weather-image
18°

Oper, sie kommen!

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Diese acht Opernsänger und -sängerinnen werden hoffentlich eine erfolgreiche Bühnenlaufbahn beschreiten. (Foto: Janka)

Vor dem Probesingen kommt das Probesingen: In jedem Frühjahr präsentieren sich die Absolventen des Masterstudiengangs Musiktheater/Operngesang der Theaterakademie August Everding im Münchener Prinzregententheater vor Agenten und Intendanten. Um dafür gerüstet zu sein, proben die jungen Opernsänger dies zuerst im Sawallisch-Haus der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung in Grassau.


Unter dem ironisch-forschen Titel »Oper, wir kommen!« stellten sich acht Sänger und Sängerinnen aus Deutschland, Frankreich, Georgien, USA, Korea, China mit buntgemischten Opernarien von Händel bis Strawinsky vor. Das sängerische Niveau war ausnahmslos hoch. Kein Wunder, wenn man hört, dass aus 120 Anmeldungen am Ende nur acht ausgewählt werden, die auch den Fortgeschrittenen-Deutschtest B2 vorweisen müssen. Für diesen Jahrgang waren Professor Balázs Kovalik und Kammersänger Professor Andreas Schmidt verantwortlich.

Anzeige

Der Favorit des Publikums war der koreanische Bassbariton Jeong Meen Ahn, der mit seiner machtvollen Stimme – die gleichwohl schon kleine Abnutzungserscheinungen aufweist – vor allem in der Arie des Figaro aus dem »Barbier von Sevilla« von Rossini die Zuhörer mit humorvollem Spiel um die Finger wickelte.

Die Favoriten des Rezensenten waren Gabriel Rollinson, ein deutsch-amerikanischer Bass, und die französische Sopranistin Milena Bischoff. Rollinson ist ein attraktives, schwarzhaariges Mannsbild mit ebenfalls tiefschwarzem Bass, den er aber in den Koloraturen der Händel-Arie (Arie des Magiers Zoroastro aus »Orlando«) agil zu führen wusste. Absolut rollengerecht als Juliette aus »Romeo et Juliette« von Charles Gounod sang Milena Bischoff mit großem und vollem, aber trotzdem leichtem und lockendem und gut geführtem Sopran ihre Arie »Je veux vivre«.

Als einziger Tenor brillierte Tianji Lin aus China mit hell-durchdringender Stimme, leichter Höhe und klug eingesetzter Kopfstimme in der Arie des Nadir aus Bizets »Die Perlenfischer« und dann eindrucksvoll in der Sterbeszene des Tom Rakewell aus Strawinskys »The Rake’s Progress«. Ansgar Theis verbreitete mit kernig-virilem Bariton »Heiterkeit und Fröhlichkeit« aus Lortzings »Der Wildschütz«, der französische Bariton Damien Gastl bräuchte für seine Arie des Guglielmo aus Mozarts »Cosi fan tutte« zu seinem sehr kraftvollen Bariton noch ein bisschen mehr Eleganz und Agilität.

Der große dramatische Sopran von Elena Khonelidze aus Georgien ist raum- und saalfüllend, benötigte aber noch mehr Ausdrucksfarben in der Arie der Marie aus Smetanas »Verkaufter Braut« und mehr süßes Liebesleiden in der Arie der Gräfin aus Mozarts »Figaros Hochzeit«. Eine sehr sympathische Bühnenpräsenz zeigte der dunkelhäutige Christian Lange aus Deutschland mit schöner Legato-Kultur in der Arie aus Puccinis »Edgar« und sehr natürlichem Stimmtimbre als Papageno in Mozarts »Zauberflöte«.

Am Schluss verbeugten sich alle gemeinsam vor dem restlos begeisterten Publikum: »Oper, sie kommen!« – die Opernintendanten sind vorgewarnt. Rainer W. Janka