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Pas de deux durch die Musik-Epochen

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Felicia Graf (Violine) und Moritz Knapp (Marimbaphon) bereiteten ein genussvolles Konzert mit ausgesuchten Werken in außergewöhnlicher Instrumentierung. (Foto: Benekam)

»Musik kann die Grenzen zwischen Ländern, Kulturen und Religionen ineinander verschwimmen lassen, kann Menschen zusammenbringen und ohne Sprachbarriere wirken«. Bevor Felicia Graf im Isinger Saal in Ising zu ihrer Violine greift, spricht sie zusammen mit ihrem Partner Moritz Knapp (Marimba) über die gemeinsame Idee, bestehende Kultur- und Religionsclashs (Kollisionen) auf dem Globus mittels dem Wunderding Musik zu entkräften.


Denn Musik kann wirken, wo Sprache versagt, bringt Menschen zusammen und macht glücklich. Ein schöner Gedanke für ein Konzert, das unter dem Motto »Weltoffen« ganz seiner Gesinnung gerecht wurde. Ein Blick ins Programm verriet vorab, wohin die musikalische Reise geht. Die beiden Musiker hatten offenbar ihr Konzept gut durchdacht: Angefangen mit dem Namen »Duo Hathor« (Hathor ist eine Göttin in der ägyptischen Mythologie, die Kunst, Musik und Liebe vereint), ist sowohl die Werkauswahl, als auch die Instrumentierung grenzüberschreitend.

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Zudem schafften die beiden einen eleganten Pas de deux durch die Musik-Epochen, vergesellschafteten Moderne mit Barock und ließen Astor Piazzollas Klangfarben neben denen Claudio Monteverdis leuchten – und das in der doch sehr ungewöhnlichen Besetzung: Felicia Graf verzauberte auf Barockvioline, Violine, Viola und Moritz Knapp begeisterte mit seinem Spiel auf Marimbaphon, Tamburin, Davul (orientalische große Trommel) und Darabuka (ägyptische Trommel).

Piazzollas »Vuelvo al sur« eröffnete das weltoffene Konzert mit harmonisch-melodischen Linien. Im Anschluss rüttelte Dvoraks Slavischer Tanz mit flotten Rhythmen auf und erfreute die Besucher mit sorgloser Heiterkeit. Ab in den Norden ging es dann mit einer Romanze von Johan S. Svendsen: Aus dem Werk des Schweden spricht Weite und Freiheit, die besonders durch den Klang der Marimba, die ein munter fließendes Gewässer assoziieren ließ, Fernweh und Reiselust weckte.

Russisch, rassisch und mit volksmusikalischen Anklängen grüßte Igor Stravinsky mit »Chanson russe«, der ersten Kammermusikalischen Komposition für Schlagzeug, der die Marimba ganz besonderen Reiz verlieh. Der musikalische Kulturclash gipfelte aber im Anschluss in einer Komposition des Franzosen Jean-Marie Leclair, der Sonata op. 9 Nr. 3 »Le Tombeau«, in der die Barockvioline auf das moderne Marimba und das orientalische Davul traf und klanglich Freundschaft schloss.

Im zweiten Konzertteil, so erklärte das »Duo Hathor«, sollten im musikalischen Sinn die drei Weltreligionen einander nähergebracht werden. Arcangelo Corelli mit »La Follia« und Claudio Monteverdi mit einem »Ave Maria« vertraten das Christentum, Ernest Bloch mit »Baal Shem« das Judentum, und schließlich Omar Khairat mit »Fatma«, den Islam. Und genauso vielfältig klang das auch, denn die unterschiedlichen Einflüsse und Stimmungen, die aus den Kompositionen heraussprechen, schienen sich gegenseitig zu bereichern und bei dem hoch virtuosen Spiel der beiden Musiker war man sich fast sicher, dass bei dieser grenzüberschreitenden Weltoffenheit alles gut werden muss.

Jedenfalls leisteten Graf und Knapp ihren Anteil an einem harmonischen Miteinander der Kulturen, und das auf einfache, aber höchst wirkungsvolle Weise: »Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter!«, brachte schon William Shakespeare die Sache auf den Punkt. Die Gäste im Isinger Saal waren wohl derselben Auffassung, denn am Konzertende gab es Jubelrufe und kräftigen Applaus für eine rundherum großartige Leistung, sodass das »Duo Hathor« gerne zu einer Zugabe bereit war. Kirsten Benekam