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Opernfragment für Hornquartett und Sprecher

Nur spärlich besucht war das 26. Konzert des Musiksommers zwischen Inn und Salzach im schmucken Hof der Schlossökonomie Grabenstätt. Bürgermeister Georg Schützinger merkte bei seinen Dankesworten an die Künstler zu Recht an: »Wer heute nicht dabei war, hat etwas versäumt.« Die Künstler, das waren das Hornquartett german hornsound (Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger) und der Schauspieler Björn Bugri als Sprecher.

Björn Bugri mit german hornsound (v. l.) Timo Steininger, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt, Christoph Eß. (Foto: Kaiser)

Etwa eine halbe Stunde litten sie unter der noch starken Einstrahlung der Abendsonne, doch dann lag die Bühne im Schatten und ein angenehm laues Lüftchen kühlte den Hof, zupfte aber an den Notenblättern der Hornisten – einige Wäscheklammern halfen dagegen. Auf den Pulten lagen Ausschnitte aus Opern von Richard Wagner und Giuseppe Verdi, für Hornquartett bearbeitet meist von Christoph Eß und Stephan Schottstädt. Was aber diese Auswahl krönte, war das Libretto zu diesem »Opernfragment in drei Akten für vier Hörner und Sprecher von R. Wagner und G. Verdi, beide geboren 1813« mit dem Titel »Siegfried und Violetta oder List, Last, Lust und Lunge«, das Herbert Rosendorfer zusammen mit seinem alten Freund Karl Dieter Gräwe geschrieben hat.

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Der Südtiroler und Wahlmünchner Rosendorfer, ein hochgebildeter Jurist, Schriftsteller und Musiker, den Lesern bekannt durch seine feine, witzige oft auch satirisch-groteske Prosa, starb am 20. September letzten Jahres kurz nach Vollendung des Textes und konnte das fertige Werk nicht mehr erleben. german hornsound touren damit in diesem Jahr durch Deutschland, die Schweiz, Österreich und Südtirol in Erinnerung an einen großartigen Menschen.

Höchstwahrscheinlich haben sich Wagner und Verdi nie getroffen, auch nicht in Venedig. Doch der fiktive Oberkellner Teodoro, 25 Jahre lang im Caffè Florian an der Piazza San Marco in Venedig tätig, hat die drei heimlichen Treffen der Komponisten in den Jahren 1858, 1880 und dann wieder in Wagners Todesjahr 1883 unauffällig, doch vollständig belauscht. Aus seiner Sicht erzählte Björn Bugri sarkastisch und informativ von Szenen aus dem Leben der großen Meister, immer mit einer Pikanterie, die vieles offenließ.

Mit einem Tannhäuser/Macht des Schicksals-Mix eröffnete das Hornquartett den Abend, mit Opernszenen und -arien gliederte es die Erzählung oder trieb sie voran, schilderte Stimmungen und Affekte in Zärtlichkeit oder Prahlerei. Der enorme Tonumfang des Waldhorns, etwas über vier Oktaven, ermöglicht Arrangements für diese vier Instrumente, bei denen kein Ton fehlt, keine harmonische Wendung zu kurz kommt. Und das alles klang aus einem Guss, wie aus einem Atem.

Und dazu Herbert Rosendorfers süffisante Anmerkungen! Nach dem »Siegfriedidyll« zum Beispiel lässt er Teodoro empfehlen: »Wer nicht die Zeit hat oder die Gelegenheit, den kompletten Opern-Siegfried auszusitzen, ist auch mit dem »Siegfriedidyll« gut bedient, das ist die günstigere Espresso-Version, dazu noch ohne Gesang.«

Die Besucher waren hoch erfreut über diesen Musik-Mix, bei dem neben dem »Lacrimosa« aus Verdis »Messa da Requiem« auch die berühmt-berüchtigte »Toselli-Serenade« vor dem Caffè einen passenden Platz fand. Genau so genossen sie das launige Kompendium an Lebensweisheit(en) des Oberkellners Teodoro. Engelbert Kaiser