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Operndiva als poesievolle Liedgestalterin

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Begeisterten Jubel für Krassimira Stoyanova und Jendrik Springer gab es nach dem Konzert im Großen Saal des Mozarteums. (Foto: Aumiller)

Bei ihrem Festspielliederabend im Großen Saal des Mozarteums in Salzburg wählte Krassimira Stoyanova »Sieben frühe Lieder« von Alban Berg, dazu Lieder von Richard Strauss und Romanzen von Peter I. Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow.


Der Textgehalt dreht sich darin überwiegend um Naturschilderungen, Nacht und Traum, Wehmut oder romantische Sehnsucht nach Liebe und Hoffnung. In schillernden vokalen Farben gab die Sängerin den poetischen Stimmungsbildern klingendes Leben. Die bulgarische Sopranistin und Wiener Kammersängerin besticht immer wieder mit der kostbaren Ausnahmequalität ihrer klaren und dabei warm leuchtenden Stimme, die gegenwärtig eine der schönsten und best geführten ist, bruchlos von sonorer Tiefe bis in die strahlenden Höhen. Auf den internationalen Opernbühnen ist sie führend in ihrem Fach, in dem sie einen breiten Bogen von Verdi und Puccini zu Richard Strauss und dem slawischen Repertoire spannt.

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»Es hat die Nachtigall die ganze Nacht gesungen....« heißt es im Lied »Die Nachtigall« von Alban Berg und Stoyanova beglückt dabei mit besonders »süßem Schall« ihre Zuhörer. Ganz dem Liedton verpflichtet gibt sie in den träumerischen Gedichten den speziellen Intervallen Bergs melodischen Feinschliff und zarte Empfindung. In Salzburg brillierte sie in den vergangenen Jahren als Marschallin im »Rosenkavalier« von Richard Strauss und als dessen Danae in »Die Liebe der Danae«. Jetzt blüht ihre Stimme auch in Strauss’ lyrischer Melodik, sei es beim »wogenblauen Strand« im berühmtem »Morgen« oder im Betrachten von »Meinem Kinde«. »Wie auf Engelszungen« webt sie voll starker Empfindung »die süßesten Melodien« und »Die Nacht tritt aus dem Walde« in geheimnisvoll filigran schimmernden Stimmlichtern.

Nach der Pause identifiziert sich Stoyanova mit russischen Gefühlswelten, wobei ihr die sprachliche Form und emotionale Aussage im Russischen besonders entgegenkommen. Tschaikowskys Romanzen sind seltener zu hören, nichtsdestoweniger zeigt Stoyanova ihren romantischen Zauber und bringt ausdrucksstark den emotionalen Gehalt zum Tragen. Sie schlägt Herztöne an in Seufzern schmerzerfüllter Erinnerungen oder in Frühlingsträumen, in der delikaten Süße des Wiegenlieds, in Traumwelten oder in der Fülle der Lebenskraft. Dabei darf die Stimme auch opernhaft auftrumpfen in vollem Glanz, im freien Fließen, aber immer gut austariert und balanciert im rechten Maß zur poetischen Melodik.

Auch bei Rachmaninow gibt sie vokale Brillanz, Traumfarben in fließenden Linien, trauerumflort oder gefühlsirritiert, heißblütig oder beglückt dem Frühling entgegenfiebernd. Den oft melancholischen Unterton bringt sie feinnervig zum Mitschwingen. Immer sind es die edle Stimmfarbe und deren fokussierte Intensität im Einsatz und Ausdruck, die gefangennehmen und deren man des Zuhörens nicht müde wird. Die große Opernsängerin zeigt sich hier ebenso als wunderbare Liedgestalterin, in der zu ihr passenden Auswahl überzeugend und stimmig in ihrer vielseitigen und vielfarbigen Klangpalette.

Dem rückhaltlosen Jubel der Zuhörerschaft dankt sie mit einem zauberhaften bulgarischen Wiegenlied. Jendrik Springer ist ihr ein zuverlässiger Partner am Klavier, bei Berg und Strauss noch etwas verhalten, dafür bringt er bei den Russen die pianistischen Effekte in ihrer Differenziertheit mit voller Kraft zur Wirkung. Elisabeth Aumiller