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Perfekte Inszenierung der »Heiligen Nacht«

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Eindrucksvoll war die Lesung mit Musik im Kammermusiksaal der Sawallisch-Villa mit (von links) Heinrich Albrecht (Ziach), Sprecher Andreas Estner und den Grassauer Bläsern. (Foto: Eder)

Still wurde es im festlichen Kammermusiksaal des Sawallisch-Anwesens in Grassau, wunderschön auf dem Berg gelegen, als die Grassauer Bläser mit ihren feinen Klängen auf den Abend einstimmten und Andreas Estner mit der Lesung der »Heiligen Nacht« von Ludwig Thoma begann.


Die »Wolfgang-Sawallisch Stiftung« machte diese Benefizveranstaltung möglich. Diese war sogar so gefragt, dass zwei Termine anberaumt werden mussten. Alle Gäste dieses außergewöhnlichen Abends waren begeistert, nicht zuletzt wegen des Sprechers. Andreas Estner vom Bayerischen Rundfunk gelang es mit seiner schönen, tiefen Stimme, gleich zu Beginn eine besondere Atmosphäre zu zaubern. Ruhig und bedacht las er die Passagen, die die lange, beschwerliche Wanderung des heiligen Paars beschrieben, gefühlvoll die Zwiegespräche zwischen Maria und Josef, die Zweifel und Hoffnung gleichermaßen ausdrückten.

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Estner schlüpfte mit unterschiedlichen Stimmlagen aber auch in die Rollen der anderen Darsteller der Geschichte, mimte das keifende Weib oder den aufgebrachten Bauern, die beide das heilige Paar nicht einlassen wollten. Dem Sprecher gelang es, das Publikum ganz in seinen Bann zu ziehen. Dieses wiederum ließ sich auf die Geschichte, die unterschiedlichen Charaktere, die Ludwig Thoma so gefühlvoll geschrieben hat, ein.

Einen besonderen Hörgenuss boten die Grassauer Bläser mit Wolfgang Diem, Peter Boschner, Johann Schmuck und Matthias Linke, die die Stimmung mit sanften, sehr melodischen Stücken unterstrichen. Heinrich Albrecht, langjähriger Leiter der Musikschule Inzell, spielte geradezu virtuos auf der Ziach, ganz leise, um die romantische Stimmung nicht zu durchbrechen. Besonders der perfekte Wechsel zwischen hochkarätiger Musik und Lesung machte den Abend so außergewöhnlich. Zum krönenden Abschluss ertönte aus dem Nebenraum, dem Empfangsbereich, das Alphorn, gespielt von Wolfgang Diem. Nach dem Schlussakkord traute sich fast niemand zu klatschen, immer noch war das Publikum so gefangen. Doch dann wurde die musikalische Lesung mit lautem Applaus belohnt.

Im kommenden Jahr wird es mehrfach die Gelegenheit geben, im Kammermusiksaal Konzerte zu erleben. Die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung plant eine Konzertreihe mit zwölf Veranstaltungen. Tamara Eder