weather-image
12°

Piano solo mit Hindernissen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Ein klassisches Konzert spielen Gogol (links) und Mäx zwar nicht, dafür verzaubern sie ihr Publikum auf vielen Instrumenten und mit akrobatischem Können. (Foto: Heel)

Durchgehend zum Lachen und Staunen brachten die beiden Musikclowns Gogol und Mäx ihr Publikum im voll besetzten Studiotheater des Traunreuter k1, wo sie ihr »Concerto Humoroso« aufführten. Ihr Rezept war dabei so einfach wie genial: Gogol (Christoph Scheib) gab den scheinbar seriösen Pianisten mit Frack und Mittelscheitel, der so gerne ein klassisches Klavierkonzert geben würde – wäre da nicht sein langmähniger Gehilfe, der destruktive Mäx (Max-Albert Müller), der ihm schon nach wenigen Akkorden ständig dazwischen funkt und seine eigenen Ideen durchzusetzen versucht.


Und das nicht nur beim Klavierspiel, das sie beide meisterhaft beherrschen und mit dem sie, wenn sie denn wollten, auch mühelos einen klassischen Konzertsaal bespielen könnten. Nur eben nicht auf dem Kopf stehend oder übers Klavier rückwärts gebeugt.

Anzeige

Aber dem nicht genug: Das ungleiche Paar beherrscht unzählige weitere Instrumente, speziell Mäx, der mit fast allem Musik machen kann, sogar mit der Bodenplatte eines Xylofons, einem Gartenschlauch oder einem Trichter. Faszinierend war auch sein Auftritt mit dem Alphorn und mit seiner Vorliebe für das spanische Volkslied »La Cucaracha«, das er bei jeder Gelegenheit anstimmte, trieb er Gogol (fast) in den Wahnsinn.

Aber selbst das genügte den beiden Ausnahme-Künstlern nicht, sie verzauberten ihr Publikum auch noch mit ihrem akrobatischen Können, mit schlicht atemberaubenden Kunststücken – ob am Klavier oder an einem wackligen Metallgerüst, das sie erklimmen mussten, um ein ganz oben platziertes Notenblatt zu ergattern. Ein musikalischer Wettstreit zwischen »Piano Solo« und »Attaco«, bei dem wahrlich kein Auge trocken und kein Lachmuskel unbewegt blieb und mit dem »Gogol & Mäx« (aus Staufen im Breisgau) seit über 25 Jahren Erfolge feiern. Wobei die beiden ihr Programm natürlich stetig weiterentwickeln, denn »heutzutage in der Zeit des Zappens braucht das Programm einen Swing, es muss schnell getaktet sein«, wie sie feststellten. Das zeigte sich auch am Schluss, als Gogol auf sein Klavier kletterte und auf einer Eisenstange, die auf einer Vase und einer Tuba aufsaß, hin und her balancierte.

Als Zugabe brachten sie zunächst gemeinsam zwei Glas-Harfen zum Klingen, ganz besinnlich und leise, bevor sie sich mit einem rasanten Gitarren-Flamenco verabschiedeten, begleitet von frenetischem Applaus. Denn ein so herrlich komisches Konzert erlebt man sonst nicht. Wolfgang Schweiger