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Paranormale Parkplätze, Teil 1: Jurassic Parkdeck

Verkehrt - Die Kolumne aus der Kolonne - Parkdecks


Das Berchtesgadener Land ist gruselig. Im Tal der langen Schatten zwischen Texas Ramsau Massacre und Psychowiesen gibt es viele unheimliche Orte: den Toten Mann, den Kalten Keller, die Schlafende Hexe und die Mordau. Auch die Grabesstille in Marktschellenberg sorgt bei vielen für Gänsehaut. Doch die grausigsten Legenden ranken sich um Parkplätze. Es gibt zahlreiche dokumentierte Fälle von arglosen Autofahrern, die dort ihren Verstand verloren haben. Lesen Sie nun den ersten Teil der Trilogie über die Parkplätze des Grauens. Sie sind so schrecklich, dass der Enzian in den Adern gefriert. Los geht’s mit: Jurassic Parkdeck.

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Auf dem Parkdeck an der Ganghofer-Straße werden Menschen zu Matschmonstern, Fahrzeuge demoliert und unschuldige Verkehrsteilnehmer zu Geisterfahrern. Automaten wollen die Weltherrschaft an sich reißen. Und die Überwachung des ruhenden Verkehrs ruht nie. Willkommen auf dem Jurassic-Park-Deck. Auch bekannt unter den Namen Apoparklypse Now, Parkdeck der Affen und Blair Witch Parkdeck. Tagline: Nur die Harten können hier parken.

Hat man es geschafft, die vertrackt-verschnurgelte Auffahrt ohne Crash zu meistern – Achtung, es kommt Ihnen ein Geisterfahrer entgegen – geht die Challenge erst richtig los. Denn nur Kleinstwagenfahrer können unfallfrei auf einen der viel zu engen Stellplätze gelangen. Selbst klassische Golf-Besitzer fühlen sich wie ein Actionfilm-Held, der mit seinem Aston Martin einen Biker in einer immer enger werdenden Gasse verfolgt. Funkenflug links und rechts, der Aston Martin steckt fest.

Hat man sich durch das Schiebedach aus seinem Auto befreit, watet man unweigerlich knöcheltief im Wasser. Übrigens auch bei strahlendem Sonnenschein. Denn das Parkdeck liegt direkt am Fels und somit im Dauerschatten. Obwohl der Untergrund undicht ist, bleibt das Wasser stehen. Das Parkdeck gleicht mit seinen krassen Kratern einer Mondlandschaft. Wahrscheinlich hat die NASA die erste Mondlandung 1968 auf dem Ganghofer-Parkdeck gedreht. Denn seit damals ist garantiert nichts saniert worden.

Es gibt da diese Gruselgeschichte vom Grassl Sepp aus Gmerk (Name geändert), der wegen einer Testamentsänderung zum Notar gefahren ist und seinen Porsche Cayenne auf dem Parkdeck abgestellt hat. Und, obwohl er – was man nachvollziehen kann – eh schon zwei Stellplätze belegte, konnte er nicht aussteigen. Denn zwecks seines akuten Bandscheibenvorfalls und seiner chronischen Prostatavergrößerung reichte der kleine Türspalt nicht aus, um seinen vom Böllerschießen, Platteln und Bouldern immer noch recht drahtigen Körper hindurch zu zwängen. Der Sepp musste dann armselig verhungern. Den Leichnam gefunden hat am nächsten tag die Polizeihostess. Sie konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Und, dass er keinen Parkschein hatte.

Apropos Parkschein: Die Gebühr bezahlt man gern. Denn im Vergleich zu den nassen Schuhen, der besudelten Kleidung und der beschädigten Fahrertür sind die 50 Cent pro Stunde ein Klacks. Doch leider ist der Parkscheinautomat gruselig. Steht man vor ihm, denkt man sofort an die „Terminator“-Filmreihe. Fast hört man ihn „Hasta la vista, Baby“ flüstern. Wie beim echten Terminator blinkt da manchmal so ein kleines rotes Licht. Immer dann wird es gefährlich. Denn dann ist er entweder außer Betrieb oder will die Weltherrschaft übernehmen. Und tut seltsame Dinge. Zum Beispiel erst mal nichts. Und dann spuckt er gleich vier Tickets aus. Allerdings unbedruckte. Das Geld behält er aber. Das legt er für schlechte Zeiten zurück. Wenn das Parken einmal nichts mehr kostet. Christian Fischer