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»Paukenschlag« vor Schließung der Traunsteiner Klosterkirche

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In der Traunsteiner Klosterkirche kamen die großformatigen Bilder des US-Künstlers Marcus Jansen besonders gut zur Geltung. Weitere Werke des Malers sind noch bis zum 23. April in Hohenaschau und in Ismaning bei München zu sehen. (Foto: Effner)

Mit einem echten künstlerischen »Paukenschlag« von internationalem Format, so Sigrid Ackermann, Vorsitzende der Traunsteiner Kulturfördervereinigung ARTS, schloss nach einem Vierteljahrhundert kultureller Höhepunkte der Kunstraum Klosterkirche in Traunstein seine Tore für längere Zeit. Diese Woche laufen bereits die zweijährigen Umbauarbeiten zur Modernisierung des Areals an.


Zahlreiche Kunstinteressierte nutzten die Chance, zwei Tage lang die sieben großformatigen Gemälde des US-Künstlers Marcus Jansen in Traunstein zu bestaunen. Der in Amerika hochgelobte Maler mit deutsch-jamaikanischen Wurzeln wird als Wegbereiter des »urbanen Expressionismus« gefeiert. Mit drei Aus-stellungen in Bayern und der Präsentation seiner neuen Buchdokumentation »Aftermath« setzt der 48-Jährige derzeit seine 2016 begonnene Eroberung der europäischen Kunstszene fort. Diese läuft bis Ende 2018 und umfasst auch Ausstellungen in Berlin, Leipzig, Wien und Salzburg. Der Buchtitel »Aftermath« bezieht sich nicht ohne Hintersinn auf eine aktuelle kanadische TV-Serie über eine dem Weltuntergang ausgesetzte Durch-schnittsfamilie bzw. auf die Folgewirkungen nach der 9/11-Katastrophe 2001.

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In den monumentalen postapokalyptischen Stadtszenarien und Schlachtfeldern von Jansen ist die Welt aus den Fugen geraten und der vereinzelte Mensch einer übermächtigen, bedrohlichen Realität ausgeliefert. Der amerikanische Mythos des Fortschrittsglaubens ist zerbrochen. »Es ist wichtiger, was ich instinktiv fühle, als was ich sehe«, beschreibt der in New York aufgewachsene, lange Zeit rastlose Künstler seinen Arbeitsstil. Mit gewaltigen Pinseln, Schwamm, Händen, Malerwerkzeug und ganzem Körpereinsatz lässt er in Zweisprache mit dem Unterbewusstsein einen farbmächtigen Malgrund entstehen.

Ausgehend von der Abstraktion nähert er sich dann detailversessen immer weiter konkret-realistischen Bildinhalten voller Zeitkritik, die dem abstrakten Raum gedanklich und perspektivisch Tiefe geben. Genmanipulation und Tierpatente, Umweltverschmutzung, Cyber-Überwachung, Schiffs- und Verkehrskatastrophen oder die Verheerungen des Kriegs sind wiederkehrende Themen. Auf den ersten Blick paradox wirkende Symbole der Unschuld – Spielzeug, Kinder, Bälle, Tiere oder Badeenten – setzen dabei Zäsuren des Innehaltens und brechen mit sanftem Humor den scheinbar erdrückenden Realismus wieder auf: Was ist Wirklichkeit und was Täuschung?

Unter anderem die existentiellen Grenzerfahrungen als 20-jähriger Soldat bei der US-Armee im Irakkrieg und an der Grenze zu Nordkorea waren es, die die inneren und äußeren Bildwelten von Marcus Jansen entscheidend geprägt haben. Darauf verwies Dr. Birgit Löffler, Leiterin des Museums DASMAXIMUM in Traunreut, bei der Ausstellungseröffnung in der Traunsteiner Klosterkirche. Sie bestimmen heute ebenso wie die Häuserruinen und Graffitikunst aus dem New York seiner Kindheit das multikulturell geprägte Weltbild wie die Begegnung mit dem deutschen Expressionismus und der Streetart während seiner Jugendzeit im Mönchengladbach der 80er-Jahre. Dort absolvierte der fließend deutsch sprechende Künstler auch zwei Ausbildungen zum Werbegrafiker und Gebäudemaler.

Als »bildnerischen Kommentar zur sozialen und politi-schen Gegenwart«, bezeichnete Dr. Gottfried Knapp, Kunstkritiker der Süddeutschen Zeitung, Jansens Werke bei seiner Analyse in der Klosterkirche. Die virtuose Verbindung der »gestischen und koloristischen Freiheiten der abstrakten Malerei mit der inhaltlichen Beredtheit und der handwerklichen Präzision naturalistischer Darstellungen« mache seine Gemälde zu »einzigartigen Kunstwerken«.

Nach weltweiter Ausstellungstätigkeit zählt die US-Presse Marcus Jansen zu den wichtigsten, zeitgenössischen Künstlern Amerikas. Seine »Europatour« durch Galerien und Museen des alten Kontinents begann im September 2016 in Mailand mit der Ausstellung »Decade«, die im Mittelpunkt der dortigen Triennale stand.

Dank der Vermittlung des in Traunstein gebürtigen, weltweit tätigen Ausstellungskurators, Kunstkritikers und -beraters sowie Publizisten Dr. Elmar Zorn sind Hauptwerke von Jansen auch im Chiemgau zu sehen: nach der Klosterkirche in Traunstein auch noch bis 23. April in der am Freitag eröffneten Ausstellung »Aftermath« im Kunstverein »Kunst und Kultur in Hohenaschau« in Aschau/Chiemgau. Weitere wichtige Arbeiten zeigt ebenfalls bis 23. April eine Gruppenausstellung zum Thema »Ecce Homo« im Kallmann-Museum in Ismaning bei München. Axel Effner