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Philharmonischer Sommer endet mit sommerlicher Leichtigkeit

»So schön wie heut, so müsst es bleiben« – unter dieses Motto stellte Dirigent Martin A. Fuschsberger den Melodienreigen beim Schlusskonzert der Konzertreihe »Philharmonischer Sommer« in der Konzertrotunde am Bad Reichenhaller Kurgarten. Zusammen mit dem Solisten Heinz Pühl am Klavier unternahm das Orchester einen musikalischen Streifzug durch das Genre Tanz- und Filmmusik der 1920er und 1930er Jahre. Im Programm fanden sich auch viele Musikwünsche treuer Konzertbesucher wieder.

Bereits die Konzerteröffnung mit der Ouvertüre zur Operette »Wiener Frauen« von Franz Lehar geriet zu einer beeindruckenden Demonstration spielerischer Leichtigkeit, Beschwingtheit, orchestraler Homogenität und festlichen sommerlichen Flairs. Stimulierend erklangen hier fröhlich-festliche Themen im Polkatakt, nach Dynamiksteigerungen und mächtigen Bläserakkorden immer wieder abgelöst von lieblichen, geschmeidigen Walzerklängen. Eine einmalige Gelegenheit bot sich bei der Kadenz, die, entgegen der sonst üblichen Aufführungspraxis, an diesem Abend vom Pianisten Heinz Pühl ausgeführt werden konnte, der den Konzertabend im ersten Teil mitgestaltete. Im Medley »Ein Abend mit Friedrich Schröder Teil II« erklangen bekannte Melodien eines der bekanntesten Schlager- und Filmmusikkomponisten der Nachkriegsjahre und Schüler des Berliner Operettenkomponisten Paul Lincke. Franz Stolzenwald hat dieses Konzertstück zusammengestellt.

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Mit Titeln wie »Ich tanze mit dir in den Himmel hinein«, »So stell ich mir die Liebe vor« oder »Ein Glück, dass man sich so verlieben kann« erreichte das Orchester genau den Geschmack des Publikums. Fuchsberger erntete für seine gekonnte Gesangseinlage bei »Man müsste Klavierspielen können« verdienten Szenenapplaus. Natürlich durfte bei diesem sommerlichen Konzert der Walzer »Rosen aus dem Süden« von Johann Strauß nicht fehlen. Das Medley »So schön wie heut, so müsst es bleiben«, arrangiert von Heinz Pühl und seinem Freund Robert Opratko, der seinerseits große Galashows für das Fernsehen arrangiert hat, umfasste Werke von Peter Kreuder und Franz Grohte, zwei weitere große Schlager- und Filmmusikkomponisten der Nachkriegszeit. Titel wie »Ein Walzer für dich und für mich«, »Auf dem Dach der Welt«, »Illusion« oder »In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine« erfreuten nicht nur die Konzertbesucher, sondern ließen Heinz Pühl am Klavier zu Höchstform auflaufen, vom Dirigenten gefühlvoll, rücksichtsvoll und sehr aufmerksam in das Konstrukt des Orchesters eingebunden.

Nicht nur durch seine lebendige Körpersprache, sondern durch manch schelmischen Blick in das Publikum, nach einem besonders variantenreich gespielten Schlussakkord, sorgte Pühl für eine weitere, erfrischende Auflockerung. Mit begeisterten Applaus verabschiedete ihn das Publikum und entließ die Musikerinnen und Musiker der Bad Reichenhaller Philharmonie in die Pause.

Mit der »Fächer Polonaise« von Carl Michael Ziehrer ging es tänzerisch in den zweiten Teil des Konzertabends. Einen weiteren Publikumswunsch erfüllte der Klangkörper mit »Laras Thema« aus dem Filmepos der 1960er Jahre »Dr. Schiwago«. Der 2009 verstorbene Komponist Maurice Jarre schuf diese unvergessliche Musik im Jahr 1966. Mit einem von Horst Kudritzki arrangierten Medley, mit weiteren bekannten Melodien von Peter Kreuder wie etwa »Für eine Nacht voller Seeligkeit«, »Wenn es Frühling wird« oder »Ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben« gestalteten die Musikerinnen und Musiker den letzten Programmpunkt des Abends mit viel Spielfreude, schwungvoll, mitreißend und nuancenreich.

Mit geschmeidigen Übergängen, feinen Streichersoli, gedämpfte Trompetenmelodien, feinen Harfenläufe, hellen Klängen eines Glockenspiels, Paukenwirbeln, einem schmissig bedienten Schlagzeug, launigen Tempowechseln und einem tragenden Klangteppich der tiefen Streichinstrumente ließ das Orchester viele Facetten ihrer Kunst ein weiteres Mal aufblitzen. Dirigent Fuchsberger verstand es ausgezeichnet, in einer verbindlichen, bescheidenen Art und Weise durch das Programm zu führen, dieses mit eigenen Gesangseinlagen zu bereichern und »nebenbei« das Orchester als Dirigent nicht nur zu stimulieren, sondern es schwungvoll und exakt durch den Konzertabend zu führen. Zum Schluss bedankte er sich bei den Besuchern für den großen Zuspruch und die Treue zum Orchester. Im Gegenzug honorierten die Konzertbesucher die Leistung des Orchesters mit anhaltendem euphorischem Applaus. Mit einer kurzen Sequenz aus »Das ist die Liebe der Matrosen« setzte das Orchester den Schlusspunkt zum »Philharmonischen Sommer«. wb