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Pantomime, Nikolaus-Auftritt, Geschichten und Musik

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Mit Pantomime, heiterem Geschenke-Raten, einem sehr aktuellen Nikolaus-Auftritt, Geschichten und einem bunten Musikprogramm gestaltete der Verein »KulturGut« Ising im zweiten Jahr seines Bestehens seine zweite Theaterweihnacht.


Die Besucher bei der ersten von insgesamt vier Vorstellungen hatten im Isinger Saal auf Gut Ising ihre Freude an dem abwechslungsreichen Programm – von nachdenklichen Texten und der ausdrucksstarken Pantomime über lustige Einlagen bis hin zu toller Musik, dargeboten von dem neu formierten Ensemble Del Gusto. Die weiteren Termine sind am Samstag, 8., und Mittwoch, 26. Dezember, jeweils um 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 08669/5263.

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Sprecher Heinz Schmidt eröffnete den Abend mit einem Text zum Thema Verlustangst, um die es auch in der anschließenden Pantomime ging. Würde ein Kind, das auf Welt kommt, so begann Schmidt, wirklich auf die Welt kommen wollen, wenn es wüsste, was auf es zukommt. Oder würde es lieber wieder zurückkehren in wohlige Wärme des Mutterleibs. In der Pantomime, von Kirsten Benekam mit viel Hingabe und Nachdruck dargeboten, war ein Licht in einem roten Glas das Symbol für etwas Liebgewordenes, für einen Schatz, sei es ein Mensch, ob Kind oder Geliebter, eine Sache oder auch ein Amt. Eindrucksvoll stellte die Pantomimin dar, wie der Mensch versucht, solch einen Schatz sozusagen in einen goldenen Käfig zu sperren, wie man immer Angst hat, diesen Schatz zu verlieren. Erst dann, wenn man loslassen kann, wenn man Vertrauen hat und begreift, dass man diesen Schatz nicht ewig schützen oder besitzen kann, dann geschieht Befreiung. Umrahmt wurde diese Pantomime von schmeichelnden Violintönen und Klavierbegleitung.

Nach diesem nachdenkenswerten Einstieg wurde umgeschwenkt – auf weihnachtlich, auf vordergründig lustig, aber mit ernstem Hintergrund. Heinz Schmid und Kirsten Benekam kamen auf die Bühne, er als »echter« Nikolaus, sie als »echter« Engel. »Auf den Tannenspitzen«, so rezitierte der Nikolaus mit wallendem Barthaar, »sah man unzählige Pleitegeier sitzen«. Der Engel schnorrte die Leute im Publikum an: »Trinken Sie das noch, oder hätten Sie einen Euro für mich?« Die beiden outeten sich als weihnachtliche Dienstleister, für die es in München nichts mehr zu verdienen gebe, da in jedem Kaufhaus sowieso schon »zehn Nikoläuse und blöd grinsende Christkindl« ihr Unwesen trieben. Und so hätten sie halt gedacht, dass es in der Provinz, im Landkreis Traunstein, vielleicht leichter wäre.

Aber weit gefehlt. Auch hier wurden sie barsch drauf verwiesen, dass Betteln und Hausieren nicht erlaubt sei. Und auch ein Gang durch die Behörden brachte nichts, außer dass sie ausgelacht wurden oder dass die Sachbearbeiter böse wurden. Endlich – bei der Traunsteiner Tafel – bekamen sie dann wenigstens etwas zu essen. Und Glücksfall Nr. 2: Sie wurden vom Verein KulturGut Ising engagiert, um hier ein heiteres Geschenke-Raten zu moderieren, was sie denn auch taten. Dabei ging es darum, zu erraten, was in den einzelnen, schön eingepackten Packerln drin ist. Und für jedes »Nein« als Antwort auf die Fragen aus dem Publikum gab es fünf Euro: der Lohn für die abgebrannten himmlischen Mitarbeiter.

Nach der Pause stimmte dann Del Gusto die Besucher mit einem temperamentvollen Tango auf den zweiten Teil ein – eine Mischung aus Musik und lustigen Texten. Auch die Musik wurde immer wieder auch mit einem Schuss Humor dargebracht. Del Gusto trat damit erstmals in der Region in der neuen Besetzung auf: Aus dem ursprünglichen Ensemble sind nur Leiter Heinz Lichtmannegger (Bass) und Streicher Hartmut Weihs geblieben. Neu dazu gekommen sind Bojana Simic (Klavier) und Tomas Puskas, der mit Saxophon und vor allem seiner Klarinette, dazu mit seinem Temperament und seiner Spielfreude eine echte klangliche Bereicherung darstellt, wie sie zuvor etwa dem Akkordeon von Tanja Huber zugekommen ist. Aber auch Bertram Weihs durfte das eine oder andere Mal glänzen und zeigen, wie schön seine Geige klingen kann. Ein echter Höhepunkt war der Abschluss mit der Filmmusik zum Woody-Allen-Film »Knüller«, den vor allem Puskas mit viel Einsatz und Bewegung inszenierte, die Läufe an Klarinette und Geige vom Bass kräftig untermalt und vom Klavier und mit Fußstampfen temperamentvoll begleitet.

In den Geschichten, gelesen von Heinz Schmidt, ging es zunächst um den Streit: Mekka oder Bethlehem und um einen furchtlosen Regenwurm und seine »ängstliche Regenwürmin«. Dann gab es den Megatipp, wie man langes Suchen nach Mütze und dergleichen vermeiden kann: Man filme sich beim Heimkommen und stelle die Sequenz bei Youtube ins Internet.

Dann braucht man sich nur noch den Film anzuschauen, und man weiß, wo man die Dinge zuletzt abgelegt hat – außer man hat sie in der Kneipe vergessen. Viel Spaß hatten die Besucher auch an der Geschichte von der leidgeprüften Bäckereiverkäuferin, von der ein Kunde »gern für morgen drei Brötchen von gestern vorbestellen« wollte. Hans Eder

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