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"Ohne Rücksicht auf Verluste" – Wohnmobilnutzer vom Osterwochenende erzürnen Berchtesgadener

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Urlaub am See: Wohnmobilisten verbrachten die vergangenen Tage am Königssee. (Fotos: privat)
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Für wenig Begeisterung sorgten die Hinterlassenschaften der Kurztrip-Besucher in sozialen Medien.

Schönau am Königssee – Mit einer Flut an Wortbeiträgen und einem offenen Brief an die Politik hat das Netz auf die Welle von Wohnmobilisten reagiert, die Ostern im Berchtesgadener Talkessel verbracht haben. Es gab einerseits Verständnis für die Reisenden auf vier Rädern, andererseits aber auch Kritik. Anstoß für heiße Diskussionen bildeten vor allem die Hinterlassenschaften der Mobilreisenden.


Die Grillkohle vom Vortag liegt mitten in der Wiese, Plastikfolien kleben auf dem Asphalt, mehrere Personen haben ihr großes Geschäft direkt neben das Pflaster gemacht. Die Taschentücher zeugen davon. Benutzte Hygieneartikel liegen am Rand des Großparkplatzes Königssee. Dieser war wie berichtet am vergangenen Wochenende eine Oase von Wohnmobilreisenden. Denn während der Pandemie haben Campingplätze offiziell geschlossen. Dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist, wird geparkt.

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Müll und Dreck sind die Hinterlassenschaften des Wochenendes, die bei jenen, die zuhause blieben, die Gemüter in Wallung bringen. Ihrem Unmut Luft machten sie im Internet, wo mehrere Beiträge von Tausenden gesehen und von Hunderten geteilt und kommentiert wurden.Den Wohnmobilreisenden bläst der Wind der Einheimischen ins Gesicht, denn es wurde ein »Saustall« hinterlassen – menschliches Versagen in Form von »asozialem Verhalten«, heißt es in sozialen Medien: »Die Parkplätze sind vollgeparkt von Bussen und Campingwagen (...), die Menschen-Sch... liegt überall in den Wiesen und ich frage mich, wie lange soll das so noch weitergehen«, heißt es in einem Beitrag, der durch Verlinkungen an politische Entscheider gerichtet ist. Problem seien nicht die »Camper«, wie es dort heißt, sondern, »dass der Tourismus noch immer geschlossen ist«, und ein zielführendes, umfassendes Konzept auf sich warten lasse.» Sie sitzen da und grillen und genießen ihren Wein am See. Man selber kommt vom Berg und geht allein nach Hause.«

In gewisser Weise ist das, was derzeit im Netz geführt wird, auch eine Form der Neiddebatte, eine salonfähige »Der-gegen-den-Mentalität«, wie ein Nutzer schreibt. Auf der anderen Seite ist es eine Abrechnung mit den häufig titulierten »Nestbeschmutzern«, die fern der eigenen Heimat und trotz Toilette und Mülleimer an Bord nicht in der Lage sind, ihren Abfall wieder zu entfernen. »Das wäre alles nicht, wenn die Stell- und Campingplätze offen wären«, schreibt eine Frau auf Facebook.

Der Geschäftsleiter der Gemeinde Schönau am Königssee, Andreas Huber, kennt das Problem mit belegten Stellplätzen. Der Bürgermeister hatte davon in der Dienstbesprechung am Dienstagmorgen noch berichtet. Huber teilt telefonisch in Sachen Müll mit: »Unsere Bauhof-Mitarbeiter sind während einer normalen Saison täglich in der Gemeinde unterwegs, um aufzuräumen.« Entsprechende Müllmengen seien daher nichts Ungewöhnliches. Das klassische Campen, das Grillen vor dem Fahrzeug, ist laut Polizei verboten. Praktiziert wurde es trotzdem. Die Grillkohlehäufchen sind mittlerweile verschwunden.

Unter Touristikern ist man nicht begeistert von der Entwicklung in Zeiten von Corona, in denen Ferienwohnungen und Hotels geschlossen bleiben müssen und dennoch Heerscharen an Urlaubern vorbeikommen. Nur weiß man auch: Kurztrips von Wohnmobilisten werden sich auch zukünftig nicht verhindern lassen.

Kilian Pfeiffer

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