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«Pegida»-Bewegung mobilisiert Anhänger wie Gegner

Dresden/München (dpa) - Gegen die islamfeindliche «Pegida»-Bewegung formiert sich bundesweit immer mehr Widerstand. In mehreren deutschen Städten gingen am Montagabend mehr als 20 000 Menschen auf die Straße, um ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit zu setzen.

Menschenmenge
«Pegida»-Anhänger in Dresden beim «gemeinsamen Weihnachtsliedersingen» auf dem Platz vor der Semperoper. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
«Pegida»-Kundgebung
Weihnachtslieder und Schmähungen haben die bisher größte «Pegida»-Kundgebung in Dresden geprägt. Bis ins neue Jahr soll nun aber erstmal Schluss sein mit den Kundgebungen. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Dresden
«Pegida»-Anhänger protestieren in Dresden gegen die angebliche Überfremdung. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
Gegen Pegida
Eine Teilnehmerin einer Demonstration gegen Rechtsextremismus, Fremdenhass und die Anti-Islam-Bewegung "Pegida" hält ein Schild in die Luft. Foto: Nicolas Armer Foto: dpa
Bogida
Bogida-Demonstranten protestieren in Bonn auf dem Marktplatz gegen "Salafisten" . Foto: Roberto Pfeil Foto: dpa
Kundgebung in Dresden
Anhänger des «Pegida»-Bündnisses demonstrieren in Dresden gegen die angebliche Überfremdung durch Flüchtlinge. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
Lutz Bachmann
Lutz Bachmann, Initiator des «Pegida»-Bündnisses, spricht in Dresden. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
«Bogida»-Demonstration
Ein «Bogida»-Aktivist demonstriert in Bonn. Foto: Roberto Pfeil Foto: dpa
Anti-«Kagida»-Demo in Kassel
Nicht fein, aber deutlich: «Fuck off Kagida», wünschen sich die Gegendemonstranten in Kassel. Foto: Uwe Zucchi Foto: dpa
Anti-Kagida-Demo
"Keine Angst vor Männern mit Bärten" - ein als Nikolaus verkleideter Gegendemonstrant bei einer «Kagida»-Kundgebung in Kassel. Foto: Uwe Zucchi Foto: dpa
Kagida-Demo in Kassel
Polizisten eskortieren in Kassel 170 Menschen, die unter dem Motto «Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes» demonstrieren. Foto: Uwe Zucchi Foto: dpa

Zugleich versammelten sich aber auch in Dresden so viele «Pegida»-Anhänger wie noch nie. Laut Polizei mobilisierte das Bündnis rund 17 500 Menschen und damit noch einmal 2 500 mehr als in der Vorwoche.

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Dabei werden die Töne schärfer. Insbesondere eine Rede habe an mehreren Stellen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt, sagte der Politikwissenschaftler Werner Patzelt am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Kundgebung hatten Redner unter großem Beifall auch Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich attackiert.

Angekündigt hatte «Pegida» ein gemeinsames Weihnachtssingen vor der Semperoper. Tatsächlich wurden Verunglimpfungen von Politikern und Beschimpfungen von Journalisten ebenso begeistert bejubelt wie ausländerfeindliche Parolen. Medienvertreter wurden mit dem tausendfach skandierten Ruf «Lügenpresse» begrüßt.

Aus Protest gegen die «Pegida»-Veranstaltung zogen 4500 Gegendemonstranten durch die Stadt, rund 400 Menschen kamen zu einem ökumenischen Friedensgebet. Zeitgleich gingen in anderen deutschen Städten Tausende auf die Straße, um gegen Rassismus und Ausgrenzung zu demonstrieren. Allein in München versammelten sich nach Schätzungen der Polizei mindestens 12 000 Menschen, die Veranstalter sprachen sogar von 25 000.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Kirchenvertreter und Künstler sprachen sich entschieden gegen jede Form von Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit aus. In Kassel stellten sich rund 2000 Demonstranten einer Gruppe «Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes (Kagida)» entgegen, in Bonn protestierten rund 2500 Menschen gegen eine islam-kritische Kundgebung mit 200 Teilnehmern.

Am kommenden Montag will «Pegida» auf eine Kundgebung in Dresden verzichten. Das Bündnis «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» wendet sich gegen eine angebliche «Überfremdung» Deutschlands. Genährt wird die Bewegung, die auch Menschen aus dem bürgerlichen Lager auf die Straße lockt, nach Ansicht von Experten von einer diffusen Angst vor sozialem Abstieg. Unter dem Ruf «Wir sind das Volk» schließen sich seit Wochen immer mehr Menschen diesen sogenannten Montagsdemonstrationen an.

Mehr als 50 DDR-Bürgerrechtler protestierten am Dienstag gegen die Vereinnahmung der friedlichen Revolution. Der Ruf «Wir sind das Volk» habe 1989 für Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit gestanden, unterstrichen die Akteure des friedlichen Wandels in der DDR. «Ihr sprecht nicht für '89, ihr sprecht für keine Freiheitsbewegung, ihr seid deren Schande», heißt es am Schluss der Erklärung.

Der stellvertretende Vorsitzende der rechtskonservativen Alternative für Deutschland, Alexander Gauland, wirft «Pegida»-Kritikern hingegen vor, die Bewegung pauschal zu diffamieren. «Kaum eine Demonstration ist in der letzten Zeit friedlicher, gewaltfreier und anständiger verlaufen als jene von «Pegida»», erklärte Gauland.