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Osterurlaub: Ansturm der Wohnmobile

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Urlaub über Ostern im Wohnmobil: Am Königssee-Parkplatz war die vergangenen Tage jede Menge los. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Eine rechtliche Grauzone haben etliche Wohnmobilbesitzer am vergangenen Osterwochenende zu ihren Gunsten ausgelegt. Weil Camping- und Wohnmobilstellplätze während des Lockdowns gesperrt sind, nutzten sie kurzerhand den Großparkplatz Königssee. In Hochzeiten standen dort am Wochenende bis zu 40 Wohnmobile. »So kommen wir wenigstens doch noch in den Urlaub«, sagte ein Wohnmobil-Besitzer aus Passau. Die Polizei weiß um die Problematik Bescheid, sagt: »Der Gesetzgeber hat die Sache nicht eindeutig geregelt.«


Ein ausgesprochenes Reiseverbot gibt es nicht, nur die Aufforderung, auf nicht notwendige private Reisen im Inland und Ausland zu verzichten. In Deutschland dürfen Beherbergungsbetriebe, einschließlich Campingplätze und Wohnmobilstellplätze, bis zunächst 18. April keine Touristen aufnehmen. Weil ein generelles Beherbergungsverbot für Touristen gilt, greifen Besitzer von Wohnmobilen auf das Eigenheim auf Rädern zurück. »Wir wollen mal was anderes sehen als unsere Heimat«, sagt der Passauer. »Ich bin von niemandem abhängig, habe mein Haus dabei.« Ein zweites Ostern wolle er nicht zuhause verbringen. Der Kühlschrank sei voll, »wir haben alles dabei, was wir brauchen und können jederzeit einen Ausflug starten«.

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Wohnmobile und Campingbusse bleiben derzeit also die einzige Option für kleine touristische Reisen und Ausflüge mit Übernachtung. Bei der Polizeiinspektion Berchtesgaden sieht man das ähnlich: »Man darf in einem Fahrzeug übernachten«, sagt ein Polizist auf Nachfrage. »Wir betrachten ein Wohnmobil wie eine Wohnung.«

Paragraf 12 der Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass das Parken und Übernachten im Wohnmobil oder Caravan-Gespann in Deutschland überall dort erlaubt ist, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Ermöglicht werden muss zudem die »Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit«, maximal bis zu zehn Stunden. Dass dies nicht kontrolliert werden kann, wer aus welchem Grund wie lange sein Wohnmobil parkt, weiß man auch bei der Polizeiinspektion Berchtesgaden. Deshalb werde die zunehmende Übernachtungstätigkeit im Landkreis zwar registriert, aber nicht weiterverfolgt. Auch an weiteren Parkplätzen im Berchtesgadener Talkessel berichten Bürger in sozialen Medien von deutlich erhöhter Wohnmobil-Frequentierung, etwa in der Gemeinde Ramsau.

»Meist bleibt es nicht bei einem abgestellten Wohnmobil. Das wird natürlich registriert«, sagt ein Mitarbeiter einer Tourismusinformation. Einschränkungen haben Besitzer eines Reisemobils dennoch: »Wenn sie vor ihrem Auto plötzlich grillen würden, dann ist das verboten«, sagt der Polizist. Das würde dann als Campen durchgehen. Kein Problem für den Mann aus Passau am Königssee-Parkplatz: »Wir haben einen Gasherd im Auto.« Kilian Pfeiffer

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