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Philharmonisches Finale

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Es gab viel Applaus für die Bad Reichenhaller Philharmoniker und ihren scheidenden Dirigenten Christian Simonis. (Foto: Aumiller)

»Finale«, das letzte besondere Philharmonische Konzert dieser Saison der außergewöhnlichen Umstände setzte zugleich den Schlusspunkt für zwei besondere Musiker: Generalmusikdirektor Christian Simonis verlässt nach elfjähriger produktiver Tätigkeit Bad Reichenhall und die Philharmoniker und Solopaukist Alfons Panzl verabschiedet sich nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand.


Viermal gespielt

Im September 1980 hatte Panzl unter Wilhelm Barth im Orchester angefangen. Seither hat er um die 12 000 Konzerte gespielt und sich daneben in vielen aktuellen Belangen ehrenamtlich für das Orchester eingesetzt, »weil er ein Liebender ist«, wie Simonis Panzls Unermüdlichkeit zum Ausdruck brachte. Bis Ende des Monats sollte Christian Simonis noch mit mehreren Kurkonzerten eine Abschiedsrunde drehen, aber durch den plötzlichen Lockdown für das Berchtesgadener Land war dieses letzte Philharmonische Konzert – das wegen der Besucherbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie viermal gespielt wurde – zum endgültigen Finale geworden. Mit der Philharmonischen Weihnacht wird dann der neue Chefdirigent, der 35-jährige Amerikaner Daniel Spaw, die neue Ära einleiten.

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Unter Corona-Bedingungen fanden 39 Musiker auf der Bühne des Theaters Platz, gerade so viele, wie das Orchester an festen Mitgliedern aufweist. Die Programmauswahl setzte sich aus Stücken zusammen, die jeden Musiker zum Einsatz brachten. Überdies zeigten die vier ganz unterschiedlichen Werke eine breite Vielfalt an Klangszenarien, was zu den Stärken der Philharmoniker zählt.

Den Anfang machte »Musik für ein Fest« op.64, die Konzertouvertüre für Orchester des Wiener Komponisten Thomas Daniel Schlee, der im Zuschauerraum anwesend war. 2005 zur Neueröffnung des Theaters an der Wien geschrieben, fand 2006 die Uraufführung mit den Wiener Symphonikern unter dem Dirigat von Plácido Domingo statt. In drei Teilen bietet die Komposition eine breite Palette an Vielfarbigkeit, instrumental fordernden Klangkombinationen und harmonischen Verknüpfungen, von Simonis und den Musikern konzentriert und beeindruckend präsentiert.

Im Anschluss brillierte Alfons Panzl mit seiner Abschiedsnummer, dem »Divertimento« für vier Pauken und Orchester, das Karl-Heinz Köper 1981 speziell für ihn kreiert hatte. Damit schloss Panzl den Kreis seiner langjährigen Reichenhaller Zugehörigkeit. Hier paukte er noch einmal in die Vollen: Wie Donnerhall schallte es aus des Orchesters Tiefen, fast ein Konzert für Pauke mit obligater Streicherbegleitung. Dann im ruhigen Mittelsatz hatten die Streicher das zur Ruhe gekommene Sagen in feinen Klangvarianten und im Hintergrund pochte und grummelte das Paukensolo geheimnisvoll, sich dann wieder zum mächtigen Sturm steigernd. Ohne Panzl kann man sich das Orchester nur schwer vorstellen, er war die stets präsente Größe und wird künftig eine Lücke hinterlassen.

»La danse macabre« op.40 von Camille Saint-Saëns passe irgendwie zu Corona, meinte Simonis. Die Symphonische Dichtung stellt einen Totentanz dar, ursprünglich für Gesang und Klavier gedacht. Später entschloss sich der Komponist für die Orchesterversion und die Violine trat an die Stelle der Gesangsstimme. Konzertmeisterin Sophie Ferge setzte dem Raffinement der instrumentalen, nächtlich makabren Spukszenarien und Tanzelemente elegante Violinsoli entgegen. Faszinierenden Klangsinn strahlte diese Musik aus.

Die große Schlussnummer, Bedrich Smetanas Symphonische Dichtung »Die Moldau«, wurde zum fabelhaften Ausklang des Abschiedskonzerts. Das große Fließen und Strömen der Musik, die den Flusslauf von der Quelle bis zum mächtigen Strom mit Stromschnellen, Jagd-und Tanzszenen entlang der Ufer oder Nymphen im Mondschein versinnbildlicht, brachten Simonis und die Musiker mit wunderbarem orchestralen Glänzen und beeindruckend schwelgerischem Melodienfluss zum beglückenden und gegen Ende machtvollen Blühen.

Elisabeth Aumiller