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Ochse gegen Kamel: Ungewöhnliches Rennen bei Burschen-Fest

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Ochsen- und Kamelrennen in Taufkirchen
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Siegerochse Maxl mit Reiter Alex Hintermair (l.) und Michael Winterholler auf Ochse Bobby (r.) beim Wettrennen. Foto: Matthias Balk Foto: dpa

Ochsen, seit Generationen in Oberbayern beheimatet, und Kamele als Zuzügler aus der Wüste, messen sich im sportlichen Wettkampf: Bei einem Wettrennen sind die Tiere in Taufkirchen gegeneinander angetreten. Auch eine Art der Integration.


Taufkirchen (dpa/lby) - Kamal und Khalif gegen Maxl und Franz-Josef: Vier Kamele und acht Ochsen sind am Donnerstag mit extra trainierten Reitern zu einem ungewöhnlichen Wettlauf in Taufkirchen angetreten. Das Rennen der mehrere Hundert Kilo schweren Kolosse war Höhepunkt der Feier zum 125. Jubiläum des Burschenvereins «Fröhlich Frisch auf Taufkirchen».

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In drei Durchläufen in dem Ort bei München traten Kamele und Ochsen an, allerdings durch eine Absperrung an der Rennstrecke voneinander getrennt. Auf der Strecke von etwa hundert Metern machte schließlich Ochse Maxl das Rennen, sein Reiter war Alex Hintermair.

Schon wenige Jahre nach der Gründung des Vereins sowie zum 100-jährigen Bestehen habe es ein Ochsenrennen gegeben, sagte der zweite Vorstand, Julius Ammereller. Erstmals aber seien Kamele mit an den Start gegangen - weil nicht genug Ochsen aufgetrieben werden konnten.

Man habe zunächst über Hunde nachgedacht, aber: zu klein. Pferde: zu schnell: Strauße - keine zu bekommen. Fündig wurden die Taufkirchner bei einem Kamelhof, der Kameltouren durchs Mangfalltal veranstaltet. Der Betreiber sei gleich begeistert gewesen, berichtete Ammereller.

Tierschützer der Organisation Peta hatten protestiert und die Verantwortlichen von Gemeinde und Landratsamt zum Verbot des Rennens aufgerufen. Es fand unter behördlicher Aufsicht statt. Das Veterinäramt war laut Burschenverein eingeschaltet, ein Tierarzt in Rufbereitschaft. Das Tierwohl habe an oberster Stelle gestanden, betonte Ammereller. Die Ochsen bekamen ein eigenes Zelt zum Schutz vor der Sonne - und genug zum Fressen und Trinken.

Ochsenrennen gibt es in Bayern bei Festen immer wieder. Ein großes Spektakel mit Tausenden Zuschauern findet etwa alle vier Jahre im oberbayerischen Haunshofen statt. In jüngerer Zeit rufen die Belustigungen regelmäßig auch Tierschützer auf den Plan, die sich um das Tierwohl sorgen.

Tierrennen haben aber auch andernorts eine lange Tradition, wie Oberbayerns Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler sagt. Beim ersten Oktoberfest im Jahr 1810, als Kronprinz Ludwig - der spätere König Ludwig I. - Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete, war ein Pferderennen der Höhepunkt.

«Solche Tierrennen gibt es überall dort, wo es ländliche Bevölkerung mit Tieren gibt», sagt Göttler. In Spanien etwa sei daraus der Stierkampf hervorgegangen.

Ein Stier komme aber für ein Rennen weniger in Frage - weil diese Tiere zu wild sind. Zudem habe es in den Dörfern Bayerns oft nur einen einzigen Stier gegeben, zu Zuchtzwecken, sagte Göttler. Ochsen hingegen seien für die Bauern als Zugtiere die Alternative zu Pferden gewesen, zudem gaben sie gutes Fleisch. Deshalb wurden sie bei Festen auch ins Rennen geschickt. Ein Ochse - allerdings keines der Wettkampf-Tiere - landete zu den Feierlichkeiten in Taufkirchen auf dem Grill.

Burschenverein Taufkirchen