Palliativstation in Bad Reichenhall freut sich über neues Klavier

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Musiktherapeutin Marisa Kadavanich (r.) und Dr. Christian Stöberl setzen sich gerne an das neue Klavier auf der Palliativstation. (Foto: Kliniken Südostbayern AG)

Bad Reichenhall – Ob Bach oder Improvisationen: Wenn zarte Klaviermusik durch den fünften Stock der Kreisklinik Bad Reichenhall perlt, halten Patienten und Mitarbeiter für einen Moment inne. Jeder Moment ist kostbar – besonders auf der Palliativstation. Dort steht das neue Klavier, nachdem das vorherige Instrument in die Jahre gekommen war. Musiktherapeutin Marisa Kadavanich und der Leiter der Palliativmedizin Dr. Christian Stöberl freuen sich über das neue Klavier, wissen sie doch um die vielfältig wohltuende Wirkung der Musik.


»Ich freue mich jedes Mal, wenn das Klavier erklingt«, sagt Dr. Christian Stöberl. »Nicht nur, weil ich selbst Musiker bin, auch weil Musik die Menschen einfach erreicht und berührt.« Der Oberarzt ist in seiner Freizeit leidenschaftlicher Klarinettist und Jugendchorleiter. Musiktherapeutin Marisa Kadavanich spielt seit ihrem fünften Lebensjahr Klavier und viele weitere Instrumente.

Dem Arzt, der Onkologe ist, und der Therapeutin war es ein großes Anliegen, das bisherige Klavier, das viele Jahre gerne und häufig genutzte Geschenk des Ehemannes einer Palliativpatientin, gegen ein neues Klavier auszutauschen, weil das Klavier in immer kürzeren Abständen gestimmt werden musste. Die Neuanschaffung konnte aus dem für solche Zwecke eingerichteten Spendenfundus der Palliativstation finanziert werden. »Dankenswerterweise ist uns das Freilassinger Musikhaus Öllerer entgegengekommen«, so Dr. Christian Stöberl.

Nun steht das neue Instrument im Aufenthaltsraum der Palliativstation. Dort erfreut es die Patienten ebenso wie das pflegerische und ärztliche Personal.

Auch auf der benachbarten internistischen Station im fünften Stock der Kreisklinik sind die sanften Klänge des elektronischen Klaviers zu hören. Patienten, Angehörige und Mitarbeitender mögen die Musik. »Es ist schließlich nicht damit zu rechnen, dass im Krankenhaus ein Klavier erklingt, das ist immer wieder ein spezielles Momentum – ein Augenblick der Ruhe und Entspannung«, sagt Dr. Christian Stöberl.

Marisa Kadavanich, die gerne ein Stück auf dem Klavier spielt, wird oft gefragt: »Spielen Sie morgen wieder?«

Die Musiktherapeutin erfasst oft die Stimmung, die gerade auf der Palliativstation vorherrscht und richtet danach aus, was sie spielt. Das kann ein Stück sein, das beruhigt oder tröstet, tragend wirkt oder aber auch einmal anregend oder aufmunternd ist. »Meistens improvisiere ich, ich bin dann freier, das Atmosphärische zu erfassen«, erklärt Marisa Kadavanich.

Ihre Erfahrungen bestätigen, was auch Dr. Stöberl erlebt: »Musik ist immer eine Möglichkeit, mit Patienten in Kontakt zu treten, ihnen etwas zu vermitteln«, sagt er. »Wenn jemand Ängste oder Panik hat oder sich schwer tut, etwas anzunehmen, ist Musik ein ganz niedrigschwelliges, für die Patienten sehr gut geeignetes Angebot«, so die Musiktherapeutin.

Gerade in der Palliativsituation seien Menschen mit Worten oft kaum zu erreichen. Beim nonverbalen Kontakt über die Musik »entsteht eine andere Ebene der Begegnung«, auf der dann aufgebaut werden könne, so Marisa Kadavanich. Für sie ist das Klavier »mein verlängerter Körper, ich bin mit dem Klavier aufgewachsen«, sagt die 53-Jährige. Ina Berwanger