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»Opas Diandl« – jung, frech, modern

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Ausgezeichnete Musiker sind alle fünf von »Opas Diandl«, was sie auch schon in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS bewiesen haben. (Foto: Ortner)

Ein schlichtes »X« prangt auf dem Cover der frisch gepressten CD, die es wahlweise als schlichte Kunststoffbox gibt, oder in der edleren Ausführung aus Eggenthaler Fichte mit Schnitzung und eingelegtem Bierdeckel als Liederliste. Die römische Zahl zehn als Symbol für ihr zehnjähriges Bestehen. Eine Zeit, in der »Opas Diandl« aus Südtirol viel Erfahrung gesammelt haben, viel gesehen, unzählige Konzerte gegeben und Menschen aller Couleur getroffen haben.


Mit offenen Augen und Ohren und viel Herz gehen sie durchs Leben und begegnen sie ihren Mitmenschen. Die Liebe zur Musik und ihre Aufgeschlossenheit, ihre Freude am Unkonventionellen und ihre Gabe, viele Instrumente sehr gut zu beherrschen, haben zu einer breit gefächerten Palette unterschiedlichster Musik geführt, die sowohl die Wurzeln der traditionellen Volksmusik als auch viele Facetten moderner Musik enthält, und die sie auf der Jubiläumsausgabe in 14 Liedern manifestiert haben.

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Als »Musikpantscher« hat sie vor einer Weile ein Hüter der traditionellen Volksmusik bezeichnet, und übersieht dabei, was die Musik des Volkes eigentlich ist. Nämlich ein Spiegel dessen, was »das Volk« bewegt und was sie gerne und oft singen. Auch Jahrhunderte altes überliefertes Liedgut trifft in der Volksmusik auf Gegenwartströmungen und ist einem steten Wandel unterworfen. Der umfangreichen Sammlung des Volksmusikarchivs haben von jeher Musikanten in den Wirtshäusern dagegengehalten, und auch Lieder und Weisen gespielt, die keinen Eingang ins Archiv gefunden haben. G’scherte und wilde Lieder, bisweilen derber Wortwahl folgend, die sozialkritisch und aufsässig auch eine Schattenwelt jenseits der Almenidylle besungen haben. Allen voran als Vorbild gilt bis heute der Kraudn-Sepp.

Dass ausgerechnet Opas Diandl dieser Kritik anheimfallen, zeigt deutlich, wie sehr das Quintett den Zeitgeist trifft; das Bedürfnis der Menschen, ihre Wurzeln zu kennen und gleichzeitig im hier und jetzt zu leben. Es sind die unzähligen »unangepassten« Musikgruppen der deutschsprachigen Alpenregionen, die in jahrzehntelangem Prozess die Lust am eigenen alten Liedgut und die Freude an der Dialektsprache wiederbelebt haben. »Opas Diandl« führen das fort, was der Kraudn-Sepp, der Zither-Manä und Hubert von Goisern begonnen haben: die Verbreitung, Fortführung und Erweiterung der Volksmusik mit modernen Stilmitteln.

Was die Südtiroler dabei leisten ist grandios. Singen können alle fünf Musiker ausgezeichnet. Die Jodler von Veronika Egger, Markus Prieth und Daniel Faranna sind ein tiefgehendes emotionales Ereignis. Veronika Egger versteht es mit der Gambe genauso furios umzugehen wie mit der Geige. Die Bassgeige Daniel Farannas bestimmt mit der Vielfalt der Perkussion von Jan Langer den Rhythmus und das Tempo, auf dem sich Thomas Lamprecht mit Gitarre und Charango austoben kann. Markus Prieth verleiht vielen Stücken durch das Banjo eine erfrischende Cowboy-Note und ganz speziell wird es, wenn er mit dem Raffele loslegt und einem Volkslied dabei eine durchaus punkige Note verpasst. Das Raffele ist eine kleine Scherrzither, die früher in der alpenländischen Volksmusik weit verbreitet war, heute aber zumindest auf Konzertbühnen nur mehr selten zum Einsatz kommt.

Es ist die hohe Kunst der Musik und die Liebe und Leidenschaft, mit der »Opas Diandl« für sie brennen, die so sehens- und hörenswert macht – und die Gabe, ein stilistisches Crossover »von Jodeln bis Punkrock, von Folk bis zeitgenössischer Klassik« in ein energiegeladenes und emotional ansprechendes, generationenübergreifendes Gewand zu kleiden. Maria Ortner