Onlineshop der Berchtesgadener Handwerkskunst mangels Nachfrage geschlossen

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Der Berchtesgadener Christbaumschmuck gilt als regionales Vorzeigeprodukt des Berchtesgadener Landes. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Mangels Nachfrage hat der Landkreis den Onlineshop der Berchtesgadener Handwerkskunst, die unter anderem den traditionellen Christbaumschmuck aus der Region herstellt, bereits vor längerer Zeit geschlossen. Das bestätigte nun eine Sprecherin des Landratsamtes auf Nachfrage. »Der Landkreis erreichte nicht den notwendigen Absatz über die Webseite«, heißt es aus der Behörde. Nun möchte man andere Wege gehen, das Kunsthandwerk aus der Region an Endabnehmer zu bringen.


Die Webseite der Berchtesgadener Handwerkskunst ist eine Reise in die Vergangenheit. Die Technik hinter der Seite ist antiquiert, als Copyright prangt dort immer noch das Jahr 2019. Und das ist das Wenigste: Produktfotos, technische Umsetzung, Beschreibung sind aus der Zeit gefallen. Auf der Seite hat sich schon seit Ewigkeiten nichts mehr getan, obwohl es zumindest mündliche Ankündigungen gab, die Online-Präsenz modernisieren und auf einen aktuelleren Stand bringen zu wollen. Hinzu kommt: Immer wieder wird mit Nachdruck betont, wie wichtig der Erhalt der Tradition, des Berchtesgadener Holzhandwerks, doch sei. Nur fehlte die Bereitschaft seitens des Landkreises, finanzielle Mittel in die Hand zu nehmen, um eine moderne Online-Präsenz zu erstellen.

»Der Onlineshop wurde mangels Annahme des Angebots eingestellt«, heißt es offiziell. Die Schließung kam plötzlich und ohne Aufhebens. Unter anderem sei der Aufwand für Post- und Paketsendungen zeitlich »immens« gewesen, gibt man als fraglichen Grund an. Das Gewicht jedes einzelnen Gegenstandes musste ermittelt werden, »da dieses eventuell relevant für den Transport und Versand ist«. Bedeutsamer bei der Entscheidung, den Verkauf einzustellen, seien aber die rechtlichen, insbesondere die datenschutzrechtlichen »Risiken« gewesen, die mit dem Internetshop verbunden waren, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Weiter heißt es: Es mussten alle Gegenstände »exakt mit Angabe von Größe, Farbe und Ähnlichem« beschrieben werden. Allerdings: Die Berchtesgadener War wird ausschließlich in Handarbeit hergestellt, was eine exakte Angabe von Maßen erschwert. Das Warenangebot zu jeder Zeit vorrätig zu haben, sei zum Problem geworden: »Erkrankt beispielsweise jemand, sind die Stücke dieses Handwerkers vorübergehend nicht verfügbar.« Laut Landratsamt blieb die Zahl der Shop-Besucher hinter den Erwartungen zurück, es seien nur »geringe Besucherzahlen« zu verzeichnen gewesen. Auch das Kaufinteresse war enttäuschend. »Generell liegen Onlineshops oft weit hinter den Erwartungen der Betreiber zurück«, heißt es.

Die Einnahmen der Berchtesgadener Handwerkskunst beliefen sich im Jahr 2019 auf rund 200.000 Euro, teilte das Landratsamt bereits im vergangenen Jahr mit. Der Umsatz konnte über die vergangenen Jahre zwar leicht gesteigert werden. Trotzdem bleibt die Handwerkskunst ein Zuschussgeschäft. Nach Abzug der Ausgaben, die ebenfalls gestiegen sind, betrug der Zuschussbedarf des Landkreises im Jahr 2019 rund 20 000 Euro. Großes Interesse, zusätzliche Mittel in das traditionelle Holzhandwerk aus Spanschachteln und Christbaumschmuck zu investieren, gibt es nicht.

Nach Schließung des Online-Shops will man nun neue Wege gehen. Während die Webseite der Handwerkskunst erst mal veraltet bleibt, haben sich die Verantwortlichen mit dem Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden einen Kooperationspartner gesucht, der über dessen Internet-Präsenz eine »weit größere Reichweite« hat. Bisher laufe der Absatz »sehr gut«, heißt es. Im November wurden bis Ende vergangener Woche knapp 140 Bestellungen der Berchtesgadener War abgewickelt. Dabei befinde sich der Shop des Zweckverbandes erst noch im Aufbau. Laut Verantwortlichen sollen aber fortlaufend neue Produkte hinzukommen.

Kilian Pfeiffer