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Die »Heilige Nacht« in St. Bartholomä begeistert die Teilnehmer – Großartige Darbietungen von Hans Stanggassinger und den Musikanten

Ohrenschmaus und Gaumenfreuden

Schönau am Königssee – Die »Heilige Nacht« in St. Bartholomä gilt als ein Glanzpunkt zur weihnachtlichen Einstimmung. Mit der Lesung der Weihnachtsgeschichte von Ludwig Thoma in bayerischer Mundart, musikalisch untermalt von Stubnmusi und Bläsern, sowie einem anschließenden 3-Gänge-Menü bot die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee zum Jahresausklang wieder das hochwertige Programm für Kulturkenner an. Klausurähnlich sollten die Teilnehmer durch die gestaltete Idylle eingefangen werden.

In St. Bartholomä (v.l.): Hans Stanggassinger, Christina und Toni Hillebrand sowie Katherl, Hans, Paul und Sepp Hallinger.
Die Ramsauer Bläser unter der Leitung von Florian Stöckl empfangen die Gäste.
Die Musikanten und ihr Publikum. (Fotos: Tessnow)

Über dem Königssee lag dichter Nebel, als sich die Teilnehmer des ausgebuchten Kulturschmankerls eintrafen. Gleich nach dem Ablegen von der Seelände übernahm Hans Stanggassinger mit seiner kräftigen und sonoren Stimme die Einleitung und vermittelte den Zuhörern ein paar Instruktionen für das romantische Kulturerlebnis. »Weg vom hektischen Trubel und hinein in die Stille und Echtheit.« Das war das Motto des Abends.

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Stille statt Event

»Diese Veranstaltung ist kein Event. Wir möchten mit diesem Programm Stille vermitteln«, erklärte er eindringlich und bat um Ruhe bei den Zuhörern. »Auch während der Lesung möchte ich Sie bitten, nicht zu applaudieren oder zu fotografieren und die Handys auszuschalten, um die gewünschte Atmosphäre zu gewährleisten«, ergänzte Stanggassinger.

Nach der 30-minütigen Überfahrt begrüßten die Ramsauer Bläser Karl Zörner (Bass-Flügelhorn), Michael Gschoßmann und Seppi Wegscheider (beide Flügelhorn) unter der Leitung von Florian Stöckl (Tuba) das erwartungsfrohe Publikum mit »Maria die Jungfrau von Nazareth« und »O Wunder, was soll es bedeuten«. Zum Aufwärmen wurden Glühwein und Tee gereicht. Nachdem die letzten Töne von »Ihr Hirten, lauft nach Bethlehem« verklungen waren, hieß es in der Wallfahrtskirche Platz zu nehmen, um der Weihnachtsgeschichte von Ludwig Thoma zu lauschen.

Die Kirche war mit großen Kerzen ausgeleuchtet, die ein stimmungsvolles Schattenflackern an die Wände zauberten. Neben dem Rednerpult stand der dezent festlich mit Berchtesgadener War geschmückte Christbaum. Auch dort spürten die Gäste Ruhe, Konzentration und Gefühl. So sollte auch bewusst ein Konzertcharakter vermieden werden, erklärte Hans Stanggassinger. Neben ihm hatten sich bereits die Geschwister Hallinger mit ihren Instrumenten am Tisch gesellt. Dahinter positionierte sich der Auzinger Zwoag'sang mit Christina Hillebrand an der Konzertgitarre und Toni Hillebrand am Akkordeon.

Seit mittlerweile 22 Jahren trägt Hans Stanggassinger die biblische Geschichte von Christi Geburt und der vorausgegangenen Herbergssuche vor. Wer ihm dabei zuhörte, wurde sofort in seinen Bann gezogen. Stanggassinger vermittelte durch seine intensive Darbietung aus Gestik und Mimik ein derartig authentisches Bild, dass es jeden fesselte. Ergänzend und abrundend wirkte auch die Integration der Musik in die Lesung. Mal eröffnete es ein Kapitel, beendete es, oder untermalte subtil den Vortrag des Sprechers.

Nach einer Stunde endete die Geschichte mit dem »Andachtsjodler«, der zuerst von den Ramsauer Bläsern, gefolgt vom Auzinger Zwoag'sang und schließlich vom gesamten Publikum angestimmt wurde. Nach Verlassen der Wallfahrtskirche durften sich nun die Zuhörer auf den anschließenden kulinarischen Teil der Veranstaltung freuen.

Elegantes Drei-Gänge-Menü

In beiden Sälen des gemütlich gestalteten historischen Wirtshauses liefen längst die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Wirtshausküche war auf die 150 Teilnehmer bestens vorbereitet und bewies ebenso Finesse in der Dekoration der Räumlichkeiten. Ein elegantes Drei-Gänge-Menü mit Hirschkalbsbraten, Lachsforellenfilet oder Maishähnchenbrust als Hauptgang standen auf der Speisekarte. Ein großes Lob galt es auch dem sechsköpfigen Kellnerteam auszusprechen. Sie absolvierten den Abend mit Bravour.

Bei der Vorstellung der einzelnen Musikanten durfte dankend Applaus gespendet werden. Diesen nahmen die Musiker gerne an und die Geschwister Hallinger griffen daraufhin zu ihren Fleitln. Hans Stanggassinger zeigte sich nun von einer weiteren Seite und überraschte die Teilnehmer mit seinem stilvollen Humor. »Ich bin Berchtesgadener von Beruf«, warf er salopp in die Runde und erntete ebenso großen Beifall und Respekt für seine Leitung wie die Musikanten an seiner Seite. Weil sich im Saal ein Geburtstagskind befand, griffen Christina und Toni Hillebrand spontan zu ihren Instrumenten und gaben der Jubilarin ein Ständchen.

Vier Stunden Kultur pur

Die Ramsauer Bläser verabschiedeten das Publikum nach vier Stunden Kultur pur. Erstklassig verköstigt und kunstvoll unterhalten machten sich die Teilnehmer auf den Weg an Fackeln vorbei zum Bootsanlieger. Fast erweckte es den Eindruck, dass der dichte Nebel an der Zeremonie teilnahm. Denn dieser hatte schnell eine farbliche Einheit mit den beschlagenden Bootsfenstern gebildet, bis die Lichtersilhouette der Seelände aufblitzte und den romantischen Ausflug ausklingen ließ.

Alle weiteren Termine sind für heuer bereits ausverkauft. Wer also in den Genuss dieses Angebots kommen möchte, muss bereits jetzt Karten für das kommende Jahr organisieren. Jörg Tessnow