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Overath: «Die Bundesliga war eine ganz neue Welt»

Düsseldorf (dpa) - Wolfgang Overath ist ein «Kind der ersten Stunde». Mit dem 1. FC Köln gewann der heute 68-Jährige in der Premierensaison 1963/1964 den Bundesliga-Meistertitel.

Zeitzeuge
Wolfgang Overath gewann mit dem 1. FC Köln in der Premierensaison 1963/1964 den Meistertitel. Foto: Rainer Dahmen Foto: dpa

Ob er mit seinem Tun Millionär geworden ist, wollte der Weltmeister von 1974 im Interview der Nachrichtenagentur dpa nicht anvertrauen. «Die Bundesliga war eine ganz neue Welt», erinnert sich Overath an früher zurück. In der Relation zu heute sei «das alles noch in der Kinderschuhen» gewesen.

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Was fällt Ihnen als Erstes spontan ein, wenn Sie an die 70er Jahre der Bundesliga denken?

Wolfgang Overath: «Was soll mir einfallen? Ich war ja ein Kind der ersten Saison. Und das ist eine Erinnerung, die bleibt immer. Wie die Bundesliga begann. Ganz Deutschland, diese Begeisterung und so. Das hat sich dann weiterentwickelt - bis in die 70er Jahre, wo wir dann auch in den Vereinen mit Bayern München und Gladbach oder auch mit der Nationalmannschaft die großen Erfolge hatten. Weltmeister und Champions-League-Sieger und so. Aber bei mir ist der Beginn hängengeblieben. Das war eine ganz neue Welt. In der Relation zu heute war das alles noch in den Kinderschuhen. Das war schon ein gewaltiger Sprung.»

Was hat den Fußball seinerzeit ganz entscheidend geprägt?

Overath: «Die Bundesliga hat dem Fußball in Deutschland natürlich unerhört geholfen. Man wurde an jedem Wochenende immer wieder neu gefordert. Das war zuvor in den Oberligen eben nicht so. Da gab es drei, vier starke Mannschaften. Die anderen waren froh, dass sie mitspielten. Und in den 70er Jahren gab es die größten Persönlichkeiten. Heute ist es viel schwieriger, sich so zu entwickeln, wie es in diesen Zeiten war.»

Waren die Siebziger die Hoch-Zeit der Spielmacher und der spielerischen Elemente des Fußballs?

Overath: «Unser Glück war, dass wir in Deutschland eine Mischung aus technisch und fußballerisch sehr guten Leuten hatten. Spielmachertypen, Leute, die dribbeln konnten, die fußballerisch sehr stark waren. Dazu kamen Spieler, die auch dazu gehörten, Schwarzenbeck oder Vogts, Bonhof. Die waren bereit, alles zu geben. Diese Kombination hat uns stark gemacht.»

Wie waren denn damals die Verdienstmöglichkeiten eines Topspielers?

Overath: «Da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Ich hätte bei einer WM auch ohne Geld gespielt. Geld hat mich nicht interessiert, das war total uninteressant. Mir ging es nur darum, Weltmeister zu werden.»

Sind Sie Millionär geworden durch den Fußball?

Overath: «Das hätten Sie jetzt gern, wenn ich Ihnen das sagen würde. Ich kann nur sagen, ich bin unheimlich dankbar und zufrieden. Ich habe in meiner Zeit sehr viel Geld verdient. Und ich bin dem Herrgott im Himmel sehr dankbar, dass er mir dieses Talent gegeben hat. Ich gehe auf die 70 zu und hatte nie einen Muskelriss. Ich spiele immer noch. Und ich habe mit sieben Jahren angefangen.»

Welche Gegenspieler war Ihr unangenehmster?

Overath: «Hoppy Kurrat. Wenn wir mit dem FC in Dortmund spielten, gab es meistens von hinten auf die Socken. Und in Köln versuchte er dann immer, auf Schönwetter zu machen. Der war wirklich unangenehm.»

Wie lassen sich die Spielmacherrollen von damals und heute vergleichen?

Overath: «Wenig. Den Sechser von heute gab es ja nicht. Es gab nur den Zehner. Aber ich sage: Die Spielmacher von damals wie Netzer oder ich selbst wären auch heute noch top, mit der ganzen Athletik, der bewussten Ernährung, den ganzen Möglichkeiten von heute.»