume, die deutliche Frostschäden erlitten haben. Die am schlimmsten betroffenen werden im Herbst gerodet, um für Neupflanzungen Platz zu machen.

In den Hausgärten schlägt man sich derweil mit anderen Problemen herum: Der Apfelwickler sorgt auch heuer dafür, dass ein erheblicher Teil der Früchte madig ist. Wer sein Fleckchen Erde rund ums Haus im Einklang mit der Natur bewirtschaftet und auf Spritzmittel verzichtet, der muss mit diesem Schädling leben. Die professionellen Obstbauern bekämpfen ihn mit Insektiziden, wenn er zur Blütezeit ausfliegt.

Experte rät von chemischer Keule ab

Kreisfachberater Georg Unterhauser rät Gartenbesitzern von der chemischen Keule eher ab. Nur wenn man professionelles Gerät zum Ausbringen hat und wenn man mit Hilfe von Phenolfallen den richtigen Zeitpunkt zum Sprühen ermitteln kann, wird die Gefahr kleiner, etwas falsch zu machen.

Ein anderes Problem in den Hausgärten rückt in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund: der Schorf an den Äpfeln. Es kommen nämlich immer mehr Sorten auf den Markt, die weitestgehend schorfresistent sind. Und viele Hobbygartler greifen auf diesen Sorten zurück. Federführend bei der Züchtung sind das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Pillnitz in Sachsen und die Universität Stuttgart-Hohenheim. Obstbäume aus Pillnitz sind im Chiemgau und im Rupertiwinkel weit verbreitet und viele Sorten haben sich nicht nur bei den Profis Blank und Kling bestens bewährt. Der Laie erkennt sie am leichtesten daran, dass die Apfelsorten fast immer mit den beiden Buchstaben Pi oder Re beginnen. Sie heißen zum Beispiel Pia, Pilot, Pinova, Rewena, Retina, Renora oder Remo.

Georg Blank, bei dem ebenso wie bei Franz Kling auch die Zwetschgenernte gerade in vollem Gange ist, experimentiert leidenschaftlich mit den verschiedensten neuen Zwetschgensorten, die er vorwiegend aus der Lehranstalt in Hohenheim bezieht. Die meisten Frühzwetschgen sind bereits geerntet; jetzt ist die großfruchtige Sorte Schönberger an der Reihe, die auch für den Hausgarten besonders zu empfehlen ist. Die kleinfruchtige aber besonders aromatische Sorte Hauszwetschge wird erst in ein paar Wochen reif.

Aber auch bei den Zwetschgen gib es im Hausgarten das gleiche Problem wie bei Äpfeln und Birnen: Schädlinge und Maden, welche die Früchte mit ihren Gängen durchziehen. Da bleibt nur ein Trost: Wenn der Wurm drin ist, dann ist das Obst ganz gewiss biologisch erzeugt. -K.O.-