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Packende Hörerlebnisse

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Es ist höchst ärgerlich, dass selbst die aufregende, spannende Kammermusik von Bohuslav Martinu im allgemeinen Konzertbetrieb noch immer vernachlässigt und insgesamt viel zu selten aufgeführt wird. Das verrät viel über die sträfliche Trägheit und Einfallslosigkeit in weiten Teilen des Konzertlebens. Umso erfreulicher war es, dass die InselKonzerte für ihren diesjährigen Auftakt auch Martinus Klavierquartett H 287 von 1942 auf das Programm setzten.


Dafür gastierte mit dem Artis Piano Quartet ein Ensemble im Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstifts auf der Herreninsel, das mit diesem Werk bestens vertraut ist. Denn 1999 hatten Hiroko Atsumi (Klavier), Stefan Bornscheuer (Violine), Paul Pesthy (Viola) und Marin Smesnoi (Cello) das Klavierquartett von Martinu eingespielt und damit ihre Debüt-CD gestaltet. Seinen ersten Auftritt bei den InselKonzerten hatte das Ensemble aus Stuttgart hingegen vor rund fünf Jahren.

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Das Klavierquartett von Martinu wurde der Höhepunkt dieses Wiedersehens im Chiemgau. Mit ungeheurer Energie verlebendigten die vier Musiker, die größtenteils im Radio-Sinfonieorchester des SWR in Stuttgart tätig sind, die motorisch-kantige Rhythmik und polyphone Dichte. Es ist in jeder Hinsicht ein erstaunliches Werk: Während das Klavier im Adagio fast vollständig zurücktritt, darf es im Schlusssatz eine Art Solokadenz spielen – wie in einem Klavierkonzert.

Höchst intensiv und agil wurde die kühne Partitur von den vier Musikern durchdrungen, um packende Hörerlebnisse zu schenken. Dagegen fiel das Klavierquartett op. 16 von Beethoven etwas ab, wobei dieses Werk in der Region auch bestens bekannt ist. Schon häufiger stand es beim benachbarten Festivo auf dem Programm, zudem liegt beim hauseigenen CD-Label des Aschauer Kammermusik-Festivals eine glänzende Aufnahme des Werks vor – mit dem Festivo-Leiter Johannes Erkes an der Bratsche.

Da konnte das Artis Piano Quartet nicht ganz mithalten, zumal es das Werk historisch informiert hätte entschlacken können: Bisweilen etwas schwer und breit blieb das Spiel der vier Musiker. Dafür aber überzeugten sie mit einer konsequenten, in sich schlüssigen Sicht, womit sie eine originäre kammermusikalische Haltung im besten Sinn lebten. Im Klavierquartett Nr. 3 op. 60 von Johannes Brahms setzte sich dieser Eindruck fort, als Zugabe spielten die Musiker noch das wunderschöne Andante cantabile aus dem Klavierquartett op. 47 von Schumann. So wurde es eine starke Eröffnung der diesjährigen InselKonzerte. Am 8. Juni geht es bei der Reihe weiter, dann gastiert das renommierte Minguet Quartett mit Haydn, Mendelssohn und Bearbeitungen von Gustav Mahler. Marco Frei