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»Ohne Romantik geht es nicht«

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Standesamtsleiterin mit Herz: Elke Lanzendörfer legt bei Trauungen Wert auf Romantik. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Die Liebe ist ihr Leben. Zumindest ein Teil des Berufslebens: Standesamtsleiterin Elke Lanzendörfer verrät im »Anzeiger«-Interview, warum ihr Romantik wichtig ist und man besser nicht allzu viele Gäste zur Trauung einladen sollte.


Frau Lanzendörfer, wird die standesamtliche Trauung mehr und mehr zum Event?

Lanzendörfer: Ja, diesen Trend kann ich beobachten. Die Wünsche der Paare werden mehr, vor allem, was das Rahmenprogramm betrifft. Auch ein Sektempfang ist ganz normal. Dafür stellen wir auch gerne die Stehtische zur Verfügung. Aber man darf nicht vergessen, dass wir immer noch in einem Rathaus sind. Der ernsthafte Charakter muss gewahrt bleiben.

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Gibt es strenge Vorschriften?

Lanzendörfer: Nein. Sagen wir so: Das Protokoll einer kirchlichen Trauung ist weitaus strenger.

Romantik oder Bürokratie? Was überwiegt bei Ihnen als Standesbeamtin?

Lanzendörfer: Ich bin schon eher der gefühlvolle Mensch. Man entwickelt ganz schnell eine Menschenkenntnis und bemerkt schon bei der Begrüßung des Brautpaares, ob der Funke zwischen Standesbeamten und Brautpaar überspringt. Gott sei Dank sind emotionslose Paare eher selten. Die meisten wollen das Romantische und keine sachliche Abwicklung. Meist ist es so, dass der Bräutigam eher sachlich und die Braut eher romantisch ist. Auch Tränen sind ganz normal, vor allem, wenn die Traurede besonders gefühlvoll ist. Und plötzlich hat der ganze Saal wässrige Augen. Ohne Romantik geht es nicht.

Müssen Sie dann auch weinen?

Lanzendörfer: Das kann passieren. Ist bei mir aber noch nicht vorgekommen. Um Gottes Willen.

Von der eigenen Hochzeit hat jeder eigene Vorstellungen. Welche Grenzen setzt dabei das Standesamt? Gibt es zum Beispiel ein Zeitlimit?

Lanzendörfer: Das ist rechtlich nicht festgelegt. Das liegt rein am Standesamt. So läuft in manchen Großstädten alles ab wie am Fließband. Das ist getaktet. Und da wird auch nur an bestimmten Tagen getraut. Bei mir und meinen Kollegen dauert eine Trauung etwa eine halbe Stunde. Gibt es ein Rahmenprogramm oder sehr viele Hochzeitsgäste, dann kann es auch länger dauern.

Können sich Paare eine bestimmte musikalische Umrahmung wünschen?

Lanzendörfer: Ja. Die bringen ihre Musik selbst mit.

Geht auch Livemusik?

Lanzendörfer: Ja. Wir hatten schon Opernsänger und Operettensängerinnen. Und Geigenspieler. Verschiedene Musikgruppen. Da muss der Standesbeamte dann die Musik dort einfließen lassen, wo es passt. Und das am besten vorher absprechen. Musikstücke passen gut zum Einzug, nach dem Jawort und zum Abschluss, wenn der Beamte fertig ist.

Fotograf?

Lanzendörfer: Ja, natürlich. Kommt ein Paar ganz alleine, nehme ich mir selbst die Zeit, um die beiden zu fotografieren.

Wo in Berchtesgaden können Sie Trauungen vornehmen?

Lanzendörfer: Standesamtliche Trauungen sind nur in dafür vom Gemeinderat gewidmeten Räumlichkeiten möglich. Diese Orte müssen störungsfrei, unabhängig von höherer Gewalt sein und über die nötige technische Ausstattung verfügen. Unter freiem Himmel sind Trauungen also nicht erwünscht. In Berchtesgaden haben wir das Trauzimmer für kleine und etwas größere sowie den Sitzungssaal für ganz große Trauungen.

Gibt es Ausnahmen?

Lanzendörfer: Nottrauungen dürfen an jedem Ort vorgenommen werden. Zum Beispiel im Krankenhaus oder zu Hause am Krankenbett. Im Übrigen auch in Schönau am Königssee.

Hatten Sie schon mal eine solche Nottrauung?

Lanzendörfer: Bisher noch nicht. Gott sei Dank.

Kann sich das Brautpaar den Standesbeamten aussuchen?

Lanzendörfer: Bei uns äußern Paare regelmäßig diesen Wunsch, den wir gerne erfüllen. Natürlich nur dann, wenn es zeitlich geht. So hat zum Beispiel Bürgermeister Franz Rasp viele andere Verpflichtungen und Termine. Dann übernimmt die Trauung ein Kollege oder eine Kollegin.

Lässt man sich generell lieber vom Chef persönlich trauen?

Lanzendörfer: Nicht generell. Aber natürlich lassen sich viele vom Bürgermeister trauen. Schon deshalb, weil man ihn kennt.

Stichwort: Dekoration. Wie viel Geraffel darf das Paar selbst mitbringen?

Lanzendörfer: Wir haben eine Mindestausstattung an Dekoration. Auch den Sitzungssaal dekorieren wir für Trauungen. Brautpaare haben oft einen eigenen Blumenschmuck oder eine Hochzeitskerze dabei. Und nehmen das dann auch wieder mit. Dafür gibt es kein Protokoll.

Immer öfter heiraten Paare nur noch standesamtlich. Werden die Hochzeitsgesellschaften immer größer?

Lanzendörfer: Im Sitzungssaal bringen wir 80 Personen unter. Bei geöffneter Tür zur Not 100. Da müssen dann welche draußen stehen. Aber ganz ehrlich: So richtig kommt da keine Stimmung auf. Es ist dann zu unruhig, irgendwie nicht festlich. Deshalb limitieren die meisten Paare die Zahl der Gäste.

Im Zeitalter des Individualitätswahns soll wahrscheinlich auch die Traurede möglichst auf das Paar zugeschnitten sein, oder?

Lanzendörfer: Man kann sie individuell anpassen. Ich habe verschiedene Bausteine, die ich zum Beispiel nach dem Alter des Paares oder der Berufsgruppe auswählen kann. Besonders beliebt sind natürlich persönliche Details und Anekdoten. Oft stellt sich das Brautpaar per E-Mail vor und liefert teils sehr umfangreiche Hintergründe. Da muss ich mir dann Schwerpunkte rausziehen.

Gibt es eine Kleiderordnung?

Lanzendörfer: Nein. Aber generell gilt: Standesbeamte sollen dem ernsthaften Charakter und dem würdigen Rahmen entsprechend gekleidet sein. Wir ziehen uns dementsprechend elegant an. In Berchtesgaden also oft die Tracht. Damen: Dirndlgwand oder Trachtenkostüm. Hallinger-Hansi, Bürgermeister: Lederhose.

Haben Sie Skandale erlebt?

Lanzendörfer: Nein.

Ist mal jemand ohnmächtig geworden?

Lanzendörfer: Nein.

Gab es schon einmal Streit?

Lanzendörfer: Nein. Und: Es haben alle Ja gesagt.

Die heikelste Frage zum Schluss: Sehen Sie es mit Ihrer langen Erfahrung einem Paar an, ob die Ehe halten wird.

Lanzendörfer: Nein. Aber, damit die Ehe hält, gebe ich den Paaren folgenden Rat mit: Redet miteinander, schweigt nichts tot.

Christian Fischer