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Opulente musikalische Hommage an die Nacht

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Barocke, klassische, romantische und volksmusikalische Klänge präsentierten das Radauerensemble und der Salzburger Dreigesang in der Berchtesgadener Pfarrkirche. (Foto: Mergenthal)

In der Nacht wiegen Mütter ihre Kinder in den Schlaf, nutzen Liebende die Gunst der Stunde, vergnügen sich Menschen mit Konzerten oder Geselligkeit, bitten Gläubige um den Schutz des Höchsten. Inspiriert durch all diese Themen ist facettenreiche Musik entstanden. Als »Hommage an die Nacht« haben das Radauerensemble und der Salzburger Dreigesang ihr Konzert in der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« in Berchtesgaden gedacht.


»Die Nacht ist ein wichtiger Verbündeter für die Musiker«, sagte Josef Radauer, der das Programm zusammengestellt hat, in seiner Einführung in der gut besetzten Pfarrkirche St. Andreas. Ursprünglich sollte das Konzert im Kreuzgang stattfinden, wo sich geistliches und weltliches Leben seit jeher verbinden, doch aus Denkmalschutzgründen musste es in die Kirche verlegt werden. Daher bat Radauer um Verständnis, wenn einige im sakralen Raum ungewohnte Weisen erklingen. In fünf Themenblöcken, getrennt durch eine Pause, präsentierten die Musiker und Sängerinnen Volksmusik, unter anderem von Tobi Reiser, und klassische Kompositionen.

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Den ersten Teil, ein »musikalisches Abendgebet« unter dem Motto »Der Tag hat sich geneigt«, eröffnete ein gemütvoller Geigenjodler. Weich und sanft stimmten ihn die zwei Geigerinnen von der Hellbrunner Geigenmusi, Alexandra Seywald und Sarah Meier, an; mit samtenem Klang gesellten sich Irmgard Messin an der Querflöte und Radauer am Kontrabass dazu. Fließend ging das Ganze in einem höfischen Tanz von Tobi Reiser über, bereichert durch die Saiteninstrumente, Waltraud Stögner am Hackbrett, Dominik Meissnitzer an der Gitarre, Silvia Reith-Höfer an der Zither und Heidi Reicher an der Harfe.

Leonhard Hartinger rundete mit seiner Harmonika das breite Spektrum der Klangfarben ab und schlüpfte für eine echte Rarität, die »Nachtwächterserenade« von Heinrich Ignaz Franz Biber, ab etwa 1684 Hofkapellmeister in Salzburg, in die Rolle eines Nachtwächters. Die andächtige Stimmung eines Abendgebets strahlte der Vortrag des Salzburger Dreigesangs mit Christl Klappacher im Sopran, Helene Widauer in der zweiten und Elisabeth Radauer in der dritten Stimme aus, sowohl im Volkslied »Der Tag hat sich geneigt« als auch im romantischen »Bleib bei uns Herr« von Henry Monk. Ein barockes Menuett von Jean-Baptiste Lully und ein Alt-Salzburger Walzer ließen die Seele als Auszeit vom Alltag und WM-Fieber zur Ruhe kommen.

Gut machten sich die Moderationen von Josef Radauer, der dem Publikum zu Beginn des zweiten Teils »Eine kleine Mozartserenade« den typischen Ablauf einer solchen Serenade zur Zeit Mozarts erklärte: Zuerst wurde zum Ort des Ständchens hinmarschiert – dazu erklang Tobi Reisers »Dorfmusikmarsch« –, wo anlässlich einer Verlobung oder eines ähnlichen Anlasses lyrische Weisen, in diesem Fall die »Abendempfindung«, KV 523, von Wolfgang Amadeus Mozart und das Volkslied »Gedenket liebe Herzen zwei«, vorgetragen wurden. Viele temperamentvolle Tänze, in Berchtesgaden unter anderem ein Mozart-Kontretanz und der von Radauer arrangierte »Raufgockl Boarische«, schlossen sich an; man wollte ja miteinander in Berührung kommen. »Das Trinken müsst ihr euch vorstellen«, scherzte Radauer. Am Ende wurde schwungvoll und leicht angeheitert zurück marschiert.

Vor der Pause schloss sich noch »Eine ganz kleine Nachtmusik«, die sehr kurze Serenade KV 266b von Mozart, an, die seine Witwe, wie sie 1802 gegenüber einem Musikverleger gestand, sich anfänglich nicht zu schicken traute, da sie »eine sehr simple Komposition« sei. Mozart hat hier selber den witzig gestalteten Part der zweiten Geige gespielt, was laut Radauer daran erkennbar ist, dass die zweite Geige von der Tonhöhe her öfter über der ersten Geige ist.

Ausdruckskraft und Ruhe prägte eine »Schubert-Serenade« – mit Cesar Bresgens Satz »Will die Nacht herniedersinken«, leisen Wiegenliedern und bewegten Landlern und Schleunigen, die schon an den von beiden Ensembles mitgestalteten »Salzburger Hirtenadvent« denken ließen. Mit einer »volksmusikalischen Nachtroas«, in der Liebeslieder mit feierlichen Weisen und von den Geigen und der rassigen Piccoloflöte angetriebenen, flotten Tänzen wechselten, klang das opulente, virtuos und einfühlsam dargebotene Programm aus.

»Wenn es sowas gibt wie einen separaten Himmel für die Bayern und die Salzburger, dann geht’s da musikalisch ähnlich zu«, beschwichtigte Dekan Dr. Thomas Frauenlob Radauers Bedenken wegen der weltlichen Klänge im Kirchenraum. Mit langem Beifall und zwei Zugaben, darunter dem von vielen mehrstimmig mitgesungenen »Kimmt schö hoamli die Nacht« von Wastl Fanderl, klang der Abend aus. Veronika Mergenthal