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Ortsdurchfahrt Oberteisendorf soll sicherer werden

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Die Verkehrsbelastung in Oberteisendorf ist regelmäßig sehr groß. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Nachdem das Thema Umgehungsstraße für Oberteisendorf auf lange Sicht vom Tisch ist, soll die Bundesstraße 304 durch den Ort neu gestaltet werden, um die Lärmbelastung zu reduzieren und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein und Gerhard Hajer vom Planungsbüro Straßer + Partner stellten rund 60 Interessierten die Einzelheiten der Planung und den zeitlichen Rahmen der Maßnahme vor und beantworteten die vielen Fragen der Bürger. Starten soll der Umbau frühestens im September 2019, sofern bis dahin auch das Wasserrechtsverfahren abgeschlossen ist.


Unterschriftenliste an Bürgermeister übergeben

Der Straßenumbau soll durch Oberteisendorf – vom Ortseingang West bis hinter Obermoos im Osten – auf einer Länge von 1216 Metern erfolgen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören laut Planer Gerhard Hajer Verkehrsinseln, Querungshilfen, Abbiegespuren, Geh- und Radwege sowie Schutzstreifen für Radfahrer auf der Bundestrasse und für die Bushaltestellen. Nicht vorgesehen ist eine Bedarfsampel. Gerade diese aber wurde in der anschließenden Diskussion vehement gefordert, und zwar in etwa auf Höhe des Vereinshauses der Kinderkrebshilfe. Claudia Unterrainer übergab Bürgermeister Thomas Gasser dazu eine Liste mit über 420 Unterschriften und will in dieser Sache auch einen Antrag an das Landratsamt stellen.

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Daniel Bechtel vom Landratsamt erklärte, dass eine Ampel bisher an der zu geringen Zahl an Überquerungen an dieser Stelle gescheitert sei. Er versprach aber, die Situation noch einmal zu überdenken. »Wir sind nicht gegen eine Ampel, wir müssen nur den Bedarf dokumentieren«, so Bechtel. Und es müsse sichergestellt werden, dass man dann wirklich nur bei der Ampel überquert. Eine Ampel etwas weiter östlich, etwa auf Höhe der Holzhauser Straße, wäre wegen der vielen Zufahrten nicht realistisch.

Zu den wichtigsten Neuerungen zählte Gerhard Hajer eine Fahrbahnverschwenkung mit Querungshilfe am westlichen Ortseingang. Damit soll eine deutliche Geschwindigkeitsreduzierung bei der Einfahrt in den Ort erreicht werden. Auch wenn einige der Diskussionsteilnehmer dies bezweifelten, zeigte sich Martin Bambach vom Straßenbauamt überzeugt, dass dies die richtige Maßnahme sei. Eine weitere Querungshilfe mit Fußgängerinsel wird es im Bereich der Kinderkrebshilfe, kurz vor der Kreuzung nach Neukirchen, geben. Auch am östlichen Ortseingang, in etwa auf der Höhe der Abbiegung nach Surmühl, soll eine Fußgängerinsel mit Querungshilfe den Verkehr verlangsamen und einen Straßenwechsel sicherer machen. Im Schatten der Insel Richtung Oberteisendorf wird die Abbiegespur nach Surmühl sein.

Die Bushaltestelle soll an der jetzigen Position aufgelöst werden. Kurz vor der Frühlingsstraße sollen beidseitig Bushaltestellen ohne Buchten eingerichtet werden. Die Busse sollen auf der Straße halten, die Fußgänger die Straße hinter den Bussen überqueren. Für Schüler soll zudem eine Bushaltestelle am Ortseingang Ost eingerichtet werden.

An der Straßennordseite soll ein Geh- und Radweg gebaut werden. Ab der Frühlingstraße Richtung Teisendorf soll auch an der Südseite ein solcher Weg angelegt werden. Vom Ortseingang Ost bis zur Frühlingsstraße müssen auf der Südseite zeitweise Schutzstreifen auf der Bundesstraße die Radfahrerbereiche abgrenzen, weil die Straße für getrennte Wege zu schmal ist.

Am Ortseingang Ost soll die Ortstafel Richtung Teisendorf, bis zum Ortsende Obermoos herausgesetzt werden, sodass schon ab dort Tempo 50 gilt. Insgesamt möchte man durch diese Maßnahmen den Ortsdurchfahrtscharakter der Straße stärken, wo man auch mal langsam fahren oder warten muss, und wegkommen vom Rennstrecken-Image.

Zeitlich rechnet Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. Da es sich um einen kompletten Straßenneubau handelt, seien davon auch Entwässerungsrohre und Leitungen betroffen, die unter der Straße liegen. Deshalb müsste während des Umbaus auch mit zeitweiser Vollsperrung gerechnet werden. Nur die Anwohner könnten dann weiter hinein und heraus fahren. Nach derzeitigem Planungsstand mit Beginn der Arbeiten im September 2019 könnte die Straße bis Ferienbeginn 2020 fertig sein. Da es sich um eine Bundestrasse handelt, sei dies ein gemeinsames Projekt des Bundes und der Marktgemeinde, die sich auch die Kosten teilen. Ein Teil der Kosten für die Marktgemeinde ist allerdings zuwendungsfähig.

Gemeinde muss sich an Spielregeln halten

In der anschließenden Diskussion (siehe unten) gab es viele kritische Anmerkungen zu den Plänen, aber auch positive Äußerungen. Bürgermeister Gasser sagte zu, die Einwände und Sorgen der Bürger zu prüfen. Man müsse aber bedenken, dass es sich hier um eine Straße des Bundes handele. Die Gemeinde könne deshalb nicht alle Wünsche berücksichtigen und müsse sich an bestimmte Spielregeln halten. Gasser ist aber überzeugt, dass man durch die vorgestellten Maßnahmen eine deutliche Verbesserung gegenüber dem derzeitigen Zustand erreichen werde. Man werde sich aber auch noch einmal mit den Themen Ampel und Querungshilfen befassen und eine weitere Drosselung der Geschwindigkeit für Fahrzeuge aus Richtung Teisendorf prüfen. 


Das sagen die Bürger zu den Plänen

Teisendorf – Viele kritische Stimmen der Bürger gab es zu den Planungen zur Bundesstraße 304 in Oberteisendorf.

So wurde zum Beispiel bezweifelt, dass die vorgesehenen Verkehrsinseln und Fahrbahnverschwenkungen tatsächlich zu einer substanziellen Geschwindigkeitsverringerung führen werden und ein sicheres Überqueren der Fahrbahn möglich machen würden. Deshalb wurde für die beiden Ortseingänge West und Ost ein Tempolimit von 70 km/h noch vor der Ortseinfahrt verlangt und innerorts eine Beschränkung auf 40 km/h vorgeschlagen.

Lediglich für die Ortseinfahrt Ost, also aus Richtung Teisendorf kommend, könne man vielleicht über eine Geschwindigkeitsbeschränkung nachdenken, meinte Daniel Bechtel vom Landratsamt. Eine Beschränkung innerorts auf 40 km/h sieht die Straßenverkehrsordnung nicht vor.

Klar abgelehnt wurde seitens des Staatlichen Bauamts der Vorschlag eines Kreisverkehrs anstelle der Straßenverschwenkung an der Ortseinfahrt West. Ein Kreisverkehr brauche zuviel Platz und mache auf gerader Strecke keinen Sinn. Auch eine weitere Verkehrsinsel zwischen Frühlingstraße und Obermoos, die ein Anwohner zur weiteren Tempodrosselung angeregt hatte, wurde als nicht zielführend erachtet.

Sehr kritisch gesehen werden von den Bürgern die geplanten Schutzstreifen für Radfahrer. »Sind Sie schon neben einem Sattelzug auf der Bundestrasse gefahren?«, fragte ein Bürger die Planer und Verantwortlichen. »Das ist lebensgefährlich!« Dennoch gäbe es laut Planer Gerhard Hajer aufgrund des Platzmangels keine andere Möglichkeit. »Wir hätten viel lieber einen Radweg gemacht, aber an manchen Stellen fehlt einfach der Platz dafür.«

Als »nicht gelöst« sieht ein Bürger das Problem des »kritischen Abschnitts, zwischen Einmündung Dorfstraße und Holzhauser Straße in die B 304«. In diesem Kontext wurde auch das Thema »Ampel« wiederholt angesprochen. In diesem Bereich werde man durch die Tempoverringerung und die Verlegung der Bushaltestelle mit Sicherheit Verbesserungen erreichen, meinte Planer Hajer. Es sei aber nun mal Realität, der man sich stellen müsse, dass man den Durchgangsverkehr nicht aus Oberteisendorf herausbringe, sondern nur das Rasen reduzieren könne.

Auch die Lösung mit den Bushaltestellen ohne Haltebucht geht einigen Bürgern zu weit. »Dann müssen wir ja hinter den Bussen ewig warten, bis alle ausgestiegen sind«, meinte eine Teilnehmerin. Ein Landwirt sieht die Verringerung der Straßenbreite zugunsten des Geh- und Radwegs sehr kritisch, weil die Straße dann möglicherweise für die großen landwirtschaftlichen Maschinen zu eng werde. Eine Straße von 6,5 bis 7 Meter sei ausreichend breit für den Gegenverkehr, erwiderte Bambach.

Die Frage eines Anwohners, ob man sogenannten »Flüsterasphalt« aufbringen würde, verneinte Bambach. Dieser sei nicht sehr stabil und müsse zu oft erneuert werden. Deshalb werde man einen anderen lärmdämmenden Belag verwenden, mit dem man aber gute Erfahrungen habe.

Trotz aller Kritik gab es auch positive Äußerungen und Dank an die Verantwortlichen, dass nun endlich nach langer Diskussions- und Planungszeit konkrete Schritte zur Verbesserung der derzeitigen Situation unternommen würden. »Wir sollten jetzt endlich alle an einem Strang ziehen und auch unser eigenes Fahrverhalten mal hinterfragen«, meinte ein Anwohner und erhielt dafür viel Zustimmung. kon