Öffnung der Außengastronomie: »Wir haben den Tag herbeigesehnt«

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Auch wenn das Wetter gestern nicht wirklich mitspielte, genossen viele am Traunsteiner Stadtplatz einen Kaffee, einen Tee oder ein Glas Wein – dick eingepackt mit Decken und geschützt unter Schirmen vor dem Regen. (Foto: Reiter)

Traunstein – »Wir haben den Tag herbeigesehnt«, sagt Herbert Schißler. Er sitzt mit seiner Frau unter einem großen Schirm und genießt am Traunsteiner Stadtplatz – trotz Regens – ein Glas Wein beim »Lindl«. Denn gestern durfte nach monatelanger Durststrecke die Außengastronomie wieder öffnen. Die Hotellerie-Betriebe im Landkreis Traunstein und im Berchtesgadener Land dürfen heute starten.


Es ist kalt und windig, trotzdem spürt man, dass die Leute raus wollen. Endlich wieder gemütlich einen Kaffee trinken – und keinen Latte Macchiato to go. Oder eben mit einem Glas Wein auf den ersten Tag Außengastronomie anstoßen. »Es ist so schön, dass die Restaurants endlich wieder offen haben«, sagt Herbert Schißler aus Traunstein. »Wir sind einfach froh, dass wir hier sitzen können« – auch wenn das Wetter gerade nicht so mitspiele. »Wir genießen das trotzdem in vollen Zügen.«

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»Da ist das Wetter fast schon egal«

Am Nachbartisch sitzt Antonia Gastager mit ihren beiden Freundinnen. Auch sie haben sich eine Weinschorle und ein Bier bestellt. »Wir sind so froh, dass wir endlich wieder draußen sitzen können. Da ist das Wetter fast schon egal«, sagt die Siegsdorferin und lacht. Die Stimmung ist ausgelassen – auch wenn einigesbeachtet werden muss. Gäste müssen sich registrieren und einen negativen Schnelltest oder einen negativen PCR-Test, nicht älter als 24 Stunden, vorweisen können. Oder sie sind zweimal geimpft oder genesen. Am Tisch gegenüber zückt ein Mann einen Impfpass und zeigt ihn der Bedienung. Dann wird bestellt.

Fitin Sopa, der Inhaber vom »Lindl«, ist dankbar, dass die Leute »so super mitspielen. Das erleichtert uns vieles.« Er ist einfach nur froh, dass es endlich wieder los geht. »Mehr kann man sich eigentlich gar nicht freuen wie ich gerade«, sagt Fitin Sopa. Sein großer Wunsch »und wahrscheinlich der aller Gastronomen« ist: »Dass wir nie wieder schließen müssen aufgrund von Corona.«

»Kurzfristig war es tatsächlich«

Das hoffen auch die Hotelbetreiber, die mit heutigen Freitag wieder öffnen dürfen. Die Mitteilung vom Landratsamt Berchtesgadener Land kam Mittwochabend. »Kurzfristig war es tatsächlich, wir haben ins Blaue hinein entschieden«, sagt Hotelchefin Martina Hettegger. Sieben Monate war das Hotel geschlossen. Zwei Wochen Vorlaufzeit nahmen die Vorarbeiten in Anspruch, um das »Edelweiss« in Berchtesgaden wieder »hochzufahren«. Die Gäste: Heißhungrig auf Urlaub. Anfragen gibt es zuhauf. »Die nächsten zwei Wochen sind wir erst mal voll«, sagt Hettegger – und freut sich auf einen besucherreichen Sommer.

Die Hotelchefin hatte den Großteil ihres Teams in Kurzarbeit geschickt: »Das Schöne ist, dass fast jeder wieder mit an Bord ist. Alle freuen sich, wieder arbeiten zu dürfen«, sagt Martina Hettegger. Um ein Hotel wie das »Edelweiss« wieder hochzufahren und auf Betriebsmodus zu schalten, bedürfe es tagelanger Vorarbeit. »Das ist eine Wahnsinnsarbeit«, sagt Hettegger. Ein großes Team sei daran beteiligt gewesen. Das gesamte Haus, 128 Zimmer in sechs verschiedenen Kategorien, habe grundgereinigt werden müssen. »Das Housekeeping hat Wunder geleistet.« – Doch ein Restrisiko bleibt: Wenn die Inzidenz wieder über 100 steigt, blüht jenes Szenario, dem kein Hotelbesitzer, kein Ferienwohnungsbetreiber und kein Gastronom begegnen möchte: die kurzfristige Schließung.

»Ich bin sehr froh, dass wir loslegen dürfen«

Im Hotel »Edelweiss« wird es für Gäste eine eigens eingerichtete Teststation geben, die das sowieso schon große Testangebot im Markt von Berchtesgaden ergänzt. Man will auf Nummer sicher gehen, muss die Möglichkeit bieten. »Geimpfte Gäste, Getestete und Genesene brauchen eine Bescheinigung«, sagt Hettegger. Natürlich hofft sie darauf, dass der Start während der ersten Tage reibungslos über die Bühne geht. »Ich bin sehr froh, dass wir loslegen können.«

KR/kp

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