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Olympia-Gold mit Berchtesgadener Glanz

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Drei der Olympiasieger haben ihre sportlichen Wurzeln in Berchtesgaden (v.l.): Andreas Wank, Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund. Foto: dpa
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Seit vielen Jahren verbindet Olympiasieger Marinus Kraus (r.) und den Berchtesgadener Wolfgang Bösl eine große Freundschaft. Ehe Kraus zu den Spezialspringern wechselte, gehörte er zusammen mit Bösl der Nationalmannschaft der Nordisch Kombinierten an. Bösl überraschte seinen Freund bei der Ankunft aus Sotschi in dessen neuer Wohnung, wo mit vielen Freunden gefeiert wurde. Foto: Claudia Kecht

Sotschi/Berchtesgaden – Größten Jubel in der ganzen Nation löste die überraschende Goldmedaille der deutschen Skispringer bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi aus. Gerade auch in Berchtesgaden war die Freude groß, denn bis auf Andreas Wank haben alle Goldspringer (Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund) ihre sportlichen Wurzeln im Talkessel. Am Kälberstein holten sie sich viele Jahre lang unter Stützpunkttrainer Christian Leitner den nötigen Schliff für das jetzt so erfolgreiche Olympiaprojekt.


Kraus, Wellinger und Freund haben ihre Schulzeit an der Eliteschule des Sports im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) absolviert und am Stützpunkt Berchtesgaden/Kälberstein trainiert. Freund, der in München studiert, trainierte von 2004 bis 2009 in Berchtesgaden. Bundespolizist Kraus verbrachte seine Sportlerzeit von 2003 bis 2014 in Berchtesgaden und Wellinger ist seit 2008 hier und legt demnächst sein Abitur am Dürreck ab.

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Der gebürtige Oberaudorfer Marinus Kraus kommt ursprünglich von der Nordischen Kombination, wo er als großes Talent galt und zusammen mit dem Berchtesgadener Wolfgang Bösl trainiert hat. Kraus schickte dem »Berchtesgadener Anzeiger« gleich nach seiner Rückkehr aus Sotschi eine sehr persönliche, emotionale und sympathische Mail, die er mit herzlichen Grüßen an seine lieben Berchtesgadener Freunde, Trainer und Bekannte sowie vor allem auch an seine unvergessliche Ziehfamilie Bösl abschloss. Kraus hatte nämlich bis zuletzt bei der Familie Bösl am Doktorberg ein Zimmer, ehe er jüngst mit seiner Freundin Claudia Kecht, der Stieftochter des ehemaligen Skisprung-Nationaltrainers Rudi Tusch, zusammenzog.

Seine Freunde hatten in seiner Abwesenheit mit Freundin Claudia Kecht die neue Wohnung in Rosenheim eingeräumt und die Oma von Marinus hat ihren Enkel vom Flughafen in München abgeholt. Als Marinus in seine Wohnung gekommen war und all seine Freunde ihn dort erwartet hatten, zeigte sich der Skispringer tief gerührt.

Folgendes berichtete Marinus Kraus von den Olympischen Spielen: »Ich beginne mit der Anreise von Sotschi Airport zum Olympischen Dorf, die sehr aufregend war. Unsere Spannung, wie es werden sollte, übertraf alle Erwartungen. Schon die ersten Eindrücke gestalteten sich überwältigend, das Olympische Dorf erwies sich einfach als nur cool. Wir trafen dort Sportstars der verschiedensten Nationen und saßen mit ihnen in der Mensa zusammen.

Die Unterbringung war super, die Wege kurz und organisatorisch war es echt super. Wir mussten nur in einen Bus einsteigen, der versiegelt wurde. So konnte man überall hin und auch zur Schanze reisen. Die Wettkampfstätten und natürlich auch die Schanzen beeindruckten uns ganz einfach, alles glänzte und blinkte.

Unsere Wettkämpfe entwickelten sich super spannend. Die Höhepunkte für mich waren der Wettbewerb auf der Großschanze und natürlich der Team-Wettkampf. Ich war zunächst über meinen sechsten Platz auf der Großschanze sehr glücklich. Es sollten ja nicht nur meine ersten Olympischen Spiele werden, ich habe ja auch noch einen neuen Schanzenrekord erzielt.

Ja, und dann kam der Teamwettkampf, für den wir uns so viel vorgenommen hatten. Es sollte einfach nur der große Hammer werden. Jeder von uns hat mit Freude und Zuversicht seine Höchstleistung abgerufen. Dadurch entwickelte sich auch ein super spannender Wettkampf, denn keine Nation durfte sich einen größeren Fehler erlauben. Wir behielten gottlob die Nerven und starrten nach dem letzten Sprung von Severin Freund gebannt auf die Anzeigetafel. Als dort die Eins aufschien, schien alles wie ein Traum. Es ist noch alles so unglaublich, ich kann es immer noch nicht fassen. Schön, dass ich ein Teil dieser super Mannschaft sein durfte«. Christian Wechslinger