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»Perspektivenwechsel« wärmstens empfohlen

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Der Kabarettist Max Uthoff bei der ausverkauften Veranstaltung »Gegendarstellung« im Prinzregentensaal in Marquartstein. (Foto: Giesen)

Brechend voll war der Saal des Gasthofs Prinzregent beim seit längerem ausverkauften Gastspiel des renommierten Kabarettisten Max Uthoff, der vor allem durch die Auftritte in »Die Anstalt« im ZDF vielen ein Begriff ist. Organisiert war die Veranstaltung von MIT, der Marquartsteiner Interessengemeinschaft und seiner Vorsitzenden Gisela Ulrich.


Mit seinem Programm »Gegendarstelltung – mit den Waffen eines Pazifisten« lieferte er dem Publikum über zwei Stunden lang ein wahres Feuerwerk an Gedanken, Ideen, Pointen – meist zur aktuellen Politik und dem Zustand unserer Gesellschaft. Mit Aussprüchen wie »Alles hat ein Ende, nur die Gier nicht« geißelte der Kabarettist aus München das kapitalistische System, brachte seine Sicht der Dinge einerseits böse bis zynisch, andererseits auch witzig und unterhaltsam an den Mann/die Frau.

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»Die Bayern halten es für Diskriminierung, wenn immer der Kompetenteste den Job bekommt«, so Uthoff. Daher sei er – besonders als Kabarettist – dafür, das Markus Söder künftiger bayerischer Ministerpräsident werde. Auch viele andere Politiker bekamen ihr Fett weg, allen voran Bundespräsident Joachim Gauck, von dessen Weihnachtsansprache »niemand so berührt wie Joachim Gauck« war, was Uthoff mit der Zählung der sich meldenden Zuhörer im Saal untermauerte, die die Ansprache gehört hatten: zwei. »Zwei mehr als sonst«, meinte Uthoff. Gerhard Schröder bezeichnete er als »die Rote Null«, der Begriff »patriotischer Europäer« sei »wie ein Autist im Swingerclub«.

Max Uthoff steht seit acht Jahren als Solokabarettist auf der Bühne. Der studierte Jurist kam früh mit der Kleinkunst in Berührung, da seine Eltern seit 1965 das Rationaltheater in München betrieben, dessen Leitung er 2006 für zwei Jahre übernahm. Von 2011 bis 2013 war er als »Anstaltsanwalt« regelmäßiger Gast in der Sendung »Neues aus der Anstalt«, dann übernahm er seit Anfang 2014 mit Claus von Wagner als Gastgeber die Nachfolgesendung »Die Anstalt«.

Ohne Unterbrechung durch Musik oder andere Darsteller zog Uthoff sein bisweilen anstrengendes, viel Aufmerksamkeit erforderndes Einmannprogramm durch. Die Besucher lauschten aufmerksam, meist war es mucksmäuschenstill im Saal, immer wieder unterbrochen von Raunen, Zwischenapplaus und Lachern. Uthoffs Feststellungen zur deutschen Gesellschaft: »Keiner geht mehr raus, alle bestellen Outdoorjacken im Internet«. Zur Kirche: heute sei der »Kapitalismus die Religion«, Banken die Gotteshäuser, der Kontoauszug das Gebetbuch, denn viele würden bei seinem Anblick sagen »o Gott!«. Wenn man wolle, dass jemand wirklich im Zölibat lebt, solle man ihn zwingen zu heiraten, schlug der Kabarettist vor.

Neben den poltischen Spitzen wurde Uthoff besonders am Ende des Programms ganz ernst, als es um Asylpolitik ging, wo es Politkern immer wieder gelänge, »Opfer zum Täter zu stilisieren«. Jeder vierte Hartz 4-Empfänger sei psychisch krank. Die Elite habe ganze Arbeit geleistet, wenn die Gesellschaft Langzeitarbeitslose als faul bezeichne. Christian Wulff bekomme jährlich 20 000 Euro fürs Nichtstun, aber in Wirklichkeit habe »es niemand verdient, mehr als eine Krankenschwester zu ver-dienen«, so Uthoff. Nicht die Arbeitnehmer, »die Erwerbslosen in unserem Land leiden unter Stress«. Man rege sich nicht mal mehr über die Tafeln in Deutschland auf«, stellte Uthoff fest, so werde das Sozialstaatsprinzip zum Wohlfahrtsstaatsprinzip. Uthoff empfahl »Perspektivenwechsel«.

Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht die letzte Veranstaltung ihrer Art in Marquartstein gewesen ist und es MIT noch oft gelingt, Publikumsmagneten wie Max Uthoff zu organisieren. Christiane Giesen