Palliativ-Mediziner und Hospiz-Begleiterin bilden Kameraden vom Herzenswunsch Hospizmobil des Roten Kreuzes fort

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In einem für die Teilnehmer sehr bewegenden und anschaulichen Vortrag zeigte der Oberarzt der Palliativstation in der Kreisklinik Bad Reichenhall, Dr. Christian Stöberl die einzelnen Phasen eines sterbenden Menschen auf. Foto: BRK BGL

Traunstein/Berchtesgadener Land – Der in der Region bekannte Palliativ-Mediziner Dr. Christian Stöberl und die Hospiz- und Kinder-Hospiz-Begleiterin Rosemarie Helliel aus Piding haben ihre ehrenamtlichen Kameraden vom Herzenswunsch Hospizmobil des Roten Kreuzes bei einem Fortbildungstag fachlich und rechtlich auf den neuesten Sachstand gebracht. Der Abteilungsleiter Rettungsdienst und Krankentransport des Roten Kreuzes, Markus Zekert und Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter unterstützten die Schulung als Fach-Referenten. Der erste Fortbildungstag für Hospizmobil-Helfer aus dem Berchtesgadener und Salzburger Land und dem Landkreis Traunstein fand bereits vor einigen Wochen statt und war mit dem Auflagen eines Hygiene-Konzepts noch als Präsenz-Veranstaltung möglich.


Hospizmobil-Teamleiter Florian Halter führte durch die Veranstaltung und spielte zu Beginn eine Video-Botschaft von Schirmherrin Michaela Kaniber (Staatsministerin) ein, in der sie die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts betonte und allen Helfern für ihr großes freiwilliges Engagement dankte. In einem für die Teilnehmer sehr bewegenden und anschaulichen Vortrag zeigte der Oberarzt der Palliativstation in der Kreisklinik Bad Reichenhall, Dr. Christian Stöberl die einzelnen Phasen eines sterbenden Menschen auf.

Ihre tägliche Arbeit mit schwer kranken und sterbenden Menschen schilderte dann eine knappe Stunde lang die Hospiz- und Kinder-Hospiz-Begleiterin Rosemarie Helliel, wobei sie die äußerst komplexe und umfangreiche Hospizarbeit sehr praxisnah und gut verständlich am Beispiel vieler echter Begegnungen erklären konnte.

Florian Halter besprach danach Erfahrungen beim Ablauf, bei der Organisation und bei der  Durchführung der Fahrten und ging dabei auf technische, fahrzeugspezifische, rechtliche und etische Aspekte ein, wobei er besonders den Schutz der eingesetzten Helfer hervorhob, die neben konkreten Risiken durch Unfälle oder ansteckende Krankheiten auch psychisch besonders gefordert sind, wenn sie totkranke Menschen auf ihrer manchmal wirklich letzten Reise begleiten.

Da das Hospizmobil für Notfälle wie ein echter Krankenwagen ausgestattet ist und über Blaulicht und Martinshorn verfügt, erläuterte Rettungsdienst-Chef Markus Zekert den Unterschied zwischen Sonder- und Wegerecht im Straßenverkehr, bevor alle Helfer in einem offenen Erfahrungsaustausch die bisherigen Fahrten revuepassieren ließen.

Respekt für die Würde totkranker Menschen ungeachtet der Umstände

2020 war das Herzenswunsch Hospizmobil trotz fahrtenfreier Monate während der Corona-Lockdowns immerhin 19 mal im Einsatz; mittlerweile ist es neben dem Berchtesgadener Land und dem Landkreis Traunstein auch in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) für die Menschen im Salzburger Land unterwegs, wobei Reisen nach Italien, Kroatien, Wien und Berlin stattfanden. 2021 war für das ehrenamtliche Team nicht einfacher als das Vorjahr: Dank strenger Hygiene-Richtlinien konnten die Freiwilligen trotz der Pandemie vor allem in den Monaten mit sehr niedrigen Inzidenzen bis dato 22 Herzenswünsche erfüllen. „Uns ist wichtig, dass trotz der für uns alle ernsten und schwierigen Pandemie-Lage die Würde von totkranken Menschen ungeachtet aller Umstände den verdienten Respekt erfährt! Der ganze zusätzliche Aufwand durch Corona ist es uns allen wert, da die erfüllten Herzenswünsche für die Betroffenen mit ihrer oft nur noch sehr begrenzten Lebenszeit unbezahlbare Augenblicke ermöglichen. Oft zählen wenige Sekunden mehr und sind bedeutsamer als viele Jahre!“, erklärt Halter.

Das Herzenswunsch Hospizmobil hat mittlerweile auch im gesamten Freistaat richtig Fahrt aufgenommen: 2019 hatte zunächst das Rote Kreuz in den Landkreisen Straubing Bogen und Berchtesgadener Land die zündende Idee und begann mit den ersten beiden Fahrzeugen. Inzwischen gibt es 14 weitere Strandorte in ganz Bayern, darunter in Rosenheim, Erding und Nürnberg, wo das BRK flächendeckend schwer kranken Menschen Herzenswünsche erfüllt.

fb/red