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Operettenarien, Oboen-Solo und eine Uraufführung als Abschluss des Strauss-Festivals

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Die Sopranistin Yvonne Prentki begeisterte das Publikum mit ihrer Darbietung. (Foto: Janoschka)

Mit Werken von Nico Dostal ist das Strauss-Festival in der Bad Reichenhaller Konzertrotunde zu Ende gegangen, dirigiert von Graziano Mandozzi aus Locarno, der sich auch als Komponist für Film, Theater, Hörspiel und Ballett einen Namen gemacht hat.


Nico Dostal lebte von 1895 bis 1981, und doch kam eines seiner Werke, nämlich die »Sinfonische Suite«, erst jetzt zur Uraufführung. Andere seiner Werke sind schon lange bekannt und gerieten in dieser Abschluss-Matinée des Strauss-Festivals zu Höhepunkten, darunter sein Koloraturfoxtrott, den die junge Sopranistin Yvonne Prentki mit Bravour zum Besten gab, und das »Rondo Romantico für Oboe, Vibrafon und Orchester«, das Susann Král zur großen Freude der Zuhörer erklingen ließ.

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Graziano Mandozzi zeigte sich in seinem Dirigat sehr einfühlsam gegenüber den Solistinnen, die beide rauschenden Applaus erhielten. Ein paar Takte der Zugabe, des Marschs aus der »Ungarischen Hochzeit«, dirigierte er noch, dann verabschiedete er sich freundlich winkend vom Publikum – eine Hommage an die Musiker der Bad Reichenhaller Philharmoniker, die so gut aufeinander eingespielt sind und so viel Musikalität und Professionalität besitzen, dass sie das Werk nicht nur makellos, sondern auch mit viel Verve spielten –- so als spürten sie einen unsichtbaren Dirigenten in sich selbst. »Für so eine schöne Musik braucht man keinen Extra-Dirigenten aus Locarno, auch wenn er am Mozarteum studiert hat,« erklärte Mandozzi schmunzelnd beim Schlussapplaus.

Dass sich Nico Dostal auch im Bereich der ernsten Muse auszudrücken wusste, bewies seine »Sinfonische Suite« mit den Sätzen »Sostenuto – Vivace«, »Andante assai moderato«, »Allegro assai vivace« und »Adagio – Allegro«. Wehmütig-melancholische Kantilenen, die im Verlauf in den verschiedenen Instrumentengruppen verflochten sind, kennzeichnen den zweiten Satz, an dessen Ende auf eine Art Furioso ein ersterbendes Piano folgt. Auch der dritte und vierte Satz enthalten eine große Linie der dynamischen Steigerung vom eher leisen Pizzicato des Anfangs im »Allegro assai vivace« und der Tuba-Kantilene mit dem Tremolo der Geigen im Adagio des Schlusssatzes bis zum voll tönenden Sinfonieorchester im Fortissimo des Allegros am Schluss.

Yvonne Prentkis Darbietung des Koloraturfoxtrotts »Lach' mein Herz« muss mit allen nur möglichen Superlativen bedacht werden. Der höchste Ton in dieser besonderen Arie war ein »Es«, das Prentki glockenklar und wahrhaft beeindruckend sang. Sie ließ ihre Stimme intonationsrein wie ein Instrument durch alle chromatischen Harmonien perlen. Und es verwundert nicht, dass auch die »Königin der Nacht« – obwohl sich diese Partie in einem völlig anderen Genre bewegt – zu ihrem Repertoire gehört. Ebenso schön interpretierte sie das »Heimatlied« aus der Operette »Monika« und »Ich bin verliebt« aus der Operette »Clivia«, die ebenfalls wunderschöne Koloraturen aufwiesen.

»Das Rondo Romantico« war Susan Král, Solo-Oboistin bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern, wie auf den Leib geschnitten. Sie blies dessen romantische Melodien so einschmeichelnd schön, dass sie jeden Zuhörer in sein eigenes Traumland der Gefühle entführte. Die Reichenhaller Philharmoniker übernahmen die Melodien im Wechsel und schwelgten ihrerseits, was der Oboe die Möglichkeit gab, mit harmonischen Umspielungen und Variationen in perlenden Läufen ihre Virtuosität zu beweisen.

Ein wunderbarer Walzer, den die Philharmoniker voller Freude und Elan spielten, mit einer Anfangsmelodie im tiefen Blech und einem Trommelwirbel, war »Salzburger Dirndl«. Nach den sehr langsamen ersten drei Tönen des Walzers legte das Orchester richtig los und erfüllte im Publikum jede Erwartungshaltung auf schwungvolle Melodien.

»Wenn es mir gelungen ist, mit meinen Melodien Entspannung zu bringen und Freude zu bereiten, so will ich damit meine Aufgabe als erfüllt ansehen,« sagte Nico Dostal 1976 im Rückblick auf sein Lebenswerk. Diese Aufgabe erfüllten hervorragend Dirigent Graziano Mandozzi mit den Reichenhaller Philharmonikern, Susan Král mit ihrer wunderbaren Interpretation des Rondos und die Sopranistin Yvonne Prentki mit ihren zauberhaften Bravour-Arien. Brigitte Janoschka