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»Ohne Herausforderungen wäre das Leben doch langweilig«

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Er hat seine Zeit als Profisportler beendet: Skilangläufer Thomas Wick, hier nach seinem zweiten Platz beim Alpencup in Tarvisio.

Für Thomas Wick steht fest: »Ich werde mich neu orientieren.« Der Skilangläufer, seit 2013 am Stützpunkt in Ruhpolding, hat zum Saisonende seine sportliche Karriere beendet. Der 28-Jährige, der dem SCM Zella-Mehlis angehört, hatte sich vor dem vergangenen Winter »konkrete Ziele gesetzt. Ich hatte ja auch das Training nochmal umgestellt, aber das kam nicht so rüber, wie das für Top-Plätze nötig ist.«


Schon vor diesem Winter hatte er betont: »Ich will bei Großereignissen nicht wieder vor dem Fernseher sitzen.« Zwar wäre das nächste Großereignis erst die WM 2021 in Oberstdorf gewesen, doch nach dem Verlauf dieser Saison sah er keine ausreichende Aussicht, dort erfolgreich sein zu können.

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So steht für ihn nun ein neuer Lebensabschnitt an. Wick wird an der Technischen Hochschule in Rosenheim ein Studium »Innenausbau und Innenarchitektur« beginnen. Für den Bachelor-Abschuss brauche man »wohl dreieinhalb bis vier Jahre«, danach erwägt er, auch noch den Master (zusätzlich zwei Jahre) anzuhängen. Gut dabei: Wick schloss bereits 2017 sein Grafik-Design-Studium ab und ist auch von daher schon gut gerüstet für seine neue Aufgabe.

Und: Wick, der als Sportsoldat in seiner Karriere von der Bundeswehr gefördert wurde und dessen Dienstzeit offiziell am 30. September endet, wird anschließend noch vom Berufsförderungsdienst der Bundeswehr unterstützt. »Das ist schon eine große Hilfe«, lobt er.

Ohnehin sei es für ihn auch jetzt wichtig, sein Training fortzuführen. »Ich werde dem Sport als Hobbysportler treu bleiben.« Gelegentlich will er dabei auf langen Strecken besonders im Langlauf »spaßbetont« antreten – denn diese langen Strecken waren für ihn schon in seiner Zeit als Profisportler sein Faible.

Wick, dessen Eltern selbst Leistungssportler gewesen waren (Langlauf und Biathlon), feierte einen seiner größten sportlichen Erfolge bei den Junioren, als er bei der JWM 2009 in Praz de Lys Sommand (Frankreich) mit der deutschen Staffel die Silbermedaille gewann. Ein Jahr später holte er bei den Junioren-Titelkämpfen in Hinterzarten mit der Staffel Bronze und machte 2010 auch sein Abitur im Sportinternat in Oberhof.

»Neben den Erfolgen bei den Junioren-Weltmeisterschaften waren meine drei Titel bei den Deutschen Meisterschaften die größten Erfolge«, blickt er zurück. 2015 (in Bodenmais) und 2016 (Kirchzarten) holte er sich jeweils den DM-Titel über 50 km in klassischer Technik. Hinzu kam 2018 in Reit im Winkl Gold im Teamsprint mit Thomas Bing (Rhöner WSV), zudem holte er 2018 über 30 km (KT) Bronze.

Sein bestes Weltcup-Ergebnis in Einzel-Wettkämpfen schaffte er 2016 mit Rang 11 im Skiathlon von Pyeongchang (Südkorea). In dieser Saison belegte er beim Weltcup in Oslo (Norwegen) im 50-km-Massenstart (KT) den 45. Rang. Beim Alpencup in Tarvisio (Italien) hatte er unter anderem Rang zwei über 15 km (KT) erkämpft. Rang 33 gab's zudem beim Weltcup in Oberstdorf im Skiathlon (15 km KT/15 km FT).

Vom Deutschen Skiverband (DSV) gab es zum Abschluss ein großes Lob für Wick: So schrieb Andreas Schlütter, Sportlicher Leiter Skilanglauf, auf der Homepage des Verbands: »Thomas war ein Athlet, der sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat und sowohl im Training als auch im Wettkampf unglaublich engagiert und motiviert war.«

»Es waren einige Höhepunkte und zerplatzte Träume dabei. Aber gerade die Tiefschläge haben mich als Mensch gestärkt. Auch viele negative Sachen haben etwas Gutes«, blickt Wick zurück. Gerade der letzte Satz gelte auch angesichts des derzeit grassierenden Coronavirus: »Das ist vielleicht ein gutes Beispiel. Das ist eine große Herausforderung für alle, und es gibt auch Einschränkungen. Aber in manchen Punkten wird man nun wieder sensibilisiert. Vielleicht lernen die Menschen jetzt wieder, dass man in Krankheitszeiten insgesamt mehr Distanz halten sollte. Wer angeschlagen ist, sollte sich da einfach zurückhalten. Außerdem dürfen wir ja noch rausgehen, und jetzt gehen plötzlich wieder viele Paare auch zu zweit raus. Die Menschen besinnen sich wieder aufs Wesentliche. Sport und Bewegung sind immer gut, und es bleiben ja oft daheim auch viele Sachen liegen. Da kann man sich jetzt mal Zeit nehmen und zum Beispiel ein gutes Buch lesen.« Zudem könne man jetzt auch lernen, Dinge auch »einmal aus einem anderen Blickwinkel« zu sehen.

Denn Wick hat in seiner Sportlerlaufbahn gelernt: »Man kann über sich hinauswachsen. Schließlich konnte ich im Sport meine physischen und psychischen Grenzen ausloten.« Eine Aufgabe könne fast nie »zu groß« sein.

Groß war auch seine Aufgabe, als er 2013 nach Ruhpolding wechselte – und wiederum viel lernte. Denn »da war ich zum ersten Mal auf mich allein gestellt, musste den Haushalt selbst machen und mir selbst etwas kochen. Da lernt man viel dazu.«

Neben der sportlichen Weiterentwicklung fand Wick in Ruhpolding ja auch sein privates Glück. Seine Freundin – Ex-Langläuferin Denise Herrmann, inzwischen als Biathletin erfolgreich – »kannte ich zwar schon von früher her gut, aber dann ist aus Freundschaft Liebe geworden.« Insgesamt bleibe nun etwas mehr Zeit, die man gemeinsam verbringen könne. Und mit Herrmann werde er auch in der kommenden Saison teilweise gemeinsam zum Laufen und trainieren gehen, vor allem im Sommer bei intensiven Einheiten als »Sparringspartner« dabei sein. Sportlich fit halten muss und will er sich ohnehin. Auch im Studium wird er ordentlich gefordert sein – aber genau das reizt ihn ja auch: »Ohne Herausforderungen wäre das Leben doch langweilig.« who